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Dirk Nowitzki im Spiel gegen China © getty

Dirk Nowitzki wird sich in Zukunft auf die NBA konzentrieren. Deshalb wird bei der kommende EM eine komplett neues Team auflaufen.

Peking - Tief enttäuscht und ausgelaugt kündigte Dirk Nowitzki nach der bitteren Olympia-Pleite von Peking eine Auszeit vom Basketball-Nationalteam an.

"Wenn man sich seinen Traum erfüllt hat und hier mit der Fahne ins Stadion eingezogen ist, dann ist es nur schwer vorstellbar, im nächsten Jahr eine EM in Polen zu spielen", sagte der NBA-Star der Dallas Mavericks nach dem 55:59 gegen China und dem verpassten Einzug ins Viertelfinale.

Ob es nach dem bedeutungslosen letzten Vorrundenspiel gegen die USA am Montag (ab 14 Uhr LIVE) sogar der endgültige Abschied nach über elf Jahren und 127 Länderspielen sein wird, ließ der gebürtige Würzburger offen.

Entscheidung ist nachvollziehbar

Zwischen seinen Worten ließ er Raum für Interpretationen, zumal er bereits eine Bilanz seiner Länderspiel-Karriere folgen ließ: "Wir haben viel erreicht mit der deutschen Nationalmannschaft. Wir haben bei der EM Silber geholt, bei der WM Bronze und nun Olympia - es hat viel Spaß gemacht."

Jetzt wolle er sich seinen anderen Traum von der NBA-Meisterschaft erfüllen: "Darauf werde ich meine Konzentration legen."

Die Verantwortlichen des Deutschen Basketball Bundes (DBB) traf die Nachricht nicht überraschend. "Er hat sich die Pause verdient. Seit 14 Jahren, einschließlich der Junioren-Teams, hat er zur Verfügung gestanden. Seine Entscheidung ist okay und nachvollziehbar. Als Verband sind wir nun in der Pflicht, eine neue Mannschaft aufzubauen. Talente sind vorhanden", sagte DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt.

Fragezeichen hinter Kaman

Neben Nowitzki und dem vor der Olympia-Qualifikation schwer erkrankten Ademola Okulaja werden künftig auch Rekordnationalspieler Patrick Femerling und Pascal Roller fehlen, die ihren Rücktritt bereits angekündigt hatten. "Bei der EM 2009 wird man eine völlig neue deutsche Mannschaft sehen", so Brenscheidt.

Ein Fragezeichen bleibt noch hinter dem vor der Qualifikation eingebürgerten NBA-Center Chris Kaman von den Los Angeles Clippers. Es sollen Gespräche mit dem 26-Jährigen folgen.

Kein Vorwurf von Bauermann

Die aktuelle DBB-Auswahl und speziell Nowitzki hätten sich einen schöneren Abschied von Olympia gewünscht. "Ich bin schon wahnsinnig enttäuscht", meinte der deutsche Ausnahme-Basketballer.

Bundestrainer Dirk Bauermann wollte seinen Spielern nach der Niederlage gegen die Gastgeber keinen Vorwurf machen: "Wenn es um den Einzug in ein Viertelfinale geht, ist es immer ein Kampf auf Biegen und Brechen. Da ist das Händchen nicht mehr so locker." Die Mannschaft habe dennoch eine tolle Leistung gezeigt, gefightet und immer an sich geglaubt.

Weltverband wollte China

Für Unmut und Empörung sorgten allenfalls die Schiedsrichter. "Wenn in den Schlusssekunden ein Schrittfehler und ein Offensivfoul gegen Dirk Nowitzki gepfiffen werden, wird es sehr schwer", meinte Bauermann.

DBB-Vize Wolfgang Hilgert sprach sogar von einer Unverschämtheit. Er habe nicht geglaubt, dass so etwas bei Olympia möglich sei. Für Nowitzki war die Sache klar: "Der Weltverband wollte China auf jeden Fall im Viertelfinale sehen. Und das haben sie ja dann auch hingekriegt."

Die Fehlentscheidungen allein wollten die DBB-"Riesen" aber nicht als Entschuldigung gelten lassen. "Wir haben das Spiel im dritten Viertel und in der Offensive verloren", resümierte Nowitzki, mit 24 Punkten einmal mehr bester Werfer. Es habe nach einem langen Sommer die Kraft und somit die Konzentration gefehlt, ergänzte Roller.

Neu orientieren

Die Zeiten, in denen man sich unter den Top Acht der Welt bewegte und bei Olympia selbst Weltmeister Spanien in Bedrängnis bringen konnte, dürften vorerst vorbei sein.

Nach dem Umbruch müsse man sich in Europa wieder weiter hinten "um die Ränge zwölf bis 16" einsortieren und hocharbeiten, erklärte Brenscheidt.

Es wird ein schwerer Gang, denn ein neuer Nowitzki ist im deutschen Basketball weit und breit nicht in Sicht.

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