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Mo Farah gewann über 5.000 und 10.000 Meter Olympisches Gold für Großbritannien © imago

London demonstriert die perfekte Symbiose: Athleten und Publikum peitschen sich zu Höchstleistungen. Cameron sprüht vor Stolz.

Von Rainer Nachtwey

München/London - Magic Mo versprühte noch einmal Zauber.

Als Langstreckenläufer Mo Farah über die Ziellinie spurtete und den Gastgebern das 27. Gold bescherte, setzte er dem sportlichen Auftritt der Briten die Krone auf.

Das Olympiastadion verkam zum Tollhaus, 80.000 Zuschauer jubelten ihrem Liebling zu, machten einen Krach, dass die Athleten nicht mehr wussten, was um sie passiert (598333DIASHOW: Die Bilder des Tages).

"Wenn ich mich zu Hause in die Mitte meines Zimmers stelle und die Stereoanlage voll aufdrehe, ist das von der Lautstärke her nichts gegen das, was hier los ist", meinte auch Zehnkämpfer Rico Freimuth zur Stimmung im Londoner Oval.

Bach lobt "enthusiastisches Publikum"

Und vor allem die Athleten trieben die Fans zu Jubelstürmen an, ob im Olympiastadion, im Aquatics Centre, am Dorney Lake oder sonst wo am Rande der Rennstrecken.

Die englischen Fans und Sportler lebten ein beidseitiges Geben und Nehmen vor, wie es dies bei Olympischen Spielen zuvor kaum zu sehen gab.

"Es war eine dichte olympische Atmosphäre, wie man sie sich nur wünschen kann - mit einem enthusiastischen Publikum", lobte DOSB-Präsdient und IOC-Vizepräsident Thomas Bach die Gastgeber.

Premier von Zusammenspiel begeistert

Und auch Englands Premierminister David Cameron war vom Zusammenspiel, von der Symbiose zwischen Publikum und Sportlern, überwältigt.

"Wir haben der Welt gezeigt, was wir können. Wir haben uns selbst daran erinnert, wozu wir in der Lage sind und demonstriert, dass man niemals Team GB abschreiben soll", sagte Cameron - und meinte damit nicht allein die Sportler.

Nie erwarteter Höhenflug

Diese trugen mit ihren herausragenden Leistungen natürlich einen großen Anteil an der Begeisterung und Euphorie, die an den Wettkampfstätten versprüht wurde.

65 Medaillen, davon 29 goldene, Platz drei im Medaillenspiegel noch vor Russland (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

Bei den Spielen zuvor in Peking hatte das Vereinigte Königreich mit 47 Medaillen (19 Gold, 13 Silber und 15 Bronze) bereits das Ergebnis von Athen von jeweils 9 goldenen und silbernen sowie 12 bronzenen Plaketten getoppt - solch ein Höhenflug der Gastgeber war jedoch nicht zu erwarten.

[kaltura id="0_hy9lgfsm" class="full_size" title="Die Bolt Spiele London hat seine Legende"]

Murray erfüllt britische Tennis-Träume

Zumal alle Hoffnungen und Träume in der Hauptstadt erfüllt wurden. Jahrzehnte lang träumte die Bevölkerung von einem britischen Sieger in Wimbledon, Andy Murray erfüllte den Gastgebern diesen Traum beim Olympischen Turnier.

"Roger Federer auf dem Centre Court von Wimbledon zu schlagen, besser geht es doch nicht", fasste der Schotte seine Olympia-Erfahrung knapp zusammen.

Farah und Siebenkämpferin Jessica Ennis hielten all dem Druck stand, der auf ihn lastete, gewannen ihre Wettbewerbe.

Farah der größte Läufer

Insbesondere Magic Mo stellte Cameron noch einmal heraus - nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus gesellschaftlicher Sicht: Es ist ein wirklich großartiges Land, in dem ein junger Mann in Somalia geboren ins Vereinigte Königreich kommen, seine Möglichkeiten wahrnehmen und ins Herz der Nation laufen kann".

Und Lord Sebastian Coe, Chef des Organisationskomitees und selbst zweimalgier Olympiasieger über 1.500 Meter in Moskau 1980 und Los Angeles 1984, meinte zu Farahs Leistungen: "Er ist der größte Läufer, den dieses Land jemals gesehen hat."

Daleys Bronze mehr wert als Gold

Ins Herz geschlossen hatten die Briten bereits seit längerem Wasserspringer Thomas Daley. Für viele war dessen Bronzemedaille nach dem Tod seines Vaters und großen Förderers vor einem Jahr mehr wert als manch goldene.

"Das war einfach unbeschreiblich vor diesem Publikum anzutreten. Vor dem letzten Sprung hatte ich eine Gänsehaut", sagte der Liebling der Nation.

Großbritannien verändert

Aber nicht nur die Sportler verhalfen Großbritannien zu einem gestiegenen Ansehen, auch die Organisation der Spiele brachte Land und Bevölkerung einander noch näher.

"So leidenschaftlich werden Menschen vielleicht nie mehr zusammenarbeiten", bedankte sich Coe bei allen Helfern. "Diese zwei Wochen waren ein erhebendes Gefühl. Diese Spiele haben Großbritannien verändert."

Und Premierminister Cameron betonte noch einmal: "In den letzten zwei Wochen konnten wir in den Spiegel schauen und wir mochten, was wir dort als unser Land zu sehen bekamen."

"Wir haben die Zyniker Lügen gestraft, die gesagt haben, wir können nichts Großes aufbauen", führte der Premier weiter aus. "Wir in diesem Land werden sicher stellen, dass es nicht nur Spiele waren, die Geschichte geschrieben haben, sondern Spiele, die unsere Zukunft verbessern."

Politischer Erholungsurlaub

Zumal der vorgegebene Etat von 11,5 Milliarden Euro wohl eingehalten wurde.

Und nach zuletzt großen Turnieren in Ländern mit politisch problematischem Hintergrund wie den vorangegangenen Spielen in Peking 2008, der Fußball-WM in Südafrika 2010 und der Fußball-EM in der Ukraine kamen diese Spiele einem politischen Erholungsurlaub gleich.

Der Fokus lag endlich wieder auf dem Sport, der nicht nur die Briten, sondern die ganze Welt verzauberte.

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