Bronze-Dima bleibt deutsche Nummer 2
Aus London berichtet Michael Spandern
London - In die Phalanx der Asiaten ist er eingedrungen, aber gleich nach dem grandiosen Bronze muss sich Dimitrij Ovtcharov im deutschen Team wieder in die Kronprinzenrolle fügen.
Denn auch wenn Timo Boll abermals früh bei Olympia scheiterte, bleibt er die Nummer 1 bei Jörg Roßkopf, wie der Bundestrainer SPORT1 erläuterte.
Und das weit über den am Freitag mit der kniffligen Partie gegen Schweden beginnenden Mannschaftswettbewerb von London hinaus: ( DATENCENTER: Die Tischtennis-Ergebnisse)
"Hierarchien gehen bei mir immer auf lange Zeit", stellte "Rossi" klar, "Timo hat das in den letzten Jahren super gemacht und wird das hoffentlich noch vier, fünf Jahre tun."
"Timo wird immer derjenige sein, der durch seine Erfahrung, seine Ruhe ein Team gut führen kann. Dima ist dahinter der, der noch Power hat, da er noch jünger ist", führte er aus.
Lob vom Kumpel Boll
Roßkopf, Olympiadritter von 1996 und bislang einziger deutscher Medaillengewinner im Einzel, will das aber keineswegs als Herabwürdigung Ovtcharovs verstanden wissen, der als erster Europäer seit Jan-Ove Waldners Silber 2000 aufs Podium stieg. "Beide sind die besten Europäer und haben Großartiges errungen." ( SERVICE: Der Medaillenspiegel)
Doch um den 14-maligen Europameister Boll auszustechen, "bräuchte es noch ein paar Turniere, Medaillen und Erfolge mehr", meint der 43-Jährige.
Heimarbeit mit dem Vater
Eine wirklichen Alphamänner-Streit gibt es ohnehin nicht, Boll freute sich auf der Tribüne ehrlich für seinen erfolgreichen Kumpel: "Das ist natürlich großartig für Dima. Er hat sich das verdient, er ist ein harter Arbeiter."
Wenn er nicht mit dem Nationalteam unterwegs oder bei seinem Klub, Champions-League-Sieger Fakel Oranienburg weilt, schuftet er mit seinem Vater Michail, der früher für Russland an der Platte stand.
"Ein ganz ruhiger, der ihm die richtigen Ratschläge gibt", sagte Roßkopf. Nur um die Spiele seines Sohnes vor Ort zu verfolgen, sei er viel zu nervös.
Rückstände wettgemacht
Seine Nervosität kostete den 23-Jährigen Ovtcharov fast das Spiel um Platz 3 gegen Chuang Chih-Yuan, da er mit unerzwungenen Fehlern im ersten, vierten und sechsten Satz klar in Rückstand geriet, den er dann aber jeweils umbog.
"Ich bin sehr stolz auf ihn, sein Kampfgeist war ausschlaggebend", lobte der Bundestrainer. "Das gibt ihm für die Zukunft natürlich jede Menge Auftrieb."
Neben seiner Moral spreche auch seine Akribie für Dima. Um sich zwischen Halbfinale und dem entscheidenden Match noch stärken und ausruhen zu können, zog er am Tag zuvor vom Olympischen Dorf in ein Hotel unweit des gigantischen ExCel Exhibition Centre.
Positive Dopingprobe 2010
Dort studierte er die selbst angelegte Akte mit Stärken und Schwächen des Taiwanesen. Von den weltbesten Spielern hat er eine solche Akte, rund 40.
Auch er selbst ist aktenkundig - bei den Dopingjägern. Eine positive Probe auf Clenbuterol, wohl ausgelöst durch in China verzehrtes verunreinigtes Fleisch, ließ ihn 2010 wochenlang um die Fortsetzung seiner Karriere bangen.
Er wurde freigesprochen. "Damals habe ich erkannt, dass es Wichtigeres gibt als Tischtennis", sagt Ovtcharov.
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