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Der Cottbuser Roger Kluge bereitet sich mit seinem Trainer auf den Start vor. © getty

Nach den enttäuschenden Leistungen der deutschen Radsportler auf der Straße betreiben die Bahnradfahrer nun Wiedergutmachung.

Peking - Für die wiedererstarkten deutschen Bahnrad-Asse ist das futuristische Laoshan Velodrome in Peking der perfekte Ort zur Wiedergutmachung, für die britischen Stars sogar eine wahre Goldgrube.

Roger Kluge sowie die Teamsprinter haben mit Silber beziehungsweise Bronze die bislang so klägliche Olympia-Bilanz des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) gehörig aufpoliert und in der Sparte "Piste" Hoffnung auf bessere Zeiten aufkommen lassen.

Unterdessen räumen die Briten weiter alles ab, am Wochenende gab es die Goldmedaillen Nummer zwei bis vier.

Wohltuende Medaillen

Bis zu den Medaillenjägern von der Insel ist es für den einst so ruhmreichen deutschen Bahnradsport noch ein weiter Weg, ein erster Schritt ist aber gemacht.

"Jede Medaille tut uns gut. Radsport ist nicht immer planbar, das haben die Ergebnisse auf der Straße gezeigt. Auf der Bahn haben wir uns bislang sehr positiv gezeigt. Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut", sagte BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer und hatte vor allem für Senkrechtstarter Roger Kluge ein Extra-Lob parat:

"Er ist so erfrischend, so unkompliziert, so offen. Das macht einfach Spaß und kommt richtig gut an."

Vom Azubi zum Shooting-Star

Wohl wahr, mit Silber im Punktefahren hinter dem Spanier Joan Llaneras hat Kluge ein phänomenales Jahr gekrönt. Noch vor neun Monaten war er der unbekannte Azubi, nach seinem Gala-Auftritt ist der 22-Jährige der Shootingstar im deutschen Bahnradsport.

"Es ging stetig steil bergauf. Der letzte Schritt nach oben fehlt aber noch. Vielleicht gelingt der ja am Dienstag", meinte Kluge und nahm für das Zweier-Mannschaftsfahren mit Olaf Pollack bereits Gold ins Visier.

"Will auch mal in der Mitte stehen"

Gold war sogar diesmal schon greifbar, zwischenzeitlich hatte der Cottbuser schon deutlich in Führung gelegen, ehe Joan Llaneras eine Runde und somit 20 Punkte auf den jungen Deutschen gutmachte. Doch traurig dürfe er nicht sein.

"Hinter Llaneras Zweiter zu werden, ist keine Schande. Ich habe ja noch viele Jahre und vielleicht auch noch ein paar Olympische Spiele vor mir. Aber irgendwann will ich mal in der Mitte stehen", sagt Kluge.

Gelungene Premiere

Bei seiner WM-Premiere in Manchester im Frühjahr hatte Kluge Bronze im Scratch und an der Seite von Pollack Silber im Madison geholt.

"Ein sensationelles Jahr liegt hinter mir. Silber bei Olympia ist irgendwie schon das zehnte i-Tüpfelchen", bilanzierte der deutsche Meister.

Briten räumen ab

Silbermedaillen sind indes für die Briten nur schmückendes Beiwerk. Rebecca Romero holte am Sonntag bereits die vierte Goldmedaille für das Team von der Insel.

In der 3000-m-Einerverfolgung besiegte sie in 3:28,321 Minuten ihre Teamkollegin Wendy Houvenaghel (3:30,395). Bronze ging an Lesia Kalitowska aus der Ukraine (3:31,413), die im kleinen Finale gegen die Neuseeländerin Alison Shanks (3:34,156) gewann.

Medaille in greifbarer Nähe

Schon am Samstag hatte es im Keirin einen britischen Doppelsieg durch Chris Hoy und Ross Edgar gegeben.

Carsten Bergemann belegte dabei immerhin einen beachtlichen fünften Platz. "Da war er gar nicht weit von einer Medaille entfernt", lobte Bremer.

Wigging deklassiert Konkurrenz

In der 4000-m-Einerverfolgung demonstrierte derweil Bradley Wiggins seine Ausnahmestellung.

In 4:16,977 Minuten ließ der Columbia-Profi dem Neuseeländer Hayden Roulston (4:19,611) keine Chance. Die Goldmedaillen Nummer fünf bis sieben sind auch schon in der Bearbeitung.

Deutschland scheitert in der Qualifikation

In der 4000-m-Mannschaftsverfolgung legte der britische Bahnvierer (Ed Clancy, Paul Manning, Geraint Thomas und Wiggins) in 3:57,101 die mit Abstand beste Zeit in der Qualifikation hin. Das deutsche Flagschiff hatte sich erstmals seit 1952 nicht qualifiziert.

Im Sprint haben es Chris Hoy, Jason Kenny und bei den Frauen "Queen" Victoria Pendleton bereits ins Viertelfinale geschafft. Erfreulich aus deutscher Sicht: Auch Maximilian Levy ist noch dabei.

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