Star-Alarm im Dorf: Athleten bremsen Bolt aus
Aus London berichtet Michael Spandern
London - Ein Luxusappartment schaut anders aus, aber für Lissa Vitting, Daniela Schreiber, Annika Bruhn und Alexandra Wenk ist ihre WG im siebten Stock eines Wohnblocks am Londoner Bahnhof Stratfort International das Heim ihrer Träume.
Die deutschen Schwimmerinnen haben ihre Wettkampfstätte, das Aquatics Centre, genauso vor Augen wie die Basketball-Halle, wo die amerikanischen NBA-Profis die Welt verzaubern wollen.
Ganz zu schweigen vom phänomenalen Ausblick, den die Vier am Freitagabend bei der Eröffnungsfeier der 30. Olympischen Sommerspiele (täglich im LIVE-TICKER) aufs Feuerwerk haben werden.
Keine Klimaanlage, aber ruhige Nachbarn
Zuvor öffneten sie ihr kleines Reich für einige Medien, auch SPORT1. Eine Klimaanlage fehlt - und das ausgerechnet während der wohl heißesten Tage des Jahres an der Themse.
"Die ersten Tage hier waren ziemlich warm", berichtet Schreiber auf SPORT1-Nachfrage. "Inzwischen ist es aber zumindest nachts kühler und wir können kräftig durchlüften."
Die Schwimmerinnen teilen sich eine Veranda mit den deutschen Volleyballern, doch die hätten bislang noch keinen nervigen Lärm produziert.
"Nur die Proben für die Eröffnungsfeier waren ein kleines Problem, aber die sind ja nun vorbei", atmet Vitting auf.
Stau vor dem Bad
Die Schwimmerinnen haben sich eingelebt auf den rund 13 Quadratmetern Wohnfläche, die ein Athlet durchschnittlich für sich hat, haben es sich mit Kuscheltieren und Deutschlandfahnen gemütlich gemacht.
Sechs Personen teilen sich ein Bad, "klar kommt es da auch mal zum Stau", erläutert Vitting, die auch als Athletensprecherin des Schwimm-Teams vor Ort ist (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).
Beschwerden wie die von Paresh Nath Mukherjee sind ihr aber noch nicht zu Ohren gekommen. "Bei den Commonwealth Games 2010 in Delhi hatten die Unterkünfte fünf Sterne - das hier sind vielleicht zwei", hatte der Generalsekretär des indischen Bogenschützen-Verbandes geschimpft.
Nur ein Elternteil darf zum Wettkampf
Sogar die arg restriktive Regelung der Olympia-Organisatoren, dass nur ein Elternteil eine Karte für den Wettkampf der Tochter bekommt, nehmen die Vier klaglos hin.
Sie selbst wollen gern auch andere Wettkämpfe sehen und haben nach einigen, keinesfalls kostenlosen Tickets gefragt. "Wenn man Glück hat, bekommt man auch eins", erklärt Schreiber.
Beim Basketball-Finale, aller Voraussicht nach mit LeBron James, Kobe Bryant und Co., sind die Schwimmerinnen bereits abgeblitzt, für Usain Bolts 100-Meter-Rennen besteht noch Resthoffnung (BERICHT: Die Highlights im Überblick).
Athletenrummel um Bolt
Den Wundersprinter haben die Vier bereits gesehen - als langsamsten Mensch in der Mensa. Mit Sonnenbrille, beschützt von einer jamaikanischen Entourage und umringt von einer dichten Traube von Athleten, die ein Foto mit Bolt wollten, versuchte er sich seinen Weg vom Büffet zum Tisch zu bahnen (DIASHOW: Impressionen aus London) .
"Bei Serena Williams war es genauso", schüttelt Vitting den Kopf.
Sie kann es gut verstehen, dass Roger Federer daher nach zwei Sommerspielen die Flucht aus dem Dorf ergriffen hat und wie schon in Peking in einem Hotel lebt.
Shuttlebus trotz kurzer Wege
Dirk Nowitzki hingegen, erinnert sich DOSB-Generaldirektor Dr. Michael Vesper, habe es 2008 "mit einer unendlichen Geduld" geschafft, sich ohne Wünsche abzuschlagen irgendwann doch den Weg zum Tisch zu bahnen.
Dass es den rund 16.000 Athleten und Funktionären im 36 Hektar großen Dorf gefällt, sei das "A und O" für ein intaktes, leistungsförderndes Klima, meint Vesper.
"Es ist grandios, dass die Hälfte aller Entscheidungen fußläufig zu erreichen ist", sagt der 60-Jährige (KOLUMNE: Warum nicht Gehen?).
Zu den täglich zwei Trainingseinheiten geht es für die Schwimmerinnen wegen der vielen Absperrungen dennoch per Shuttlebus. "Die Gefahr ist zu groß, dass sich jemand verläuft und dann irgendwo ausgesperrt ist."
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