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Birgit Prinz wurde drei Mal zur Weltfußballerin des Jahres gewählt © imago

Vor dem Halbfinale gegen Brasilien droht den Weltmeisterinnen die Puste auszugehen. Birgit Prinz schimpft über den Spielplan.

Shanghai - Sie sind noch zwei Siege von der Goldmedaille entfernt, doch beim Aufstieg auf den Olymp droht den deutschen Weltmeisterinnen auf den letzten Metern die Puste auszugehen.

Vor dem Halbfinale am Montag (12 Uhr MESZLIVE) gegen Brasilien gehen einige Spielerinnen buchstäblich am Stock, für Linda Bresonik (Bänderriss im linken Sprunggelenk) ist das Turnier sogar schon beendet.

"Wir müssen die Spielerinnen in Watte packen, damit niemandem mehr etwas passiert", sagte Trainerin Silvia Neid nach dem 2:0 (0:0) nach Verlängerung im Viertelfinale gegen Schweden.

Neid hat nur 18 Spielerinnen im Kader - "für so ein langes Turnier viel zu wenig", wie sie meinte. Das noch gesunde Personal wird deshalb gehätschelt, damit es die Operation Gold ausgeruht zu einem guten Ende bringt.

"Kaum Zeit für Regeneration"

Neid wird es dabei nicht leicht gemacht. Dass ihre Mannschaft im Drei-Tages-Rhythmus spielen muss, erschwert die Aufgabe weiter.

"Da bleibt kaum Zeit für Regeneration, weil wir jeweils noch einen Reisetag haben", sagte sie. Nur die ersten beiden Vorrundenspiele fanden am gleichen Ort (in Shenyang) statt, seitdem musste das Team dreimal den Standort wechseln.

"Haben den dümmsten Spielplan"

"Wir haben den dümmsten Spielplan und auch das Gefühl, dass uns jeder Stein in den Weg gelegt wird, den man nur finden kann", sagte die ehemalige Weltfußballerin Birgit Prinz.

Ein Fußballturnier in das olympische Programm zu pressen, ist keine leichte Aufgabe, die Organisatoren scheitern regelmäßig daran.

Auch in China ist das wieder Fall. Nach dem Halbfinale folgt für die deutsche Elf Umzug Nummer vier, weil die Partien im Kampf um Gold und Bronze in Peking stattfinden.

"Endlich ins Olympische Dorf"

"Das ist aber die einzige Reise, auf die wir uns wirklich freuen. Dann geht's nämlich endlich ins Olympische Dorf", sagte Kapitän Birgit Prinz.

Bevor sie richtige Olympia-Luft schnuppern dürfen, wartet in der abermaligen Neuauflage des WM-Finales von 2007 jedoch Brasilien.

Bereits in der Vorrunde trafen beiden Mannschaften aufeinander, die deutsche Elf hielt mit viel Glück und etwas Geschick ein 0:0 gegen die starke "Selecao Feminina".

Neid verordnet Saunagänge

"Wir sollten uns vor denen nicht in die Hosen machen. So grandios haben die nicht gespielt", sagte Prinz.

Während sich einige ihrer Kolleginnen mit Magenschmerzen oder anderen Blessuren nach dem Viertelfinale aus dem Stadion schleppten, wirkte Prinz noch recht frisch.

"Wir sind fit", sagte sie, "das ist unser Vorteil." Dennoch verzichtete Neid am Samstag auf ein Training und verordnete Saunagänge, Schwimmen und Massage.

"Werden viel schlafen"

"Dazu werden wir viel schlafen und uns gesund ernähren", sagte Kerstin Garefrekes über das Programm bis Montag.

Mit ihrem Treffer in der 104. Minute ebnete Garefrekes gegen Schweden den Weg, Simone Laudehr machte den Sieg dann perfekt (115.).

"Einen schönen Kaffee", wollte Garefrekes sich zur Belohnung gönnen.

Cafe-Besuch ist Pflicht

Für die Frankfurterin ist der Cafe-Besuch in Shanghai Pflicht, Entspannung ist oberstes Spielerinnen-Gebot.

Schließlich warte gegen Brasilien "wieder ein sehr anstrengendes Spiel" - in dem die DFB-Elf eine Negativserie beenden will.

2000 und 2004 hat Deutschland in der Vorschlussrunde gegen den späteren Olympiasieger verloren. "Dreimal in Folge ins kleine Finale zu kommen, wäre schon blöd", sagte Prinz.

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