Verschwiegen? Versandet? Versagt!
Die Ruderin Nadja Drygalla ist aus dem Olympischen Dorf abgereist.
Sie ist gegangen worden, das durfte bereits aus der schriftlichen Erklärung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) herausgelesen werden ( Bericht).
Wie überhaupt vieles nur zwischen den Zeilen steht. Und da liegt das Problem, wenn eine Abreise einer Athletin, die ihre Wettkämpfe mit dem Ausscheiden des Achters im Hoffnungslauf beendet hatte, einer nächtlichen Erklärung bedarf.
"Erkenntnisse zum privaten Umfeld" hätten den Chef de Mission Michael Vesper dazu veranlasst, ein intensives Gespräch mit Drygalla zu führen.
Dabei ging es auch um die Werte der Olympischen Charta. Dort steht in den Grundlegenden Prinzipien: "Jede Form von Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gründen ist mit der Zugehörigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar."
Der DOSB vermied es in der Mitteilung, die rechte Szene beim Namen zu nennen. Zum Schutz der Ruderin? Oder ihrer Kolleginnen? Sinnlos, da der Fall längst an Fahrt aufgenommen hatte.
Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern ließ mittlerweile verlauten, dass Drygalla Kontakte zur "offen agierenden rechtsextremistischen Szene" gehabt haben soll.
Und gleich im Herbst 2011 seien die Informationen an den Landesruderverband und den Landessportbund in Mecklenburg-Vorpommern weitergereicht worden, ließ das Ministerium wissen.
Es wirft ein schlimmes Licht auf die Sportfunktionäre, dass nun strittig ist, ob auch der DOSB und der Deutsche Ruder-Verband (DRV) von diesen Kontakten Kenntnis hatten.
Egal ob verschwiegen oder versandet: Der Fall scheint die Beteiligten schlicht zu überfordern.
Die Wichtigkeit der Sache hätte es geboten, dass Landesverband, Landessportbund und nicht zuletzt das Ministerium nachhaken. Schließlich tat sich ja nichts.
Dieses Versagen darf sich nicht fortsetzen, auch wenn nun jeder den Schwarze Peter von sich wegzuschieben versucht und die Aufarbeitung scheibchenweise vonstatten geht.
Zumindest distanzierte sich Vesper am Freitagmorgen klar. Vehement bestritt er, dass der Neofaschismus dem deutschen Sport nahe komme.
Zu den vielen Verlierern in dieser Causa zählt er trotzdem. Leider auch der Rudersport, dessen großartige Erfolge in London unter diesen Umständen weniger Aufmerksamkeit erhalten, als sie verdienen.
SPORT1-Redakteur Michael Spandern ist in London vor Ort und berichtet als Reporter von den Olympischen Spielen.
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