Wie bei den Bundesjugendspielen
Man ist ja nun schon einiges gewohnt bei diesen Olympischen Spielen:
Da war das Regel-Wirrwarr beim Fechten oder das Disqualifikations-Chaos um Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf.
Aber was sich am Freitagabend beim Hammerwerfen der Frauen ereignete, toppte die bisherigen Ereignisse.
Betty Heidler schaffte im fünften Versuch nach Anlaufschwierigkeiten endlich einen optimalen Versuch, warf nah an die Bestweite der Russin Lysenko heran ( Bericht: Hammerwurf-Chaos! Bronzenes Happy-End für Heidler).
Aber dann versagte die elektronische Weitenmessung. Allein das ist schon ein Ärgernis beim Milliardenspekatakel Olympia.
Noch viel schlimmer aber war, was dann passierte. Die Veranstalter waren schlicht nicht vorbereitet auf den Fall einer technischen Panne.
Sonst hätten sie als Alternative umgehend zur manuellen Messung greifen können, genügend Kampfrichter standen ja bereit.
Auch im Reglement war dieser Fall nicht vorgesehen. So musste Heidler ihren fünften Versuch wiederholen.
Doch die Diskussionen mit den Kampfrichtern hatten sie logischerweise viel Konzentration und Energie gekostet, an ihre Weite von vorher kam sie nicht mehr ran.
Der Wettbewerb ging weiter, Heidler wurde offiziell als Achtplatzierte verkündet.
Erst nach Protesten des deutschen Teams griffen die Kampfrichter zum guten alten Maßband.
Als Zuschauer fühlte man sich zurückversetzt in die Zeit der Bundesjugendspiele.
Tatsächlich handelte es sich um die Olympischen Spiele – das Nonplusultra des Sports, auf das sich die Augen der ganzen Welt richten.
Für das die Sportler vier Jahre lang trainiert haben. Da dürfen nicht derart amateurhafte Rahmenbedingungen herrschen.
Umso erstaunlicher war, wie ruhig Heidler selbst in dem ganzen Chaos blieb. Zeitweise diskutierte sie mit einem Lächeln auf den Lippen mit den Kampfrichtern.
Geduldig wartete sie, bis das erlösende Ergebnis der Maßbandmessung mitgeteilt wurde.
Ähnlich souverän agierte auch Schwarzkopf, die durch eine vergleichbare Achterbahn der Gefühle geschickt wurde ( Bericht).
Heidler und Schwarzkopf verhielten sich wie echte Profis, die Veranstalter der Leichtathletik-Wettbewerbe in London leider nicht.
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