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Isabell Werth gewann mit der Mannschaft Dressur-Gold in Peking © getty

Mit einem Aussetzer im Grand Prix Special bringt Satchmo seine Reiterin Isabell Werth um die klare Führung. Jetzt wird es eng.

Hongkong - Die Goldmedaille lag schon auf dem silbernen Tablett bereit - da spielte Satchmo in Hongkong den Blues.

Mit einem "völlig unerklärlichen" Aussetzer im Grand Prix Special brachte der 14 Jahre alte Wallach seine Reiterin Isabell Werth beim olympischen Turnier um die klare Führung und damit auch um den frühzeitigen Gewinn ihrer sechsten olympischen Goldmedaille.

"Jetzt wird es sehr schwer. Anky ist normalerweise die bessre Kürreiterin", klagte Werth.

Knapper Vorsprung

Durch den Schnitzer von "Satchie" zur Mitte des Vortrages im Wettkampf-Viereck von Sha Tin stürzte das Paar von weit über 80 Prozent auf am Ende 75,200 Prozentpunkte ab.

Vor der abschließenden Kür am Dienstag (19.15 Uhr MESZ) hat die 39 Jahre alte Juristin aus Rheinberg nur noch einen Vorsprung von nicht mal 0,3 Prozentpunkten vor Dauerrivalin Anky van Grunsven.

Aus dem Rhythmus geraten

"Ich weiß es nicht, warum er sich erschreckt hat. Vielleicht an wehenden Blumen oder Fahnen", sagte Werth unmittelbar nach dem Schock.

In der Piaffe geriet Satchmo plötzlich aus dem Rhythmus, brach zur Seite aus und war sekundenlang nicht zu zügeln. Ein Raunen ging durch die Arena, selbst die Dressur-unkundigen Chinesen erschraken angesichts des ungeahnten Ungehorsams. Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis Werth dank ihres reiterlichen Geschicks den Vierbeiner wieder in die Spur bekam.

Keine Kritik

"Das hat mich bestimmt fünf Punkte gekostet, aber das sind eben die Olympischen Spiele", sagte Werth.

An Satchmo übte sie keine Kritik. "Ich habe immer gesagt, dass sich ein Pferd auch manchmal erschrecken darf. Und bei Satchmo war es so, dass er in letzter Zeit so wenig Fehler gemacht hat wie kein anderes Pferd. Aber so ist das mit ihm, er ist halt auch ein Genie."

Umjubeltes Gold

Gerade in den Anfangsjahren gab es immer wieder Probleme. Frühzeitig war "Satchie" als Nachfolger von Werths im Jahr 2000 in den Ruhestand übergegangenen Gigolo auserkoren.

Doch bei ersten Championaten brach der Braune immer wieder aus der Bahn.

Werth sprach gerne vom "Pferd zwischen Genie und Wahnsinn". Erst eine Augenoperation führte zu konstanteren Leistungen. Und als keiner mehr mit dem charaktervollen Vierbeiner rechnete, trug er seine geduldige Reiterin bei der Heim-WM in Aachen 2006 zum umjubelten Doppel-Gold.

"Bin eine Kämpferin"

Dauerrivalin van Grunsven, die nach erneuten Fehlern die Goldmedaille eigentlich schon abgehakt hatte, kann jetzt wieder Morgenluft wittern:

"Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine Kämpferin bin", sagte die Niederländerin.

Während die 40-jährige van Grunsven ihre altbekannte Kür reitet, hat Werth für Olympia die Musik neu arrangiert und höchste Schwierigkeitsgrade eingebaut.

Kemmer hofft

Auf ihre erste olympische Einzelmedaille kann Heike Kemmer hoffen. Die zweimalige Team-Olympiasiegerin aus Winsen bot mit dem 15 Jahre alten Bonaparte wie schon in der Mannschaftswertung eine famose Leistung und bekam 73,000 Punkte.

"Ich freue mich so. Wenn ich hier meine erste Einzelmedaille gewinnen könnte, wäre das super", sagte Kemmer.

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