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Nicolas Limbach ist Weltranglistenerster und zweifacher Gesamtweltcupsieger © getty

Nicolas Limbach ist nicht nur die größte Hoffnung auf eine Fechtmedaille, sondern könnte auch das erste deutsche Gold holen.

London - Medaille oder "Idiot": Wenn Säbelfechter Nicolas Limbach am Sonntag als heißer Kandidat auf das erste deutsche Gold in London (ab 11.30 Uhr im LIVE-TICKER) die Olympia-Planche betritt, könnte der Druck kaum höher sein (Tagesplan 29.7.).

TV-Übertragung, maximale mediale Aufmerksamkeit, immense Erwartungshaltung - der Weltranglistenerste lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass ihm die öffentliche Fixierung auf das größte Sportereignis der Welt zuwider ist.

"Wenn ich in der ersten Runde rausfliege, stand ich zwar bei den letzten drei Weltmeisterschaften im Finale und war die Konstanz in Person - aber ich bin der Idiot", sagte Limbach, der am Sonntag im Einzel in der ExCel-Arena startet (Bericht: Limbach, Greipel oder Schützinnen: Wer holt das erste Gold?)

In 2 Stunden: Aus der Traum

Gelernt hat er vor allem aus seinem ersten Auftritt auf der olympischen Bühne in Peking 2008: Limbach ging ebenfalls als Weltranglistenerster ins Rennen, doch er verlor bereits im Achtelfinale - aus der Traum vom Gold.

Vier Jahre Vorbereitung hatten sich innerhalb von zwei Stunden als nutzlos entpuppt. Eine Erfahrung, die Limbach kritisch werden ließ.

"In der medialen und gesellschaftlichen Wahrnehmung zählen die Olympischen Spiele. Da wird über Sportgröße oder Nicht-Sportgröße entschieden. Über deine vier Jahre zuvor wird nur nach dem Abschneiden dort geurteilt", sagt der Dormagener: "Das ist auch nicht tragisch, aber das ist eine Sache, die ich anspreche und die ich so empfinde."

2012: bei vier Weltcups aufgetrumpft

Die Favoritenrolle für den Einzelwettbewerb nimmt der WM-Zweite von Catania 2011 aber dennoch selbstbewusst an. Etwas anderes bleibt ihm auch nicht übrig. Zu erfolgreich war er in den letzten Jahren.

Dreimal in Folge stand er in einem WM-Finale, 2009 wurde er Weltmeister, in diesem Jahr gewann er bereits vier Weltcups.

[kaltura id="0_efrrrbk2" class="full_size" title="Limbach sucht Gl ck im Angriff"]

"Ich könnte auch alle Turniere gewonnen haben in diesem Jahr - wenn ich Olympia verliere, bin ich der Depp. Von daher werde ich mich nicht darauf ausruhen, was in der Vergangenheit war", sagt Limbach, den die riesige Erwartungshaltung (noch) kalt lässt.

Neues Aushängeschild des Fechtens?

"Der Druck von außen kann eigentlich gar nicht so groß sein. Weil es keiner schafft, mir mehr Druck zu machen als ich mir selber", sagte der International-Management-Student:

"Ich gebe auf meine Meinung und vielleicht auch die vom Trainer sehr viel. Was der Rest sagt, ist mir erst mal egal."

Sollte Limbach, wie von vielen erwartet, in London erfolgreich sein, könnte er das neue Aushängeschild des Fechtens werden. Eine Situation, mit der er in seiner offenen und direkt Art gewohnt locker umgeht.

"Über den Rattenschwanz, der an einem Olympiasieg dran ist, mache ich mir keine Gedanken. Das ist uninteressant, weil es so spekulativ ist." Ab dem kommenden Sonntag könnte sich dies ändern.

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