Selbst schuld!
Britta Heidemann hat in London die erste Medaille für Deutschland geholt. Aber was war das für eine schwere Geburt! Am Ende unterlag Heidemann im Finale der Degen-Fechterinnen der Ukrainerin Jana Schemjakina ( Bericht).
Was sich jedoch zuvor im Halbfinale in der letzten Sekunde der Verlängerung und danach abgespielt hatte, war weitaus dramatischer und hielt eine ganze Nation in Atem.
Britta Heidemann setzte den alles entscheidenden Siegtreffer im wahrsten Sinne des Wortes auf den letzten Drücker - und musste eine gefühlte Ewigkeit auf der Planche ausharren, um dann doch noch die erlösende Nachricht des Kampfgerichts zu vernehmen.
Es war ein bizarres Schauspiel über den Ausgang des Duells gegen die Koreanerin Shin A Lam, die sich offenbar gedanklich aus dem Kampf verabschiedet hatte, nachdem ihr Trainer wild gestikulierend auf und ab lief und den Sieg für seine Athletin einforderte, weil seiner Meinung nach die letzte Sekunde zu lang geriet.
Doch im Fechten dauern einzelne Aktionen eben auch nur Bruchteile einer Sekunde.
Somit war der Kampf noch nicht offiziell beendet. Im Fußball würde man sagen: Schluss ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.
Heidemann behielt die Übersicht und setzte den Siegtreffer, was die koreanische Delegation erst so richtig in Wallung brachte und Shin A Lam die Tränen in die Augen trieb, während eine hitzige Debatte am Zeitnehmertisch entbrannte.
Ja, der Sieg war glücklich für Heidemann. Und den Frust der Koreanerin kann man nachvollziehen. Doch Shin A Lam hat sich die Niederlage selbst zuzuschreiben.
Allzu passiv ließ sie mit dem bei Gleichstand zugelosten Vorteil die Zeit runterlaufen und konzentrierte sich nur noch aufs Mitstoßen.
"Sie hat sich selbst in diese Situation gebracht", sagte Manfred Kaspar, Sportdirektor der Fechter und Trainer von Britta Heidemann, der in bewundernswerter Weise in dem Tohuwabohu die Ruhe behielt, über die Taktik der Asiatin.
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