Trotz Boll-Coup: China siegt im Halbfinale
Aus London berichtet Michael Spandern
London - Die chinesische Mauer war wieder zu hoch.
Deutschlands Tischtennisspieler haben trotz großer Gegenwehr auch das 22. Duell mit China verloren und durch das 1:3 das olympische Finale verpasst. (DIASHOW: Die Bilder des Tages)
"Wir können trotzdem auf uns stolz sein", fand Timo Boll, der Olympiasieger Zhang Jike entzauberte und so für den deutschen Punkt holte.
Zuvor aber hatte Dimitrij Ovtcharov gegen den Weltranglistenzweiten Ma Long im dritten Satz sowohl beim 9:8 als auch beim 9:9 große Gelegenheiten vergeben, Wirkungstreffer zu landen.
Am Mittwoch im kleinen Endspiel
"Die einzige Chance wäre gewesen, mit 2:0 aus den Einzeln herauszugehen", bekannte Bundestrainer Jörg Roßkopf.
"Wir haben unsere Chance gehabt, aber wir müssen das schnell vergessen", fügte er an, "unser Endspiel kommt am Mittwoch."
Dann kämpfen Boll, Ovtcharov und Bastian Steger gegen Hongkong, das im zweiten Halbfinale gegen Südkorea 0:3 unterlag, um Bronze (ab 12 Uhr im LIVE-TICKER).
China hofft dagegen, auch beim zweiten olympischen Teamwettbewerb nach 2008 auf Gold.
Erstaunliche Rettungstat von Ma
Ovtcharov versäumte es im dritten Satz des Auftakteinzels zunächst, einen relativ harmlosen Aufschlag Mas zu attackieren ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan).
Dann brachte der Chinese einen Schmetterball reflexartig zurück - "wie, weiß ich auch nicht", staunte "Dima", der im zweiten Versuch die Platte verfehlte.
In der Folge agierte Ovtcharov "etwas verunsichert", so DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig, gab auch die nächsten elf Punkte ab und verlor 1:3 (10:12, 11:5, 9:11, 1:11).
Boll setzt ein Signal
Rekordeuropameister Boll, im Einzel vorzeitig an einem Außenseiter gescheitert, hatte angekündigt, diesmal den Spieß umdrehen zu wollen und selbst einen Goliath zu bezwingen.
Und ab dem zweiten Satz, in den er mit 7:1 startete, setzte er dieses Vorhaben gegen Zhang konsequent druckvoll um. Zwar wackelte der 31-Jährige in den folgenden Durchgängen kurz, brachte aber ein 8:5 bzw. 9:6 jeweils ins Ziel.
Nach dem 3:1 (8:11, 11:9, 11:8, 11:9) zeigte er mit erhobener Faust erst der Bank, dann den überwiegend deutschen Fans im ausverkauften ExCel Exhibition Centre, dass er ein Signal gesetzt hatte.
Deutsches Doppel zu fehlerlastig
Gegen das für Roßkopf "vielleicht weltbeste Doppel" Wang Hao/Zhang sicherten sich Steger/Boll nach abgewehrtem Satzball den ersten Durchgang.
Danach zeigten die Asiaten aber doch die bessere Raumaufteilung und leisteten sich weniger Fehler.
Nach drei unerzwungenen Fehlern zu Beginn des vierten Satzes rief "Rossi" seine Mannen noch mal zu sich, doch die bemühten sich vergeblich um den Ausgleich. Ein Vorhandfehler Steigers besiegelte das 1:3 (12:10, 8:11, 5:11, 5:11).
Ma hat auf alles die Antwort
Leicht geknickt ging Steger in das K.o.-Spiel gegen Ma und geriet gleich 1:9 in Rückstand, da der Chinese alles eine Antwort hatte.
Der Saarbrücker konnte seinen Paradeschlag, die Topspin-Rückhand, nur selten anbringen.
Das einseitigste Match des zumindest hochklassigen Finals endete mit 0:3 (3:11, 5:11, 7;11); Deutschland bleibt damit nur die Chance auf eine zweite Bronzemedaille nach der von Ovtcharov im Einzel.
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