vergrößernverkleinern
Der Deutschland-Achter wurde 2011 zum dritten mal in Serie Weltmeister © getty

Er ist eine der größten deutschen Gold-Hoffnungen. Für den seit vier Jahren unbesiegten Deutschland-Achter zählt nur der Sieg.

London - Kristof Wilke gibt auch außerhalb des Wassers den Takt vor. "Zweifel sind nicht erlaubt", verkündet der Schlagmann des Deutschland-Achters selbstbewusst.

Für das seit vier Jahren in 34 Rennen ungeschlagene Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) zählt auf dem Dorney Lake nur der Olympiasieg .

Mit Vize-Weltmeister Großbritannien, Olympiasieger Kanada und den Niederlanden erwischte der deutsche Achter bei der Auslosung die schwersten Gegner für den Vorlauf am Samstag (ab 11.10 Uhr im LIVE-TICKER)

Nur der Sieger zieht direkt ins Finale ein, die drei anderen Großboote müssen in den Hoffnungslauf.

Holtmeyer stocksauer

"Das ist ein Auftrag, den nehmen wir an", sagte DRV-Cheftrainer Hartmut Buschbacher.

Achter-Coach Ralf Holtmeyer blieb nicht ganz so gelassen. "Das ist ein Witz nach dem anderen. Man sollte die Vorläufe so setzen, dass es sinnvoll ist", kritisierte er die Auslosung.

"Es kann nicht sein, dass die ersten Drei der letzten WM in einem Lauf sind", fügte er hinzu.

Letztes Gold 1988

Es wäre das erste Gold seit 24 Jahren. Als der Achter 1988 in Seoul zum Olympiasieg ruderte, war Wilke drei Jahre alt.

"Die Bilder habe ich mir später aber im Internet angeschaut", erzählt der 27-Jährige aus Radolfzell.

Holtmeyer: "Jetzt muss der Thron drauf"

Zudem konnte Wilke einen Zeitzeugen täglich direkt befragen. Holtmeyer trainierte damals das DRV-Paradeboot, und er tut es auch heute.

Der Name des 56-Jährigen steht für den Erfolg. Nach dem Untergang des Achters in Peking kehrte Holtmeyer 2008 auf die Kommandobrücke zurück. Die schier unglaubliche Siegesserie mit drei WM-Titeln begann.

"Wir haben schon sehr viel erreicht. Das ist im Tresor. Jetzt muss der Thron drauf", meint Holtmeyer.

Seit acht Monaten drei Trainingseinheiten

Hart, aber herzlich und unbeirrbar in seiner Linie - der Erfolgstrainer genießt bei seinen Ruderern ein hohes Ansehen.

Dabei ist der Deutschland-Achter keine Wohlfühloase. "Wenn sie die harmonischste Mannschaft haben wollen, dann ist das die Theken-Mannschaft, die sich einmal in der Woche trifft", so Holtmeyer.

Der Achter, dessen Mythos auf dem Olympiasieg 1960 gründet, trifft sich seit über acht Monaten zu drei Trainingseinheiten täglich.

Briten als größte Konkurrenten

Da wird auch der ein oder andere Konflikt ausgetragen, da geht es auch schon mal laut zu. Man versuche sich immer zu verbessern, das gehe nicht immer mit Harmonie, so Holtmeyer, der von der Leistungsfähigkeit seiner Crew überzeugt ist:

"Es wird der gewinnen, der seine Stärken ausspielt. Das werden wir machen." (543187DIASHOW: Die deutschen Medaillenhoffnungen)

Vize-Weltmeister Großbritannien gilt als größter deutscher Konkurrent. "Es gibt aber keinen Heimvorteil", meint der Mannheimer Filip Adamski: "Wir haben die beste Position auf Gold. Das heißt aber nicht, dass die anderen Nationen uns diese Medaille schenken."

Achter im Vorlauf schon unter Druck

Daher wird nichts dem Zufall überlassen. Die Eröffnungsfeier am Freitag wurde für die acht Modellathleten und Steuermann Martin Sauer (Berlin) gestrichen.

Am Samstagmorgen muss die Crew im Vorlauf hellwach sein, nur der Sieger zieht auf direktem Weg ins Finale ein. Da bot der Donnerstag für die Ruderer schon einmal eine gute Übung (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).

Um sechs Uhr morgens kam der Anruf, eine Stunde später mussten sie an der Strecke zur Dopingkontrolle erscheinen.

Der guten Stimmung konnte der Termin nichts anhaben. "Die anderen Mannschaften wissen, dass wir etwas können. Wir haben über Jahre etwas aufgebaut und sind bestens gerüstet", sagt Wilke. Er gibt eben den Goldtakt vor.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel