Rio ruft - aber London legt die Latte hoch
London - Als das große Finale der 30. Olympischen Sommerspiele ( Bericht) in einem knallenden Farbenmeer mündete, zollte ein kommender Hauptdarsteller der 31. Spiele Beifall klatschend Respekt.
"Ich kann London nur gratulieren, das waren die besten Spiele der Geschichte", sagte Rio de Janeiros Bürgermeister Eduardo Paes, "wir werden viele Schwierigkeiten und Arbeit haben, dem nahezukommen. Aber wir werden selbst Großes leisten."
In den letzten Sekunden des 12. August war das Olympische Feuer in der britischen Hauptstadt erloschen, nach 16 Tagen voller sportlicher Höhepunkte und prächtiger inszenierten Zeremonien (DIASHOW: Die Bilder der Abschlussfeier).
Rogge bemüht Superlative
1454 Tag später wird es am Corcovado wieder entzündet. Und London hat die Messlatte für Rio hoch gelegt, sehr hoch sogar. Mit nahezu perfekt organisierten Spielen, die vor allem eines waren: liebenswert, authentisch, britisch eben.
"Als unsere Zeit gekommen war, Britannien, haben wir alles richtig gemacht", rief Sebastian Coe kurz vor Mitternacht mit im Ansatz brüchiger Stimme ins weite Rund. Die letzten Silben gingen im Jubel unter, der charismatische OK-Chef erntete breite Zustimmung.
"Ihr habt der Welt das Beste der britischen Gastfreundschaft geboten", sagte der im kommende Jahr scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge im Anschluss an eine rauschende Schlussfeier, in der London noch einmal eindrucksvoll die Bedeutung der britischen Kultur unterstrich, die größten Künstler des Landes für sich sprechen ließ.
"Triumph von Höflichkeit"
Drei Stunden lang boten Stars von jung bis alt, von Muse über die Spice Girls bis The Who Kurzweil. Bewusst ohne Tiefgrund, dafür umso fröhlicher, wenngleich mit leichten Längen.
Und auch die englische Presse feierte mit, bezeichnete den Abschluss etwa als "die letzte verrückte Disco am Ende der größten Party aller Zeiten" ("Sun").
Völlig zu Recht titelte auch der "Telegraph" von einem "Triumph von Wärme, Höflichkeit, und Enthusiasmus".
Peking gigantisch und steril
Nicht zuletzt durch die beispiellose Hilfe der zahlreichen Volunteers, die den Spielen im Schatten der Sportler einen gewissen Charme verliehen hatten.
"Wir wollten Spiele für die Menschen, letztlich sind es auch Spiele durch die Menschen geworden", sagte Coe. Bei aller notwendigen straffen Organisation, bei allen letztlich erfolgreichen Sicherheitsvorkehrungen, schaffte es London, seinen urbritischen Charme zu bewahren.
Es war ein bewusster Gegensatz zur Gigantomanie Pekings vier Jahre zuvor, die beeindruckte, mitunter aber steril wirkte ( SERVICE: Der Medaillenspiegel).
Spielstätten sollen weiter genutzt werden
Und anders als in China, wo die Sportstätten nun teilweise vor sich hin modern, setzt London auf Nachhaltigkeit.
"Es gab dort keinen Plan", sagte David Subbs vom Organisations-Komitee LOCOG: "Wir haben daraus gelernt."
Die Veranstaltungsstätten in London werden zurückgebaut oder veräußert, spätestens nach den Paralympics (29. August bis 9. September). Immer wieder betonte Coe die "Verantwortung, die Spiele in Zeiten der Weltwirtschaftskrise" mit sich bringen.
Dem olympischen Rausch soll kein finanzieller Kater folgen.
"Rio in der Verantwortung"
London war anders als Peking, Rio de Janeiro wird anders als London.
Die achtminütige "Show in der Show", mit der sich der kommende Gastgeber am Sonntagabend präsentierte, setzte auf eine Mischung von Folklore und Moderne, war unwiderstehlich rhythmisch - typisch brasilianisch eben.
Dies ist auch die Korruption, das Land hat seine Probleme, die es auf dem Weg bis 2016 zu lösen gilt.
"London hat seine Pflicht erfüllt", schrieb 'O Dia", "jetzt steht Rio in der Verantwortung."
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