Im eigenen Saft abgesoffen
Das Debakel ist komplett, ohne Medaille verlassen die Deutschen das Aquatics Centre von London.
Mit Erklärungen tut sich der Deutsche Schwimm-Verband schwer. Kein Wunder, müsste er doch bei sich selbst anfangen.
Schon die Erfolge von Debrecen ließen auf die Pleiten von London schließen: Während sich die Konkurrenz bei der EM rar machte, eroberten die Deutschen achtmal Gold und Platz 2 im Medaillenspiegel.
Und der DSV sonnte sich in der wenig aussagekräftigen Bilanz, die zudem in der Öffentlichkeit überbordende Erwartungen schürte.
Verfehlt wurden nicht nur diese, sondern auch die für Fördergelder maßgebliche Zielvereinbarung von sechs Medaillen krachend. Auch, weil die Trainer ihre Athleten anfangs überschätzten und zum Taktieren anstifteten.
Dirk Lange hatte es geahnt. Der ehemalige Cheftrainer, ein Querdenker, von dem sich der DSV im Unfrieden trennte, führte stattdessen den Südafrikaner Cameron van den Burgh zu Gold.
Ein Nachfolger wird gesucht, zu befürchten ist eine interne Lösung. Jemand, der den Funktionären nach dem Mund redet, anstatt ihnen Feuer unter dem Hintern zu machen.
Der DSV schmort im eigenen Saft, und ist darin in London abgesoffen. Auch eine meinungsstarke Spitzensportlerin wie Britta Steffen traut sich kaum, das System zu kritisieren.
"Ich will mich nicht aus dem Fenster lehnen, ich bin nur ein dummes Sportlerchen", antwortete sie SPORT1 auf die Frage nach den Ursachen des Waterloos.
Es bräuchte jemanden von außen, der das System aufbricht und alles auf den Prüfstand stellt.
Ob sich aber unter den gegebenen Voraussetzungen ein Toptrainer findet, der den Karren aus dem Dreck zieht, sei dahingestellt.
Schließlich hat er mit großer Wahrscheinlichkeit den Zeitdruck, dies bis zur Heim-EM 2014 zu tun. Kein Zeitfenster für einen echten Neuanfang.
SPORT1-Redakteur Michael Spandern ist in London vor Ort und berichtet als Reporter von den Olympischen Spielen.
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