vergrößernverkleinern
Oksana Chusovitina startet erst seit 2006 für Deutschland © getty

"Turn-Oma" Oksana Chusovitina stiehlt Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen die Show und holt überraschend Silber im Sprung.

Peking - Keine Medaille, aber auch keine Schmerzen mehr - der vierte Platz am Boden war für Fabian Hambüchen eine wichtige Etappe auf dem Weg zum ersehnten Olympiasieg an seinem "Königsgerät" Reck am Dienstag.

Die Erleichterung beim Weltmeister war deutlich spürbar: "Ich bin gut durchgekommen, der Finger tut nicht mehr weh", sagte der 20-Jährige mit lauter und fester Stimme.

Hambüchen stellte erleichtert fest, dass die Kapselverletzung am kleinen Finger der linken Hand scheinbar deutlich abgeklungen ist. Wenige Minuten konnte er sogar mit Rang drei liebäugeln, ehe der Spanier Gervasio Deferr noch an ihm vorbeizog.

Chusovitina holt Silber

In den Schatten gestellt wurde Deutschlands "Sportler des Jahres" aber von Oksana Chusovitina.

Während Hambüchen noch bei der Dopingkontrolle saß, sprang sich die Europameisterin in die Herzen von 18.000 Zuschauern im Pekinger National Indoor Stadium und holte Silber beim Sprung.

Die fünfmalige Olympiateilnehmerin riskierte beim zweiten Versuch erstmals ihren doppelten Tsukahara und wurde für dieses Risiko belohnt. "Drei Jahre hat Oksana daran gearbeitet, ich gönne es ihr so sehr", meinte ihre Heimtrainerin Shanna Poljakowa.

"Weltrekord" durch die "Turn-Oma"

Als IOC-Mitglied Sergej Bubka seiner einstigen Teamkollegin die Medaille überreichte und lange die Hand drückte, war das große Glück für die 1,53 m kleine Chusovitina perfekt.

Die 33 Jahre alte "Turn-Oma" stellte mit ihrem Triumph als älteste olympische Medaillengewinnerin im Turnen nicht nur einen "Weltrekord" auf, sondern ließ auch die Stabhochsprung-Legende staunend zurück.

Vor 16 Jahren in Barcelona standen die beiden Athleten noch gemeinsam im Olympiateam der GUS.

Medaille für den Sohn

Die Medaille widmete die Wahl-Kölnerin ihrem Sohn Alisher, der zu Hause vor dem Fernseher mitgefiebert hatte. "Sie gehört ihm ganz allein", sagte die "Queen Mum" des deutschen Turnens.

Der acht Jahre alte Sprössling war vor sechs Jahren an Leukämie erkrankt, konnte diese schwere Krankheit inzwischen aber überwinden.

"Im Kopf zehn Jahre jünger"

Beschwingt von ihrem Erfolg kokettierte die sonst so zurückhaltende Chusovitina mit ihrem für Turnverhältnisse fast biblischen Alter.

"Im Kopf bin ich zehn Jahre jünger und wenn andere Sportler mit 41 Jahren noch Medaillen gewinnen, kann ich ja noch zweimal an Olympischen Spielen teilnehmen."

Sie spielte damit auf die US-Schwimmerin Dara Torres an, die wenige Stunden zuvor über 50 Meter Freistil hinter der Berlinerin Britta Steffen Rang zwei belegt hatte.

Hambüchen zuversichtlich

So lange wird Hambüchen sicher nicht turnen, dafür waren die Blicke des deutschen Meisters schon auf den Dienstag gerichtet, wo er am Barren und anschließend vor allem am Reck seine erste olympische Medaille gewinnen möchte.

"Im Training läuft es gut, da bin ich gut drauf", erklärte der Hesse, bei dem dann auch wieder Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen am Gerät stehen wird.

Diesmal wurde der grippegeschwächte Coach von Bundestrainer Andreas Hirsch vertreten.

Chinesen dominieren

Das begeisterte Publikum erlebte dabei eine Fortsetzung der chinesischen Turnfestspiele.

Am Boden siegte Mannschafts-Olympiasieger Zou Kai, sein Teamkollege Xiao Qin triumphierte am Seitpferd.

Auch die Goldmedaille beim Sprung blieb in Asien, Siegerin wurde Hong Un Jong aus Nordkorea. Am Boden setzte sich die Rumänin Sandra Izbasa durch.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel