vergrößern verkleinern
Jens Lehmann absolvierte im April 2011 sein letztes Spiel für Arsenal © imago

Jens Lehmann genießt Olympia in London, ärgert sich aber über die von Levy angezettelte Debatte. Bei SPORT1 nimmt er Stellung.

Aus London berichtet Michael Spandern

London - Mit dem FC Arsenal gewann er die Premier League und erreichte 2006 das Finale der Champions League

Logisch also, dass sich der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann die Olympischen Spiele in seiner zweiten Heimat London nicht entgehen lässt.

Obwohl er schon seit längerer Zeit am Starnberger See wohnt, zieht es ihn immer wieder in die britische Hauptstadt zurück. Die Tage der Spiele genießt der 42-Jährige zusammen mit seiner Familie besonders.

SPORT1 traf Lehmann am Rande der Wettkämpfe und erfährt von ihm, was ihn an den Spielen begeistert.

Außerdem spricht der gebürtige Essener über die Klage des deutschen Bahnradsportlers Maximilian Levy (BERICHT: Systemkritik von allen Seiten) und das Elfmetertrauma des Gastgeberlandes.

SPORT1: Herr Lehmann, was bedeutet es Ihnen, dass die Olympischen Spiele in ihrer alten Heimat stattfinden?

Jens Lehmann: Ich finde das sehr schön. Meine Familie ist hier, und wir genießen die Atmosphäre. Wir versuchen, zu möglichst vielen Wettkämpfen zu gehen. Aber ich kann nicht sagen, dass ich einen besonderen Stolz dafür entwickeln würde. Ich war hier Gast. Ich mag die Stadt und bin auch häufig hier. Aber ich bin nach wie vor Deutscher und war daher stolzer, dass die Fußball-WM 2006 in Deutschland war.

[image id="257fcfe7-63f4-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

SPORT1: Was hat Sie bei Olympia bislang am meisten beeindruckt? (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan)

Lehmann: Die Atmosphäre! Die Engländer sind ohnehin ein sehr gastfreundliches Volk, gerade die Londoner, weil hier so viele Kulturen leben. Olympia toppt das noch mal: Sie wissen, dass sie dieses Event sehr gut organisiert haben und der ganzen Welt ihre Gastfreundschaft zeigen können. Wo man auch hinkommt - man merkt es: Als ich beim Beachvolleyball im abgezäunten Bereich stand, wollte ich, damit mich meine Kinder finden können, den Straßennamen wissen. Und ein Soldat ist 200 Meter gelaufen, um den herauszufinden.

SPORT1: Die Fußballer der Gastgeber sind auch bei Olympia im Elfmeterschießen ausgeschieden. Haben Sie Mitleid?

Lehmann: An Niederlagen ist man meistens selbst schuld, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Aber natürlich ist es bitter, dass die Jungs erst bei der EM und nun schon wieder im Elfmeterschießen gescheitert sind. Das hat auch nichts mit dem Können zu tun, sondern inzwischen nur noch mit der Psyche.

SPORT1: Der Bahnradsportler Maximilian Levy hat sich beklagt, dass viele olympische Sportler weniger Geld und Aufmerksamkeit bekommen, obwohl sie härter als Fußballer arbeiten würden. Hat er Recht?

Lehmann: Letzten Endes kann er nicht beurteilen, wie viel andere arbeiten. Ich weiß, dass eine Menge Sportler mehr tun als Fußballer. Aber so ist es im Leben: jeder muss für sich Entscheidungen treffen und mit den Konsequenzen leben. Keiner hat ihn gezwungen, Bahnradfahrer zu werden. Prinzipiell machen Vergleiche immer unglücklich (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

SPORT1: Könnte es denn sein, dass sich in absehbarer Zeit wieder mehr Aufmerksamkeit auf andere Sportarten richtet? ( 592481 DIASHOW: So sexy ist Olympia ).

Lehmann: In vielen Sportarten machen Einzelsportler ihren Sport groß. Das hat man bei Steffi Graf und Boris Becker gesehen. Oder auch Bernhard Langer im Golf. Als die dann weg waren, gab es auch Krisen. Wenn auf einmal ein fantastischer Bahnradfahrer herkommt und die Leute sagen: Wow, Bahnradfahren ist jetzt unser Ding, kann sich das ändern. Aber das ist im Moment unwahrscheinlich, weil Fußball breiter aufgestellt ist und die Massen mehr fasziniert. Dafür kann aber kein Fußballer oder Bahnradfahrer etwas.

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel