Die deutschen Sportplaner blamieren sich mit den absurden Zielvorgaben erneut. Ihre wichtigste Aufgabe erschwert das zusätzlich.

Schon beim ersten Blick auf die Zahlen wird klar, warum der DOSB und das Bundesinnenministerium mit aller Macht versucht haben, die Zielvereinbarungen für den am Sonntag ablaufenden Olympia-Zyklus geheim zu halten.

Das, was auf gerichtlichen Druck eines Journalisten hin da veröffentlicht wurde, war nämlich nichts anderes als eine riesengroße Peinlichkeit für den deutschen Verbandssport.

Blamabel ist dabei nicht, dass die deutschen Sportler bislang in London mehr als 40 Medaillen gewonnen haben. Das wirkliche Desaster ist die Realitätsferne, die aus den Zahlen spricht.

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86 Medaillen hatte sich der DOSB in Absprache mit den olympischen Sportverbänden vor vier Jahren zum Ziel gesetzt. 86! 28 davon in Gold.

Zum Vergleich: Beim bis dato besten Olympia-Ergebnis einer gesamtdeutschen Mannschaft 1992 in Barcelona standen 82 Medaillen zu Buche. Und da profitierten Funktionäre und Verbände noch von den positiven wie negativen Auswüchsen des DDR-Sportsystems.

Seit 1992 geht die Ausbeute deutscher Athleten zurück, da zeugt es schon von erstaunlicher Hybris, solch absurde Zielvereinbarungen durchzuwinken.

Sogar DOSB-Generaldirektor Dr. Michael Vesper gibt in der "ARD" zu, es sei "albern zu glauben, wir würden 28 Goldmedaillen holen".

Vielmehr seien die Vereinbarungen mit den Verbänden dazu gedacht, "unsere Potenziale auszuloten". Sie sollten also als Ansporn dienen.

Da die deutschen Sportler in London schon jetzt mehr Medaillen gewonnen haben als in Peking 2008, können sich die Funktionäre nun hinstellen und behaupten, der Ansatz habe sich bewährt. Als leuchtendes Beispiel werden die Leichtathleten genannt, die nach nur einer Medaille in Peking nun schon acht gewonnen haben.

Das mag alles richtig sein.

Nach dem Debakel der deutschen Schwimmer, der undurchsichtigen Affäre um die Ruderin Nadja Drygalla und der ebenso vielstimmigen wie berechtigten Kritik an der deutschen Sportförderung wirft die riesige Diskrepanz zwischen Vereinbarung und Realität aber erneut ein schlechtes Licht auf die Sportplaner.

Das Rumoren darüber, ob die öffentlichen Mittel zur Sportförderung nicht an anderer Stelle besser eingesetzt seien, wird so nicht abebben.

Beim dringend nötigen Vorhaben, weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Olympia-Sportlern professionellere Trainingsbedingungen zur Verfügung zu stellen, kann das nur hinderlich sein.

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