Doppel-Gold: "Gigantisches Geschenk" für Jung
Aus London berichtet Michael Spandern
London - Der Bundestrainer hatte das Träumen angeordnet, aber dieser 30. Geburtstag übertraf Michael Jungs kühnste Phantasien.
Binnen drei Stunden kürte sich der Vielseitigkeitsreiter erst mit dem Team, dann in einem Einzel-Thriller zum Olympiasieger - um dann in den Armen Mama Brigitte seinen Freudentränen freien Lauf zu lassen ( Jung im Glück: Doppel-Gold zum Geburtstag).
Nach einem Essen mit seiner Familie werde er gleich am Abend "eine große Party" steigen lassen. Grund genug dazu hat der Schwabe, nachdem er Deutschland die ersten beiden Goldmedaillen dieser Spiele beschert und als erster Buschreiter das Triple aus WM- , EM- und Olympiagold komplettiert hatte.
Wega mit unverhofftem Fehler
"Das ist einfach verblüffend, unglaublich", rang Jung nach Worten. Kein Wunder, hatte er sich doch im Einzel gedanklich schon mit Silber angefreundet und sein Vater Joachim ihm zu Platz zwei gratuliert.
Dann aber konnte die Schwedin Sara Algotsson-Ostholt trotz lauter Schreie ihr Pferd am letzten Hindernis des Parcours nicht mehr zur Vorsicht ermahnen, Wega touchierte mit den Hinterhufen die Stange - und die fiel nach einer gefühlten Ewigkeit auf den Rasen des altehrwürdige Greenwich Parks (DIASHOW: Die Bilder des Tages).
"Shit happens", kommentierte Algotsson-Ostholt treffend.
"Ich war total überrascht, weil ich weiß, dass Sara eine Super-Reiterin und das Pferd in toller Verfassung ist", wunderte sich Jung. "Mit dem Flüchtigkeitsfehler hat keiner gerechnet!"
Nur die Fahne fehlt
Noch lange ließ er sich auf dem Abreiteplatz Zeit, um seine Euphorie mit Einzelbronze-Gewinnerin Sandra Auffahrt, Ingrid Klimke, Dirk Schrade und Peter Thomsen, die zuvor gemeinsam mit ihm triumphiert hatten, zu teilen.
Dann ging es vor 23.000 Zuschauern, unter ihnen erneut die Prinzen William und Harry, auf die Ehrenrunde, und mit einem Blumenstrauß winkend von dannen. Gerne hätte er eine Deutschland-Fahne wehen lassen, doch die fehlte, wie er SPORT1 verriet.
Und er bestätigte auch, dass Olympia 2016 in Rio durchaus schon zu seinen Zielen zählt. "Ich mag es, zu reiten und junge Pferde auszubilden. Was soll ich da aufhören, nur weil ich alles gewonnen habe?"
Wunderwallach wieder Erfolgsgarant
Bundestrainer Chris Bartel beschrieb derweil die Strategie. Die Mannschaft habe ganz im Vordergrund gestanden, "unser Motto war: Einer für alle, alle für einen. Das gibt zusätzliche Stärke".
Genau wie die Aussicht auf Erfolg: "Ich habe allen gesagt, sie sollen davon träumen, wie es ist, mit einer Medaille um den Hals auf dem Podest zu stehen."
Zwei goldene hatte er dabei aber genauso wenig vor Augen wie Jung selbst. Dessen Lob galt vor allem Wunderwallach Sam, der noch im Frühjahr entführt worden war. "Mit Sam ist es immer einfach. Er hat seinen Job großartig gemacht."
Sara erneut im Pech
"Wir können es selbst noch nicht realisieren", meinte Equipe-Chef Hans Melzer, ebenfalls Bundestrainer. Zweimal Gold seien ein "gigantisches Geschenk".
Dabei entwickelte er Mitgefühl für die zweitplatzierte Schwedin, die im Vorjahr bei der EM in Luhmühlen an den letzten Hindernissen Bronze aus der Hand gegeben hatte: "Sie hat das Pech gepachtet."
Anders als Jung, der innerhalb von zwei Jahren zum Star der Szene aufgestiegen ist und seinen Ruf als weltbester Reiter nun festigte.
Silber für die Queen-Enkelin
Mit seinem fehlerfreien Ritt im Teamspringen machte er am Mittag das vierte deutsche Mannschaftsgold in der Vielseitigkeit vorzeitig perfekt. "Wir waren auch 2008 in Hongkong Olympiasieger - aber hier im Mutterland der Vielseitigkeit ist das natürlich gigantisch", sagte Bundestrainer Hans Melzer.
Am Ende hatten Jung, Auffarth, Klimke, Schrade und Thomsen viereinhalb Fehlerpunkte weniger als Gastgeber Großbritannien.
Queen-Enkelin Zara Phillips war jedoch auch über Silber froh: "Es ist eine unglaubliche Erfahrung, hier überhaupt dabei zu sein und dann auch noch eine Medaille zu gewinnen."
Jungs unglaubliche Erfolge, da war sie aber ganz ehrlich, wären ihr noch lieber gewesen.
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