Kampf der Großmächte: Vorteil USA
Von Felix Götz und Tobias Wiltschek
München - Die Olympischen Spiele neigen sich dem Ende entgegen. ( SERVICE: Der Olympia-Zeitplan)
Eine der wichtigsten Entscheidungen steht allerdings noch aus. Welche Nation liegt am Ende in der Medaillenwertung ganz vorn? ( SERVICE: Der Medaillenspiegel)
In dieser so prestigeträchtigen Rangliste gehen die beiden führenden Länder USA und China fast Kopf an Kopf in die Entscheidungen am Schluss-Wochenende.
41 Mal Gold für die USA (94 Medaillen insgesamt), 37 Mal Gold für China (gesamt 81): So die nackten Fakten vor dem abschließenden Wochenende der Spiele in London.
USA und China mit klarem Vorsprung
Zur Einordnung: Großbritannien belegt auch dank des Heimvorteils im Rücken einen starken dritten Platz, hat aber immerhin zwölf Goldmedaillen weniger auf dem Konto als China.
Dahinter kommen Russland und Südkorea. Deutschland holte als Sechster zehn Goldmedaillen, der Rückstand ist also enorm.
China siegt 2008
In der britischen Hauptstadt machten die Chinesen schnell klar, dass sie an ihre alles überragende Bilanz von den Heimspielen in Peking von vor vier Jahren anknüpfen wollen - es gelang ihnen nicht ganz, vor allem weil der Konkurrent diesmal stärker ist.
2008 stellte das Reich der Mitte mit 51 Gold-, 21 Silber- und 28 Bronzemedaillen die erfolgreichsten Athleten der Welt und gewann erstmals die Medaillenwertung - vor den USA mit 36 Mal Gold.
"Größe bestimmt sportliches Talent"
"Die Größe eines Landes bestimmt die Anzahl an sportlichen Talenten", erklärte Olympia-Experte und Volkswirt Professor Wolfgang Maennig dem "Hamburger Abendblatt". Er hatte 1988 in Seoul mit dem Deutschland-Achter die Goldmedaille gewonnen und beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der Bedeutung des Medaillenspiegels.
Außerdem spiele die Wirtschaftskraft, das Pro-Kopf-Einkommen, der Bildungsstand und das technische Wissen eine gewichtige Rolle.
"Auf Sicht müssen die Chinesen bei Olympischen Spielen deshalb regelmäßig die meisten Medaillen gewinnen, alles andere wäre unnormal", prophezeit Maennig.
USA mit besseren Restchancen
Zumindest bei diesen Spielen dürften die USA aber die Nase in der Endabrechnung vorn behalten. (DIASHOW: Bilder des Tages)
Dafür sprechen zumindest die noch ausstehenden Wettbewerbe.
Niemand zweifelt am Olympiasieg der US-Basketballer. Und auch in der Leichtathletik, vor allem in den Staffeln, dürften die Amerikaner noch ordentlich abräumen.
China gehört die Zukunft
Die Zukunft gehört aber wohl den chinesischen Sportlern - auch weil sie mit unglaublichen Prämien gelockt und mit fragwürdigen Methoden gedrillt werden.
Das erste Gold in London holte für China die Sportschützin Yi Siling. Die 23-Jährige wird dafür fürstlich entlohnt.
Inklusive Staatsprämien, Sonderzahlungen und Belohnungen soll sie umgerechnet 580.000 Euro, ein Apartment in ihrer Heimatprovinz Guangdong und einen Audi A6L kassieren.
"Alle Wertvorstellungen opfern"
Die überdurchschnittlich hohen Prämien für einen Olympiasieg und die Opfer, die Athleten in der oft jahrelangen Vorbereitung auf Olympia bringen müssen, werden selbst in China teilweise öffentlich kritisiert.
"Unsere Sportautoritäten sind so sehr auf Gold fixiert, dass sie alle Wertvorstellungen opfern", schrieb Zhang Yiwu, Kulturkritiker von der Universität Peking, in einem Blog in der "Global Times".
Damit spielte er vor allem auf die Geschichte von Wu Minxia an.
Die Wasserspringerin, die in London gleich zwei Mal Gold gewann, wurde vor Olympia von den Sportfunktionären derart abgeschottet, dass sie erst nach einem Jahr vom Tod ihrer Großmutter und der Brustkrebserkrankung ihrer Mutter erfuhr.
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