Sicher sportlich
Bei den Olympischen Spielen ereignen sich zuweilen erstaunliche Begegnungen.
Da trifft sich der russische Präsident Wladimir Putin mit dem britischen Premier David Cameron zu einer gepflegten Runde Judo. Leider allerdings nur als Zuschauer.
In der gleichen Halle sitzt auch Sergej Bubka, der ehemalige Stabhochspringer aus der Ukraine. Und bei einem Schnellrestaurant steht Gary Lineker am Tresen und bekommt erstmal keine Burger, weil die Bedienung so überrascht ist von diesem Kunden, der dabei noch nicht einmal kurze Fußballerhosen trägt, wie sie das von ihm vielleicht erwartet hätte.
Olympia und eine Burgerkette als Sponsor, das ist bekanntermaßen ja auch eine seltsame Begegnung, aber das nur nebenbei. Genauso wie die, die man mit Boris Johnson haben kann, dem Londoner Bürgermeister mit dem Faible für den schrägen Auftritt.
Neulich, nach dem Straßenradrennen, stand er einfach lässig in einer Ecke beim Plausch, und niemanden kümmerte es. Gestern aber schwebte er im Stadtteil Hackney, im Victoria Park, plötzlich an einem Drahtseil über die Köpfe der Olympia-Besucher hinweg und schwenkte dabei britische Fähnchen.
Dummerweise blieb er dabei auf der Hälfte der Strecke stecken, was immerhin seinem schrägen Ruf gerecht wurde und die Menschen amüsierte.
Dass es zu all diesen Begegnungen kommen kann, hat auch mit der Sicherheit zu tun, die ein großes Thema ist bei den Olympia. Für die Sicherheit sind vor allem die britischen Soldaten zuständig, die teilweise kurz nach ihrem Einsatz in Afghanistan nun in London Anschläge vermeiden sollen. Sehr gewissenhaft, aber freundlich, und immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen kommen sie ihrer Aufgabe nach.
Es ist wohl nicht zu vermeiden, dass die Sportanlagen und der Olympiapark Hochsicherheitsarealen gleichen. Schärfer als bei jeder Flughafenkontrolle wird an den Eingängen gescannt und getastet, die Soldaten klettern in die Doppeldeckerbusse und sehen nach, ob sich eine verdächtige Tasche darin befindet oder eine verdächtige Person.
Und außen herum suchen die Kollegen den Unterboden der Busse mit Spiegeln an langen Stangen ab. Zuweilen kommt man sich vor, als sei Olympia ein Krisengebiet.
Vielleicht muss man versuchen, die Vorteile des enormen Aufwands zu sehen. Und ein Vorteil ist wohl neben der Sicherheit in den Sportstätten, dass man beim Versuch, wieder herauszukommen, jene Kalorien verbraucht, die man sich gerade beim Olympia-Sponsor angefuttert hat.
Weite Wege muss man in London ohnehin zu Fuß zurücklegen, und vor allem beim Gang hinaus ist manch zusätzlicher Schlenker notwendig, um die Sicherheitsschleusen an den Einlässen zu umgehen.
In den Hallen der ExCel-Arena zum Beispiel dürfen nicht alle die gleichen Ausgänge benutzen, selbst wenn diese gerade gar nicht frequentiert sind. Zuschauer gehen hier raus, Funktionäre dort, Sportler bitte dort entlang, Journalisten wiederum hier, und Techniker bitte diese Tür.
Vermutlich gibt es auch Ausgänge für Putzkräfte, Fish&Chips-Verkäufer, Linkshänder und Milchtrinker. Das ist ein bisschen skurril und kann eigentlich nichts mit der Sicherheit zu tun haben, denn alle treffen sich hinter den diversen Ausgängen ja im großen ExCel-Forum wieder.
Aber eines ist es ganz sicher, wenn man wieder einmal von einem Ausgang zum nächsten geschickt wird, ehe man den richtigen gefunden hat: Es ist ziemlich sportlich. Das muss mit Olympia zu tun haben.
Maik Rosner ist in London vor Ort und berichtet für SPORT1 von den Olympischen Spielen.
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