Eine XXXL-Show mit einem X zuviel
Die Spiele sind eröffnet - mit einer atemberaubenden Show, die aber auch wirklich jeden erhofften Star auf die Bühne zauberte: ( Bericht und Bilder)
Glamour-Kicker David Beckham, Tour-Sieger Bradley Wiggins, Internet-Erfinder Tim Berners-Lee, "Mr. Bean" Rowan Atkinson, Potter-Autorin J.K. Rowling, Paul McCartney, 007 Daniel Craig und vor allem natürlich die Queen.
Bei all der Prominenz war der Einfall, sieben Nachwuchsathleten die Flamme entzünden zu lassen, erstens salomonisch und zweitens die einzig noch mögliche Überraschung.
Die Briten feierten sich im Großformat - ihr gutes Recht als Gastgeber des über elf Milliarden Euro teuren Sportspektakels.
Und Oscar-Preisträger Danny Boyle, Regisseur von Kino-Knüllern wie "Slumdog Millionaire" oder "Trainspotting", schaffte es mit einem fetzigen Soundtrack, falsche Sentimentalität klein- und das Tempo hochzuhalten.
Schade nur, dass er damit erst im Mittelteil begann und Zuschauer genau wie die in den Katakomben wartenden Athleten mit einer symbolbeladenen Geschichtsstunde hinhielt.
Nicht-Briten, die anders als die Journalisten keine 47-seitige Broschüre mit Erläuterungen zur Hand hatten, stellte er damit vor manches Rätsel. Es war - bei allem Respekt vor den soziokulturellen Wurzeln des Gastgeberlandes - das X zuviel in der XXXL-Show.
Und der "Wetten dass..."-Effekt - das lange Warten auf den Sport durch zwanghaftes Überziehen des Zeitplans - störte zu später Stunde doch gewaltig.
Bei einem Festakt für die ganze Welt dürften manchem Kontinentaleuropäer die Augen zugefallen, mancher Asiate zurück ins Bett gekrochen sein.
Wirklich traurig ist aber, dass sich wegen solcher Zeremonie-Exzesse immer mehr Athleten das anstrengende Stehen und das überlange Wachbleiben so kurz vor den Wettkämpfen nicht antun.
Dabei ist die Eröffnung doch für viele Sportler einer der größten Momente ihres Lebens.
SPORT1-Redakteur Michael Spandern ist in London vor Ort und berichtet als Reporter von den Olympischen Spielen.
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