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Jan-Peter und Hannes Peckolt können sogar noch auf die Silbermedaille hoffen © getty

Die Peckolt-Brüder holen bei den 49ern Bronze. Nach einem Protest gegen die Sieger bleibt der endgültige Ausgang aber ungewiss.

Qingdao - Jan-Peter und Hannes Peckolt schnauften tief durch, DSV-Sportdirektor Hans Sendes waren die Anstrengungen des Tages ins Gesicht geschrieben.

Geschafft, aber überglücklich trottete das Trio am Sonntagabend durch den Hafen von Qingdao.

Zunächst mussten die Peckolts starke Turbulenzen auf dem Wasser überstehen, anschließend rund 90-minütige Protestverhandlungen hinter sich bringen.

Am Ende stand für das 49er-Duo Bronze und damit die erste Medaille für den Deutschen Segler-Verband (DSV) seit acht Jahren.

"Es wird dauern, bis wir das Erreichte realisiert haben. Spätestens dann war es wohl der schönste Tag in unserem Leben. Jetzt werden wir auf jeden Fall feiern", sagte Hannes Peckolt: "Am Montag geht es zur Medaillenübergabe, dann nach Peking. Darauf freuen wir uns tierisch. Dort mit einer Medaille in der Tasche aufzukreuzen, ist noch einmal etwas anderes."

Chaos auf dem Gelben Meer

Der Weg dorthin war beschwerlich. In einem von zahlreichen Kenterungen und Materialschäden geprägten Abschlussrennen waren die EM-Zweiten von 2007 von der rauen See des Gelben Meeres auf den Bronzeplatz gespült worden.

Das Edelmetall sicher hatten die Peckolts damit aber noch nicht.

Dänen mit kroatischem Boot

Den führenden Dänen Jonas Warrer/Martin Ibsen war schon vor dem Start der Mast gebrochen. In ihrer Verzweiflung schnappten sich die Skandinavier nach ihrer Rückkehr in den Hafen das Boot der Kroaten und gingen mit Verspätung in die Wettfahrt.

Es reichte zu Platz sieben und damit zur Goldmedaille - vermeintlich. Zahlreiche Proteste waren die Folge des Materialwechsels. Eine Neuansatzung der Wettfahrt wurde diskutiert, dann aber verworfen.

Verhandlungen vorerst ohne Ergebnis

Die letzten Verhandlungen verliefen bis in die späten Abendstunden des Sonntags (Ortszeit) ergebnislos. Auch eine Disqualifikation der Dänen stand im Raum.

Olympiasieger wären dann die Spanier Iker Martinez/Xabier Fernandez, die schon vor vier Jahren in Athen triumphiert hatten. Die Peckolts würden sogar auf den Silberplatz vorrücken.

Lob vom Teamchef

Das Duo aus Hamburg und Kiel wollte sich mit derartigen Gedanken aber nicht beschäftigen: "Das ist eine Entscheidung der Jury."

Auch Sendes zeigte sich mit dem Erreichten mehr als zufrieden: "Das waren die deutschen Tugenden. Die Jungs haben gekämpft und nie aufgegeben", sagte der Teamchef und fügte sichtlich ausgelaugt hinzu: "Allzu oft brauche ich so einen Tag nicht. Meine Finger haben noch nie so gezittert. Zum Glück ist es ja gut ausgegangen."

Schümann und Co. auf vier

Weitaus ruhiger verliefen am Sonntag die Medaillenrennen im Yngling und Finn-Dinghy. Im Yngling schob sich die Berlinerin Ulrike Schümann mit ihrer Crew vom neunten auf den vierten Platz vor.

Gold ging an die britische Welt- und Europameisterin Sarah Ayton, die schon vor vier Jahren in Athen als Vorschoterin von Shirley Robertson ganz oben auf dem Podest gestanden hatte. Silber holten die Niederländerinnen, Bronze Griechenland.

Ainslie holt drittes Gold

Im Finn gewann Aytons Landsmann Ben Ainslie das dritte olympische Gold seiner Karriere. Hinter dem fünfmaligen Weltmeister holte Zach Railey aus den USA Silber. Bronze ging an den Franzosen Guillaume Florent.

Durch seinen Triumph zog Ainslie in der ewigen olympischen Segel-Bestenliste mit dem zweitplatzierten Jochen Schümann gleich. Beide gewannen jeweils dreimal Gold und einmal Silber.

Im Starboot rangieren Marc Pickel/Ingo Borkowski (Kiel/Babelsberg) derweil weiter auf Rang vier. Petra Niemann (Berlin) liegt im Laser Radial auf Rang 18, das Tornado-Duo Johannes Polgar/Florian Spalteholz (Dänisch-Nienhof/Kiel) verbesserte sich vom zwölften auf den neunten Platz.

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