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Ole Bischof geht in der Judo-Bundesliga für den TSV Abensberg auf die Matte © getty

Ein enttäuschter Ole Bischof verpasst sein zweites Olympia-Gold, beschert den deutschen Judoka aber die erste Medaille.

London - Ole Bischof sah keinen Grund zum Feiern, seine Freude über die Silbermedaille war eher verhalten.

"Hätte ich Gold gewonnen, wäre ich in die Themse gesprungen", sagte der Reutlinger nach seiner Finalniederlage gegen den Südkoreaner Kim Jae-Bum in der Klasse bis 81 kg: "Mal sehen, was ich jetzt mache. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon."

Doch bevor Ole Bischof so richtig Frust schieben konnte, hatte Bundestrainer Detlef Ultsch in London (täglich im LIVE-TICKER) seinen besten Judoka schon herzlichst gedrückt, in die Zuschauerkurve geschoben und dessen Arm vor dem deutschen Anhang in die Höhe gerissen (593238DIASHOW: Die Bilder des Tages).

Vier Jahre nach dem Triumph von Peking musste sich Bischof mit Silber begnügen, die Menge aber feierte den sichtlich gerührten Reutlinger trotzdem wie einen Sieger.

Heftigste Gegenwehr

"Ich mag Kim, er war der bessere Mann und hat es verdient. Ich weiß, wie sich ein Olympiasieg anfühlt, ich kann mit Silber zufrieden sein", sagte Bischof, der genau 1449 Tage nach dem Coup in China die Neuauflage des Gold-Duells mit dem überragenden Weltmeister und Weltranglistenersten Kim trotz heftigster Gegenwehr klar verlor. (BERICHT: Zittersieg zum Auftakt)

"Alles, was ich versucht habe, hat er gut gekontert, mir haben zum Schluss etwas die Körner gefehlt", sagte Bischof.

Historische Leistung verpasst

Bis zum Finale hatte der bereits 32 Jahre alte Deutsche bei seinem letzten olympischen Auftritt eine großartige Show geboten und den deutschen Judoka nach den Rückschlägen der ersten Tage den ersehnten Erfolg beschert (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

Dennoch verpasste er knapp eine historische Leistung: Der Triumph bei zwei Olympischen Spielen ist noch keinem deutschen Judoka gelungen.

Auf dem Weg ins Finale hatte Bischof zuvor seine ganze Klasse, Nervenstärke und vor allem Routine aufbieten müssen.

Zerreißprobe Halbfinale

Besonders das Halbfinale wurde zur Zerreißprobe. Der immens unangenehm zu kämpfende Amerikaner Travis Stevens agierte von Beginn an unsauber, der slowenische Schiedsrichter Franc Ocko unterband seine Mätzchen nicht (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).

So nahm sich Stevens drei Verletzungspausen und ließ sich ohne erkennbare Wunde das halbe Gesicht bandagieren.

"Er ist sehr unangenehm zu kämpfen, aber das weiß ich ja schon", sagte Bischof, der gemeinsam mit Stevens beim deutschen Serienmeister TSV Abensberg unter Vertrag steht: "Vielleicht setzen wir uns nach Olympia mal auf ein Bier zusammen und reden darüber."

Im Duell der beiden Hitzköpfe blieb Bischof der Coolere. Keiner der beiden Kämpfer schaffte eine Wertung, die Kampfrichter erklärten den Deutschen aber einstimmig zum Sieger.

Laute Freudenschreie

Bischofs Körpersprache wurde mit jedem Kampf stärker: Er jubelte stets mit erhobener Faust in Richtung Ultsch und schrie seine Freude immer lauter heraus.

Schon nach dem Halbfinal-Einzug war die größte Anspannung von ihm abgefallen. "Drei Siege, drei Kämpfe - was will man mehr? Die Gegner trauen sich schon gar nicht mehr gegen mich in den Bodenkampf", stellte Bischof lächelnd fest.

Tief durchatmen durfte derweil die Führungsriege des Deutschen Judo-Bundes (DJB) um Präsident Peter Frese, nachdem Bischof die Pleitenserie der ersten Wettkampftage beendet hatte.

"Das war so wichtig", sagte Frese, "Ole ist unser Kapitän. Schon während seiner Kämpfe merkte man, welcher Schub durch die Mannschaft gegangen ist."

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