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Radprofi Tony Martin ist ausgebildeter Polizeimeister. © getty

Der 27-Jährige will im olympischen Zeitfahren eine Seuchensaison vergessen machen. Das Problem: Martin hat immer noch Schmerzen.

London - Mit dem Tunnelblick wird Tony Martin versuchen, alles auszublenden.

Die schier unglaubliche Pechsträhne der vergangenen Monate, die Pannen und Stürze und die Schmerzen an der verletzten Hand, von denen er auch am Mittwoch (15.15 Uhr im LIVE-TICKER)nicht verschont bleiben wird.

Noch einmal wird der leidgeprüfte Cottbuser in den Sekunden vor dem Start tief durchatmen und den Sitz seines futuristischen Helmes kontrollieren, um auf den 44 Kilometern des olympischen Zeitfahrens eine Seuchensaison doch noch vergessen zu machen.

"Der Kurs kommt mir doch sehr entgegen. Nicht zu technisch, wenig scharfe Kurve, allmähliche Anstiege", sagte Martin.

"Ziel sind ganz klar die Medaillenränge"

Schon lange ist sich der Weltmeister aus Cottbus dieser Tatsache bewusst, im Winter hatte er deshalb das Rennen in der britischen Hauptstadt neben der Tour de France als seinen Saisonhöhepunkt ausgerufen.

Doch statt in Top-Verfassung und mit der Erfahrung als Träger des Gelben Trikots nach London zu reisen, störten Verletzungen und Defekte Martins Vorbereitung auf Olympia.

Trotzdem ist der 27-Jährige vor dem vielleicht wichtigsten Rennen seiner Karriere noch optimistisch: "Das Ziel sind ganz klar die Medaillenränge", sagte Martin, der nach den Vorgeschichten aber "nur noch eine kleine Goldhoffnung" hat (SERVICE Der Medaillenspiegel).

Auch Grabsch zuversichtlich

Grund dafür ist vor allem der Bruch des linken Kahnbeins, den er sich auf der ersten Etappe der Frankreich-Rundfahrt zugezogen hat. Nachgelassen haben die Schmerzen seit seinem Tour-Ausstieg am 10. Juli kaum.

Chancen auf einen Podestplatz rechnet sich auch der zweite deutsche Zeitfahrspezialist aus. "Ich habe schon früher bewiesen, dass ich immer für eine Überraschung gut bin", sagte der Wittenberger Bert Grabsch, Weltmeister von 2008.

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Cancellara angeschlagen

Ganz ähnlich wie bei Martin, aber doch nicht vergleichbar ist die Situation bei Olympiasieger Fabian Cancellara. Auch für den Schweizer war das Rennen am Mittwoch immer als Saisonhöhepunkt vorgesehen.

Auch er stieg - wenn auch aus privaten Gründen - vorzeitig aus der Tour aus, und auch er geht angeschlagen an den Start.

Im olympischen Straßenrennen am Samstag war Cancellara gestürzt und hatte sich eine Prellung am rechten Schlüsselbeins zugezogen.

"Mentaler Aspekt entscheidend"

Doch für den großen Medaillen-Traum, der ihn, Martin, Grabsch und zahlreiche weitere Fahrer eint, beißt auch Cancellara auf die Zähne.

"Vielleicht wendet sich doch noch alles zu Guten. Ich habe noch immer Schmerzen, der mentale Aspekt wird eine entscheidende Rolle spielen", sagte der 31-Jährige (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).

Wiggins siegessicher

Um notwendiges Selbstbewusstsein muss sich Bradley Wiggins keine Gedanken machen.

Der Brite will sich nach seinem Sieg bei der Tour de France, den er vor allem seinen bärenstarken Auftritten in den beiden langen Zeitfahren verdankt, in seiner Heimatstadt Gold sichern.

"Ich fühle mich deutlich stärker als früher, wenn ich die Tour beendet hatte. Ich bin weiter voll im Training, achte genau darauf, was ich esse und trinke", sagte Wiggins, der am 22. Juli in Paris als erster Brite in Gelb auf die Champs-Elysees gefahren war.

Martin favorisiert Wiggins

Zwar könnte ihm sein Landsmann und Teamkollege beim Radrennstall Sky, Christopher Froome, gefährlich werden. Im Grunde kann sich Wiggins aber wohl nur selbst schlagen:

"Entweder er hält dem Druck stand und wird gepusht, oder es gibt das andere Szenario, dass er daran zerbricht. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es ihn pusht, denn er hat den Druck auch bei der Tour gehabt", sagte Martin.

Gegen einen Aussetzer von "Wiggo" hätte Martin aber nichts einzuwenden.

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