Bronze! Kämpferherz Dima tritt Rossis Erbe an
Aus London berichtet Michael Spandern
London - Erst schaute er sich ungläubig um, dann schlug er die Hände vors Gesicht, bevor er Bundestrainer Jörg Roßkopf in die Arme fiel.
Dimitrij Ovtcharov hat sich in einem mitreißenden kleinen Finale Olympia-Bronze erkämpft und es "Rossi" gleichgetan, der 1996 in Atlanta die bislang einzige deutsche Einzelmedaille gewonnen hatte ( DATENCENTER: Die Tischtennis-Ergebnisse).
Zudem tritt "Dima" in die Fußstapfen des Schweden Jan-Ove Waldner, der 2000 in Sydney als letzter Nicht-Asiate aufs Podium stieg.
Eine Flut von Glückwünschen
"Es ist unglaublich", jubelte Ovtcharov eine Viertelstunde nach dem 4:1 (12:10, 9:11, 8:11, 13:11, 11:5, 14:12) gegen den Taiwanesen Chuang Chih-Yuan, als er bereits 48 Glückwünsche per SMS erhalten hatte: "Der größte Erfolg in meiner Karriere." ( SERVICE: Der Medaillenspiegel).
Punkt für Punkt habe er sich konzentriert und nach dem Matchball nur schwer realisiert, dass er es geschafft hatte.
"Ich habe im sechsten Satz gedacht, das geht bestimmt noch weiter. Das es jetzt vorbei ist, kann ich immer noch nicht glauben."
Ovtcharov mit Nehmerqualitäten
Immer wieder handelte er sich Rückstände ein, kam aber nach 0:5 im ersten Durchgang genauso zurück wie nach 0:3 im vierten und 2:7 im sechsten. Fünf Satzbälle wehrte er dabei ab.
"Ich trainiere mein Leben lang sehr hart für den Erfolg, da gibt man nie auf und nutzt jede Chance", begründete er bei SPORT1 seine Stehauf-Qualitäten: "Und das habe ich heute auch getan."
"Er hat schon oft bewiesen, wie stark er mental ist", sagte Roßkopf.
Kampf gegen die Nervosität
Dabei hatte auch der erfahrene Chuang die Nervosität Ovtcharovs bemerkt. "Ich war unglaublich nervös, war froh, überhaupt den Aufschlag übers Netz bringen zu können", gab der Düsseldorfer zu.
Doch im fünften Satz übernahm er die Kontrolle und vermied eine vierte Pleite in Folge gegen seinen einstigen Vereinskollegen aus Ochsenhausen.
"Wir verstehen uns wirklich gut", sagte der 23-Jährige, "wir haben viel miteinander trainiert. Er war damals fast mein Idol, weil er so aggressiv gespielt hat."
Eine vielleicht einmalige Chance
Den ganz großen Coup verpasste "Dima" am Morgen im Halbfinale gegen den Weltmeister und neuen Olympiasieger Zhang Jike, der sich später durch einen 4:1 (18:16, 11:5, 11:6, 10:12, 13:11)-Sieg gegen seinen Landsmann Wang Hao Gold sicherte, allerdings, obwohl sich beim 1:4 durchaus die Chance bot.
Dies abzuhaken, sei die wichtigste Aufgabe während der kurzen Mittagspause gewesen, fand Roßkopf: "Er redet gerne über verlorene Punkte. Aber er musste das vergessen. Die Chance, um eine Olympia-Medaille zu spielen, hat man vielleicht ein Mal im Leben."
Und genauso schnell muss sein Schützling nun auf den Teamwettbewerb umschalten, der für Deutschland am Freitag gegen Ex-Europameister Schweden startet. "Wir müssen wieder sehr fokussiert sein, und das erwarte ich auch von Dima."
Kein Problem, beteuerte der Bronzegewinner, und dachte nicht mal an eine kleine Party: "Ich werde mich wieder voll reinhängen, um eine Medaille zu gewinnen."
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