Lieber Gewichtheben statt Turniertanzen
London - Den Schmeicheleien ihres Edelfans wird Julia Rohde nicht aus dem Weg gehen können und sich höflich bedanken.
Am Sonntag (ab 12.30 Uhr im LIVE-TICKER) startet die 1,55 m kleine Görlitzerin als erste Athletin der deutschen Gewichtheber in den olympischen Wettkampf, die schweren Kerle um Peking-Sieger Matthias Steiner sind da noch nicht einmal angereist. (Tagesplan 29.7.)
Weltverbandspräsident Tamas Ajan dürfte sich dennoch einen Platz in der ersten Reihe sichern.
Siebte bei Olympia-Premiere
Der Ungar ist seit Rohdes Olympia-Premiere 2008 vernarrt in die blonde Sächsin, nachdem sie dort als 19 Jahre altes Küken einen starken siebten Platz erreicht und nicht nur mit ihrer sportlichen Leistung beeindruckt hatte.
Rohde, die als attraktivste Vertreterin ihrer Sportart gilt, ist ein Gegenentwurf zu ihren oft maskulin wirkenden Kolleginnen.
Für die bodenständige Rohde ein nettes Kompliment, mehr nicht.
Angriff auf deutschen Rekord
Sie konzentriert sich nur auf den sportlichen Wettbewerb.
"Es wird nicht leicht, den siebten Platz von 2008 zu wiederholen. Ich möchte mich einfach so gut wie möglich präsentieren", sagt Rohde, die in der Klasse bis 53 kg startet und dabei auch ihren deutschen Rekord von 192 kg im Zweikampf angreifen will.
Den ersten Rückschlag hat sie aber bereits einstecken müssen: Sie wurde nur der B-Gruppe zugeteilt, die zur Mittagszeit vorlegen muss.
Ungehorsamkeit in der Jugend
Doch auch bei ausbleibendem Erfolg dürfte Rohde für viele das Aushängeschild der Gewichtheberinnen bleiben.
Dass es überhaupt soweit kommen konnte, liegt auch an einer kleinen Ungehorsamkeit aus ihrer Jugend.
Als Elfjährige hatte Rohde das Turniertanzen satt. Sie wollte für sportlichen Erfolg nicht von anderen abhängig sein, suchte nach einer Alternative und wurde ausgerechnet beim Gewichtheben fündig.
Dabei musste sie sich auch gegen Widerstände des heutigen Bundestrainers Thomas Faselt durchsetzen.
Ohne Faselts Wissen an die Gewichte
"Eigentlich hatte ich ihr verboten, zum Training in die Halle zu kommen", sagt Faselt, ein Freund der Familie, der Rohde schon seit ihrer Kindheit kennt.
Doch Rohde pfiff auf die Vorgaben und probierte sich zunächst ohne Faselts Wissen an den Gewichten aus, die nur 500 m von ihrem Wohnort entfernt bereit lagen.
"Kurz darauf hat sie vier bis fünf Mal die Woche trainiert", sagt Faselt.
"Sie ist sehr ergeizig"
Dieser Fleiß und Einsatz zeichnen die engagierte Tierschützerin, die mit dem Gewichtheber Tom Schwarzbach liiert ist, noch heute aus.
"Sie ist sehr ehrgeizig", sagt Faselt, "aber dadurch steht sie sich oft selbst im Weg."
Rohde, die die Gewichte zu einem Großteil über die Technik und weniger über die Kraft stemmt, äußere etwa körperliche Beschwerden im Trainingseifer manchmal zu selten.
Am Sonntag will sich Rohde für diese Anstrengungen mit einer guten Leistung belohnen.
Lawrence Okoye wird Footballspieler: Der britische Modellathlet erhält bei den San Francisco 49ers einen Dreijahresvertrag. Der Head Coach des Vizemeisters schwärmt. Sportler auf Abwegen. mehr...