vergrößern verkleinern
Vier Jahre nach Gold in Barcelona holte Maik Bullmann Bronze bei den Spielen in Atlanta © imago

Für Maik Bullmann ist das Olympia-Aus unerklärlich. Bei SPORT1 spricht er über die Folgen und sagt Widerstand voraus.

Von Christoph Lother

München - Maik Bullmann ist der letzte Olympiasieger des Deutschen Ringerbundes.

Bis heute, vielleicht aber auch für immer.

Die Nachricht, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Ringsport aus seinem Programm für die Spiele 2020 streichen möchte (Bericht), traf den Gold-Helden von Barcelona 1992 wie ein Faustschlag.

Der dreimalige Weltmeister und aktuelle Griechisch-römisch-Bundestrainer der Junioren weilt derzeit bei einem Trainingslehrgang in Polen. Doch die Zukunft des Traditionssports steht mehr denn je auf der Kippe.

Im SPORT1-Interview spricht Bullmann über die möglichen Folgen des IOC-Beschlusses - und sagt Widerstand voraus.

SPORT1: Herr Bullmann, wie haben Sie die Hiobsbotschaft vernommen und wie war Ihre erste Reaktion?

Maik Bullmann: Das Telefon stand zunächst nicht mehr still, das können Sie sich ja vorstellen. Ich kann es noch gar nicht so richtig glauben, so ein Schock ist das. Es gab im Vorfeld ja auch überhaupt keine Anzeichen für eine solche Entscheidung und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie es dazu kommen konnte.

SPORT1: Wie haben Ihre Junioren-Nationalringer reagiert, als Sie Ihnen diese Nachricht übermittelt haben?

Bullmann: Ich habe es ihnen nach dem Training gesagt und sie waren auch alle geschockt. Aber es bringt nichts, sich jetzt die Köpfe heiß zu reden. Wir müssen erstmal abwarten, was passiert.

SPORT1: Was muss ein junger, ambitionierter Ringer denken, wenn er so etwas hört? Muss der sich etwa einen neuen Sport suchen, weil es seinen in ein paar Jahren nicht mehr gibt?

Bullmann: Schwer zu sagen. Natürlich fragen die sich, wie es weitergeht. Aber es geht ja nicht nur um die Athleten selbst, sondern um den ganzen Sport. Es geht um etliche Personen und Existenzen und zwar weltweit.

SPORT1: Haben Sie auch schon darüber nachgedacht, was das für Sie persönlich für Konsequenzen haben könnte?

Bullmann: Natürlich habe ich da schon dran gedacht, aber in erster Linie geht es um die Sportart, mit der ich groß geworden bin und mit der ich sehr viel Herzblut verbinde.

SPORT1: Das IOC zieht bei der Überprüfung der Olympia-Tauglichkeit von Sporarten mehrere Kriterien heran wie etwa die TV-Quoten, den Ticket-Verkauf oder das Engagement im Anti-Doping-Kampf. Was könnte den entscheidenden Ausschlag gegen die Sportart Ringen gegeben haben?

Bullmann: Normalerweise sind die Hallen bei Olympia voll und die Stimmung ist auch gut. An der Medaillenvergabe sind unglaublich viele Nationen beteiligt. Da gibt es sicherlich andere Sportarten, die die Kriterien weitaus weniger erfüllen. Ohne dem Modernen Fünfkampf zu nahe treten zu wollen, aber dass dort mehr Zuschauer sein sollen als beim Ringen, wage ich stark zu bezweifeln. Allerdings geht es hier auch nicht um die Frage, ob wir oder die. Generell ist es eine Katastrophe.

SPORT1: Und wie sieht es mit dem Anti-Doping-Kampf aus? Wurde da zuletzt etwas versäumt?

Bullmann: Also das kein eigentlich auch nicht der Grund sein, denn im Ringen passiert doch nur sehr, sehr wenig an Doping.

SPORT1: Wie schätzen Sie die Folgen der IOC-Entscheidung ein?

Bullmann: Sollte es wirklich zu diesem Ausschluss kommen, ist das so etwas wie ein Todesurteil. Aber das Ringen ist ja eine weit verbreitete Sportart und es gibt viele erfolgreiche Nationen, die mit Sicherheit nicht tatenlos zusehen wollen, wie das Ringen aus dem Programm genommen wird.

SPORT1: Im Mai bietet sich Ihrem Sport noch mal die Gelegenheit, sich für Olympia zu präsentieren. Sehen Sie eine realistische Chance, dass das Ringen dem Programm doch erhalten bleibt?

Bullmann: Also bislang ist es ja nur ein Vorschlag, noch ist der Ausschluss nicht bestätigt. Aber ich kenne mich in diesem Prozedere nicht gut genug aus.

SPORT1: Im deutschen Lager sind alle geschockt. Wie sieht es wohl in anderen - im Ringen erfolgreicheren - Nationen wie zum Beispiel Russland, Aserbaidschan oder der Türkei aus?

Bullmann: Es gibt natürlich Nationen, in denen es fast nur Ringen gibt und dieser Sport auch wirtschaftlich eine ganz andere Bedeutung hat. Da bricht natürlich eine Welt zusammen.