Sturkopf Schenk: "Total entspannt" zur Mission Gold
London - Juliane Schenk schießt ihrem bemitleidenswerten Trainingspartner einen Schmetterball mitten auf die Brust.
Ein kerniger Spruch fliegt hinterher, Schenk muss lachen.
Beim Abschlusstraining vor dem Olympiastart am Samstag (täglich im LIVE-TICKER) ist die Laune der deutschen Medaillenhoffnung im Badminton gut, ungewöhnlich gut.
Vom Erwartungsdruck der Badmintongemeinde, die sich von ihr so sehnlich das erste deutsche Edelmetall bei Olympischen Spielen wünscht, ist im Trainingscentre in Harlow keine Spur.
"Juliane muss sich wohlfühlen"
Hinter dem Feld steht Martin Kranitz und grinst.
Der Sportdirektor des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) weiß genau: Wenn es seiner Spitzenspielerin gut geht, dann geht es dem gesamten deutschen Badminton gut.
Dann kann es klappen mit der Medaille - trotz der asiatischen Übermacht.
"Juliane ist eine Spielerin, die sich wohlfühlen muss", sagt Kranitz: "Daher bekommt sie von uns den Freiraum, den sie braucht."
Schenk hat ihren eigenen Kopf
Der DBV musste einsehen, dass Schenk in kein Raster passt und gerne ihren Kopf durchsetzt.
Kranitz erklärt: "Sie hat ihren eigenen Stil und ist ihren eigenen Weg gegangen. Dabei hat sie ihre Persönlichkeit entwickelt."
Der eigene Weg wird im Verband nicht an allen Stellen gerne gesehen.
Im Spiel verzichtet die 29-Jährige auf das übliche Coaching, die Vorbereitung sei das Entscheidende.
Mit der Mentaltrainerin unter einem Dach
Videoanalysen müssen nicht sein, anstelle des Teampsychologen hat Schenk eine eigene Mentaltrainerin als ständige Ansprechpartnerin.
Mit Gaby Frey und deren zwei Kindern wohnt die Weltranglistensechste auch während des Badmintonturniers in der Londoner Wembley Arena wieder gemeinsam in einem Haus.
Es gibt zwar neben dem olympischen Dorf auch noch das Teamhotel an der Wettkampfstätte, doch Schenk sucht die Abgeschiedenheit. Das hat schon einmal funktioniert.
Kritik am DOSB
Hinsichtlich der Richtlinien des Deutschen Olympischen Sportbundes äußerte Schenk in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" leise Kritik:
"Ich bin anderer Meinung als alle, die sagen, da stehst du ewig rum, und als der DOSB, der die Vorgaben macht. Aber er hat die Hebel in der Hand, also ist das zu akzeptieren", sagte sie zum Teilnahme-Verbot an der Eröffnungsfeier, das der DOSB für die Athleten ausgeprochen hatte, die Samstag ihre ersten Wettkämpfe bestreiten.
Die Vize-Europameisterin war schon bei ihren Starts 2004 und 2008 nicht bei der Eröffnungsfeier dabei. "Für einen Sportler ist es das absolute Highlight. Das pusht einen hoch, das gibt Adrenalin", so Schenk weiter.
WM-Bronze 2011
Im vergangenen Jahr gewann die Sportsoldatin WM-Bronze. In London. In der Wembley Arena.
Es war ihr bislang größter Erfolg und ein Warnschuss für die siegessicheren Chinesinnen.
Auch damals hatte Schenk sich ein eigenes Apartment gemietet, ein einmaliger Vorgang in der Verbandsgeschichte, und damit für Unruhe gesorgt.
"Der Erfolg gibt mir recht", sagte sie - und ging ihren Weg danach nur noch konsequenter.
Medaille als "logische Konsequenz"
Die Vorbereitung hätte zudem nicht besser verlaufen können.
In Mexiko tankte Schenk die Kraft für die "Mission Gold", die sie selbst ausgerufen hatte. Schwimmen mit Delfinen, nicht an Badminton denken, "einfach die Seele baumeln lassen", erzählt sie.
Bei der Generalprobe vor London in Singapur gewann sie als erste Deutsche überhaupt ein Superseries-Turnier: "Wenn ich meine Leistung abrufe, dann ist die Medaille eine logische Konsequenz", sagt Schenk. So klingt Selbstvertrauen.
Schenk kennt ihren Weg zur Medaille, er ist nicht einfach, aber zu schaffen. Die erste Chinesin lauert im Viertelfinale.
"Ich bin da bislang total entspannt", sagt sie und lacht. Das ist mittlerweile ihr goldener Weg.
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