Russische Riesen zu stark für deutsche Volleyballer
London - Vital Heynen verstand seine Mannschaft nicht.
Dem Bundestrainer hatte aber nicht der Lärm in der Konzerthalle Earls Court das Gehör geraubt, sondern er konnte den Auftritt seiner Volleyballer zum Auftakt der Olympischen Spiele nicht begreifen.
"Den ganzen Sommer über spielen wir guten Volleyball", sagte Heynen nach dem 0:3 (29:31, 18:25, 17:25) gegen die favorisierten Russen, "und jetzt das. Man hat gesehen, wo für uns die Grenze ist. Wir müssen ehrlich zugeben, wer die bessere Mannschaft war."
Nach der Niederlage helfe nun nur ein "halbes Mirakel" gegen die USA am Dienstag. ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan)
Grozer kritisiert Auftreten
So weit ist es gleichwohl noch nicht: Deutschland kann sich in der schweren Gruppe B auch gegen den Olympiasieger, der sein erstes Match souverän mit 3:0 gegen Europameister Serbien gewann, eine Niederlage erlauben. (DIASHOW: Die Bilder des Tages)
Dann bliebe ein Platz unter den Top Vier der Sechserrunde und der Viertelfinal-Einzug möglich. "Aber", betonte Diagonal-Angreifer Georg Grozer, "gegen die USA müssen wir anders auftreten. Das war nicht das, was ich von der Mannschaft kenne."
Grozer und Jochen Schöps waren mit zehn Punkten die besten deutschen Scorer, besonders Grozer aber war weit entfernt von seinem Top-Niveau. "Keine Ahnung, warum. Aber wir müssen es schnell herausfinden", sagte er. ( SERVICE: Der Medaillenspiegel)
Dramtischer Auftaktsatz
Mehr als 10.000 Zuschauer in der 1937 erbauten Halle im Westen Londons, in der Rock-Giganten wie die Rolling Stones, Queen oder Led Zeppelin ihre Auftritte hatten, sahen stattdessen starke russische Riesen.
Mit durchschnittlich 201 cm ist der Weltranglisten-Zweite das größte Team im Turnier, Diagonalangreifer Maxim Michailow (2,02 m) machte 21 Punkte - obwohl er mit einer Fußverletzung spielte.
Im zweitlängsten Auftaktsatz der Olympia-Geschichte holte Deutschland ein 8:13 auf, lag 22:20 vorne, doch Russland nutzte seinen siebten Satzball, als Schöps den Ball knapp ins Aus schmetterte.
"Cleverer, aggressiver, überlegter"
"Dass wir dann einbrechen und so schlecht aufschlagen, war enttäuschend", sagte Außenangreifer Marcus Popp. Der zweite Sieg einer deutschen Mannschaft zum Auftakt eines olympischen Turniers nach dem 3:0 der DDR gegen Kuba 1972 blieb ein Traum.
"Gegen die USA müssen wir cleverer, aggressiver, überlegter, aber mit Vollgas spielen", forderte Popp. Doch bereits 2008 in Peking hatte der DVV sein erstes Spiel 0:3 verloren, damals gegen Polen.
Am Ende standen das Aus in der Vorrunde und ein enttäuschender neunter Platz.
Heynen hat Niederlage einkalkuliert
"Wenn alle Mannschaften das spielen, was sie können, ist das hier eine Nummer zu hoch für uns", sagte Heynen kleinlaut. Nach den USA am Dienstag (17.45 Uhr) warten Serbien, Außenseiter Tunesien und Weltmeister Brasilien.
Für Spiel zwei hat Heynen eine Niederlage einkalkuliert, "und wenn du verlierst, kostet das im Kopf Qualität, dann wird es schwierig, stark zu bleiben", sagte er. Heynen glaubt dennoch, dass das gelingt.
"Ich hoffe, dass die Russen schwächeln, wenn wir sie im Finale wiedersehen", scherzte er.
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