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Martin Häner (r.) und seiner Hockey-Kollegen feierten den Olympiasieg ausgiebig © getty

Die Party der Hockey-Olympiasieger auf einem Traumschiff kann für den DHB teuer weden. Dessen Boss hält die Summe für zu hoch.

München - Böses Erwachen nach der wilden Gold-Party: Rund 500.000 Euro soll die Beseitigung der Schäden kosten, die nach der Olympia-Fete der Hockey-Männer am 11. August auf dem Traumschiff "MS Deutschland" entstanden sind.

Der Deutsche Hockey-Bund (DHB) hatte damals zwar in einer ersten Reaktion erklärt, er wolle für entstandene Schäden aufkommen, doch Präsident Stephan Abel erklärte am Dienstag, die Höhe des nun im Raum stehenden Schadens sei "völlig unverhältnismäßig". Eine Kostenforderung habe man noch nicht erhalten.

Beträchtliche Kosten

Reederei-Sprecherin Kornelia Kneissl von der Deilmann-Werft wollte die bereits in "Bild" genannten Zahlen nicht bestätigen, machte jedoch deutlich, die Schäden an den Teppichen würden sich auf rund 50.000 Euro belaufen (BERICHT: Hockey-Helden sagen "Sorry") .

Auch die Polster seien ein beträchtlicher Posten. Kneissl: "Eine kaputt gegangene Glasdecke auf dem Lido-Deck wurde über Nacht repariert, auch das beschädigte Taekholz ist nicht so sehr das Problem."

Vielmehr seien dies die beschädigten Teppiche, die den Gästen auf dem Fünf-Sterne-Schiff nicht mehr präsentiert werden könnten und kurzfristig ersetzt werden müssten (599844DIASHOW: Deutsche Olympioniken zurück in der Heimat).

Etliche Tage nicht einsatzbereit

Die Neuverlegung der Böden bedeute, dass das laut Werft im Sommer und Winter ständig ausgebuchte Schiff in nächster Zeit wohl etliche Tage nicht unterwegs sein könnte.

Kneissl: "Bei 480 Gästen und Kosten von fast 400 Euro pro Person ist das pro Tag schon ein Ausfall von 75.000 Euro." Würde das Schiff sechs Tage ausfallen, wären es 450.000 Euro.

Eine Rechnung hat der DHB noch nicht erhalten. "Ich bin sehr gespannt, was dem Anwalt der Reederei einfällt", sagte DHB-Vizepräsident Remo Laschet, der den Geschäftsführer der Reederei nach einem Telefonat aufforderte, mögliche Forderungen schriftlich einzureichen.

DHB-Anwalt zuversichtlich

Der Kölner Anwalt gibt sich zuversichtlich, dass die Rederei den Verband nicht haftbar machen kann: "Wir waren weder Veranstalter der Party, wir waren nicht eingeladen, wir haben selbst nichts kaputt gemacht, noch haften wir für das, was 400 Gäste tun, die bei der Hockeyfete mit 18 Spielern feiern."

Dass es offensichtliche Schäden gab, hatte die viermalige Kanu-Olympiasiegerin Katrin Wagner-Augustin bestätigt: "Der Kapitän war sehr sauer. Es sind wohl einige Teile zu Bruch gegangen in den letzten Tagen. Das kann schon mal passieren, wenn Herren zu viel Alkohol trinken", sagte die Olympiazweite von London (599455DIASHOW: Die Stars der Spiele).

"Ganz so schlimm war es nicht"

Die Hockeyspieler hatten das Problem aber heruntergespielt. Jan Philipp Rabente, zweifacher Torschütze beim 2:1-Finalerfolg gegen die Niederlande, sagte: "Es geht schon mal ein Bier verschüttet oder ein Rotweinglas kaputt. Aber ganz so schlimm war es auch nicht."

Und Torwart Max Weinhold fügte hinzu: "Wir haben Gold gewonnen und natürlich gefeiert, wir hatten Spaß und Freude, und ein bisschen Schwund ist immer..."

Rückfahrt nach Hamburg

Zwei Tage nach der Fete hinterließ das Schiff bei der Rückfahrt mit 217 Olympiateilnehmern von London zur Siegesfeier in Hamburg jedoch nicht den Eindruck, als seien größere Schäden am Inventar entstanden.

Kapitän Andreas Greulich erklärte, die Mannschaft habe sich bei ihm entschuldigt, damit sei die Angelegenheit abgehakt.

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