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Fani Halkia sollte Sonntag über 400 m Hürden an den Start gehen © getty

Lange gilt Athen-Olympiasiegerin Fani Halkia als verdächtig, jetzt wird die Griechin bei einer Kontrolle in Japan positiv getestet.

Peking - Seit vier Jahren lief bei ihr der Verdacht mit, jetzt ist Olympiasiegerin Fani Halkia den Jägern tatsächlich ins Netz gegangen - als vierter Dopingfall der Spiele von Peking.

Der positive Test der griechischen Goldmedaillen-Gewinnerin über 400 m Hürden von Athen, den Kontrolleure im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vornahmen, stammt aus dem vorolympischen Trainingslager in Japan.

Das Vertrauen in den ohnehin angeschlagenen griechischen Sport dürfte damit endgültig dahin sein.

"Wunderdroge" heißt Methyltrienolon

Die "Wunderdroge" der Griechen hieß und heißt offenbar Methyltrienolon, ein anaboles Steroid.

Seit März wurden inklusive Hürdenläuferin Halkia 15 Athleten positiv darauf getestet, darunter elf Gewichtheber und unmittelbar vor den Spielen der 200-m-WM-Achte Anastasios Gousis.

Außerdem betroffen: 400-m-Läufer Dimitris Regas und Schwimmer Ioannis Drymonakos.

Thanou sorgt für Skandal

Zudem fügte zuletzt Skandalsprinterin Ekaterini Thanou dem Ansehen des griechischen Sports noch einmal erheblichen Schaden zu.

Das IOC schloss sie vor einer Woche von den Spielen in Peking aus. Thanou hatte 2004 vor den Spielen in Athen für einen Riesenskandal gesorgt:

Zusammen mit Sprinter Kostas Kenteris war sie spektakulär vor den Dopingkontrolleuren geflüchtet.

Drei weitere Fälle in Peking

In Peking wurden bereits die spanische Radsportlerin Maria Isabel Moreno mit dem Blutdopingmittel Epo, der nordkoreanische Pistolenschütze und zweifache Medaillengewinner Kim Jong-Su mit dem Betablocker Propranolol und die vietnamesische Kunstturnerin Do Thi Ngan Thuong mit einem Diuretikum erwischt.

Kurz vor und nach dem Olympia-Auftakt waren rund zwei Dutzend Namen von weiteren Sündern bekanntgeworden, die daraufhin nicht antreten durften.

Halkia wehrt sich

Halkia reagierte mit Fassungslosigkeit.

"Ich dachte erst die Nachricht sei ein Witz", sagte sie bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in der Nacht zu Sonntag und fügte hinzu: "Ich werde nicht akzeptieren, dass da krankhafte Menschen sind, die mich sabotieren wollen."

Seit 2004 hochverdächtig

Aus dem Olympischen Dorf musste die 29-Jährige umgehend ausziehen.

Die Disziplinarkommission des IOC wollte schnellstmöglich über einen Olympia-Ausschluss beraten. Seit ihrem Erfolg von vor vier Jahren ist Halkia hochverdächtig.

Damals steigerte sie sich binnen weniger Monate um 3,63 Sekunden - ein schier unvorstellbarer Leistungssprung.

Sie wird vom ehemaligen 200-m-Läufer Giorgos Panagiotopoulos trainiert. Er machte auch den ebenfalls erwischten Dimitris Regas fit.

In der Humanmedizin nicht zugelassen

Methyltrienolon gilt als hochgradig gefährlich. Es kann schwere Leberschäden verursachen und ist wegen seiner Nebenwirkungen nicht in der Humanmedizin zugelassen, in der Bodybuilderszene wegen stark muskelaufbauender Wirkung nach Angaben des Anti-Dopinginstituts der Deutschen Sporthochschule Köln aber sehr beliebt.

Man kann es als Tablette schlucken. Nebenwirkungen sind Impotenz und Leberschäden.

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