"Ich werde in Selbstmitleid baden"
München - Timo Boll wurde kalt erwischt: Im Olympia-Achtelfinale scheiterte der 31-Jährige völlig überraschend mit 1:4 am Rumänen Adrian Crisan ( BERICHT: Sensations-Aus für Boll).
"Ich würde am liebsten losheulen", sagte Boll anschließend und wirkte dabei tief getroffen.
Bereits vor vier Jahren in Peking war der Rekordeuropameister in der Runde der letzten 16 gescheitert.
Er wartet damit noch immer auf eine Einzel-Medaille bei einem olympischen Turnier.
Im Interview spricht Boll über seine Gefühlslage nach dem bitteren Aus und seine speziellen Probleme bei Olympischen Spielen.
Frage: Timo Boll, wie groß ist nach dem Achtelfinal-Aus die Enttäuschung?
Timo Boll: Riesig. Ich würde am liebsten losheulen, aber ich probiere, mich zusammenzureißen. Mir fehlen die Worte.
Frage: Wie konnte es trotz der optimalen Vorbereitung zu dieser 1:4-Niederlage gegen Adrian Crisan kommen?
Boll: Ich muss anerkennen, dass der Gegner sehr stark gespielt hat. Ich hatte meine kleinen Chancen, die hätte ich nutzen müssen. Adrian zieht sein System durch, hat ein paar big shots getroffen (DIASHOW: Die Bilder des Tages).
Frage: Haben Sie bis zum Ende noch geglaubt, das Spiel drehen zu können?
Boll: Ich hatte immense Probleme mit meinen Aufschlägen, habe gemerkt, dass ich verkrampft bin. Aber bis zum Schluss habe ich noch geglaubt, dass ich es schaffen kann. Ich habe gekämpft, aber es hat nicht gereicht. Wenn der Aufschlag so komplett wegbricht, kommt der Gegner sofort ins Spiel.
Frage: Wann haben Sie wahrgenommen, dass Sie zu verkrampft sind?
Boll: Während des Spiels. Dass sich die Verkrampfung durch ein ganzes Spiel zieht, ist bei mir wohl leider typisch Olympia. Das ist dann wie eine andere Sportart. Das bekomme ich einfach nicht gebacken.
Frage: Glauben Sie, 2016 in Rio noch eine Chance auf eine Einzel-Medaille zu haben?
Boll: Ich werde bis dahin versuchen, weiterhin sehr gutes Tischtennis zu spielen. Ich habe immer gesagt, dass ich nicht alles an dieser einen Medaille festmache. Ich werde nicht sagen, dass dadurch alles scheiße war.
Frage: Gibt es irgendetwas, was Sie sich vorwerfen?
Boll: Ich weiß nicht, ob man sagen soll, dass ich zum Psychologen hätte gehen sollen. Aber wenn in der Vorbereitung alles optimal läuft, und alles ist Friede, Freude, Eierkuchen, sehe ich dafür keinen Grund. Ich habe nicht den Weg gefunden, über mich hinauszuwachsen (Die Olympia-Zeitpläne).
Frage: Wie werden Sie versuchen, für den Team-Wettbewerb wieder neuen Mut zu schöpfen?
Boll: Ich werde jetzt zwei, drei Tage jammern und in Selbstmitleid baden. Aber dann werde ich mich zusammenreißen. Wir haben in der Mannschaft eine Chance auf eine Medaille, und die wollen wir nutzen.
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