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Anna Dogonadze wurde 2004 in Athen Olympia-Siegerin © getty

Anna Dogonadze steht für Deutschland im Finale von Peking. Doch die in Georgien geborene Turnerin kann sich darüber nicht richtig freuen. Sie sorgt sich um ihre Familie im Kaukasus.

Die Freude war nur verhalten, der Jubel gedämpft. Mehr als ein schüchternes Lächeln brachte Anna Dogonadze nicht zustande, als der Finaleinzug der Trampolin-Olympiasiegerin von Athen im National Indoor Stadium von Peking gesichert war.

Zu sehr belastet die gebürtige Georgierin die immer noch politisch angespannte Situation in der Heimat ihrer Familie.

Im Olympischen Dorf zappt die 35-Jährige permanent zwischen der Deutschen Welle und dem russischen Fernsehen hin und her. "Ich verstehe ja nicht besonders viel von Politik, aber Olympia sollte doch die Zeit des Friedens sein", sagte die Ex-Weltmeisterin, die seit Tagen vergeblich versucht, ihre Eltern in Mzcheta, nur knapp 100 Kilometer von Gori entfernt, telefonisch zu erreichen.

Vergeblich, die Leitungen sind gekappt, Mobilnetze lahmgelegt. Ihr Bruder Josef fliegt bei der georgischen Armee Kampfhubschrauber, von ihm weiß sie nur via SMS, dass er zumindest am Leben ist.

Anhaltende Rückenbeschwerden

Trotz dieser Sorgen hat die Bad Kreuznacherin als Siebte den Qualifikations-Wettkampf für das Finale am Montag (14.30 Uhr MESZ, LIVE) überstanden, was angesichts ihrer gesundheitlichen Probleme für Bundestrainer Michael Kuhn "ein wahres Geschenk" ist.

Denn sein Schützling konnte wegen anhaltender Rückenbeschwerden in den vergangenen zehn Tagen ganze zweimal trainiert, erst Fußball-Nationalmannschafts-Physiotherapeut Klaus Eder brachte Linderung.

"Vielleicht Vierter oder Fünfter"

Aber die Ex-Weltmeisterin bleibt skeptisch, aus eigener schmerzhafter Erfahrung: "Momentan sind die Beschwerden weggezaubert, aber ich weiß, dass sie jeden Tag wiederkommen können."

Angesichts dieser leidvollen Vorgeschichte ist für Dogonadze der erneute Gewinn einer olympischen Medaille nahezu utopisch. "Wenn ich in der Kür alles richtig treffe, wird es vielleicht ein vierter oder fünfter Platz", lautet ihre Prognose.

Stehlik ausgeschieden

Höhere Ziele hingegen hatte Henrik Stehlik, doch für den Ex-Weltmeister aus Salzgitter sind die zweiten Olympischen Spiele seiner Karriere bereits wieder beendet.

Nach Rang drei in der Pflicht touchierte der Bronzemedaillengewinner von Athen 2004 beim letzten seiner zehn Sprünge die Umrandungsmatte, der daraus resultierende Punktabzug warf den 27-Jährigen bis auf den 16. und letzten Platz zurück.

"In der Form seines Lebens"

"In der zweiten Hälfte der Übung bin ich etwas unter Druck geraten und am Ende hat es leider an Sprunghöhe gefehlt", analysierte der Student der Politik- und Literaturwissenschaften seinen fatalen Patzer.

Chefcoach Kuhn vermisste bei dem Niedersachsen in dieser Situation den letzten Kampfgeist: "Schade, Henrik war in der Form seines Lebens. Seine Kür war am Schluss nicht mehr ganz so souverän, aber Gefahr war eigentlich nicht im Verzuge."

Sportliche Zukunft ist offen

Gemein ist Dogonadze und Stehlik, dass ihre sportliche Zukunft nach Peking offen ist.

"Ich muss sehr genau auf meinen Körper hören", formulierte die diplomierte Sportlehrerin vage, für Stehlik steht möglicherweise bald schon der Beruf im Vordergrund: "Bald muss ich die Magisterprüfungen absolvieren."

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