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Vertrautes Bild: Marta (l.) scheitert an Nadine Angerer © imago

Im Halbfinale gegen Brasilien setzen die deutschen Weltmeisterinnen darauf, dass die Zu-Null-Serie von Torfrau Angerer anhält.

Von Jessica Pulter

München/Shanghai - Wenn die deutschen Fußball-Weltmeisterinnen am Montag im Halbfinale der Olympischen Spiele auf Vizeweltmeister Brasilien treffen (ab 12 Uhr LIVE), will Rekord-Torfrau Nadine Angerer zum dritten Mal in Folge gegen die "Selecao Feminina" ohne Gegentreffer bleiben.

Beim letzten Aufeinandertreffen, dem 0:0 in der Vorrunde vor rund zwei Wochen, trieb Angerer speziell Weltfußballerin Marta mit mehreren Glanzparaden zur Verzweiflung.

Und auch bei der Weltmeisterschaft vor einem Jahr scheiterten die Frauen vom Zuckerhut im Finale ein ums andere Mal an der 29-Jährigen Torfrau. Unter anderem hielt sie damals einen Elfmeter gegen eben jene Marta.

"Ich habe sehr schöne Erinnerungen an das WM-Finale im vergangenen Jahr", sagt Angerer daher im Gespräch mit Sport1.de.

Insgesamt kassierte die "Unbezwingbare" (DFB-Präsident Theo Zwanziger) bei der WM in sechs Spielen kein Gegentor und stellte damit einen neuen Rekord auf. Und auch bei den Sommerspielen ist die Schweden-Legionärin schon seit 390 olympischen Turnierminuten unbezwungen, auch das ein Rekord.

Im Interview mit Sport1.de blickt Angerer auf die schwierige Viertelfinalpartie gegen Schweden zurück, äußert sich zu ihren Gegentor-Rekorden und spricht über das erneute Aufeinandertreffen mit den Brasilianerinnen.

Sport1: Gegen die Schwedinnen musste die deutsche Mannschaft den Umweg über die Verlängerung gehen. War es für Sie das erwartet schwere Spiel?

Nadine Angerer: Ja, natürlich. Dadurch, dass ich bei Djurgarden IF in der schwedischen Liga spiele, kenne ich die Spielerinnen sehr gut. In der dortigen Liga wird durchweg sehr professionell gearbeitet. Nicht von ungefähr zählt deren Nationalmannschaft seit jeher zur Weltspitze. Und das hat das Team im Viertelfinale gegen uns wieder bewiesen. Das war ein ganz schweres Spiel gegen den erwartet starken Gegner.

Sport1: Nach dem Halbfinale siedeln Sie ins Olympische Dorf über. Beginnt für die Mannschaft Olympia dann erst richtig?

Angerer: Leider sind wir noch nicht im Olympischen Dorf. Wir müssen unser Halbfinale in Shanghai austragen. Nach Peking kommen wir dann erst am Dienstag. Mittwoch sind wir dann den ganzen Tag dort. Am Donnerstag finden das Finale und das Spiel um den dritten Platz statt. Und am Freitag reisen wir schon wieder nach Hause. Ich finde es sehr bedauerlich, dass wir nicht länger im Olympischen Dorf sein können und nicht mehr von den Spielen mitbekommen. Das, was wir in den Spielorten Shenyang, Tianjin oder Shanghai erlebt haben, war nicht Olympia.

Sport1: In den Medien wird gerne über Rekorde und Zahlen geredet. Sie haben erneut einen Rekord aufgestellt mit 390 Minuten bei Olympia ohne Gegentor. Wie sehr messen Sie sich selbst an solchen Zahlen? Spornt das an oder ist das ein zusätzlicher Druck?

Angerer: Ich weiß, dass Statistiken etwas sehr Plakatives sind, weswegen sie gerade in den Medien gerne zitiert werden. Für mich sind sie aber nicht so wichtig. Zum einen müssen sie nicht immer aussagekräftig sein. Es kann ja auch Spiele geben, in denen eine Torfrau drei Treffer fängt aber zehn Unhaltbare abwehrt, das ist für mich dann trotzdem eine sehr gute Leistung. Außerdem sehe ich mich als Mannschaftsspielerin. Ich will gewinnen und nicht persönliche Rekorde aufstellen.

Sport1: Bedeutet es Ihnen gar nichts?

Angerer: Ich ziehe einen 5:4-Sieg einem 0:0 vor. Insofern lasse ich mich von solchen Zahlen nicht unter Druck setzen. Mehr als nette Nebenerscheinung sind das nicht, was zählt, ist etwas anderes.

Sport1: Der nächste Gegner heißt wieder einmal Brasilien. Ein Remis wie in der Vorrunde wird es nicht geben. Was muss die Mannschaft im Vergleich zum Olympia-Auftakt ändern, um als Sieger vom Platz zu gehen?

Angerer: Auf die Frage gibt es keine einfache Antwort. Die Chancen stehen 50:50. Der Tagesform wird eine entscheidende Rolle beikommen. Der Sieger wird auch ein Quäntchen Glück benötigen. Was uns betrifft, so standen wir in der Abwehr bisher gut und im Angriff konnten wir uns zuletzt steigern. Ich hoffe, wir können noch eine Schippe drauflegen.

Sport1: Im WM-Finale haben Sie die DFB-Auswahl mit ihrer starken Leistung gegen die Südamerikanerinnen im Spiel gehalten. Erinnert man sich an solche Partien, um daraus Kraft und Motivation zu schöpfen?

Angerer: Nein, Selbstvertrauen entwickelt man nicht durch die Leistung in einem Spiel. So etwas baut sich auf. Dessen ungeachtet habe ich aber sehr schöne Erinnerungen an das WM-Finale im vergangenen Jahr.

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