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Roger Federer (l.) und Stanislas Wawrinka schlugen im Finale Johansson/Aspelin © imago

Roger Federer ist außer sich vor Freude über Gold im Doppel. Jetzt träumt er vom Davis-Cup-Sieg mit Wawrinka und der Schweiz.

Peking - "Fantastisch, ein Traum, unbeschreiblich, unglaublich, irreal" - Roger Federer hatte Mühe, seine Gefühle in Worte zu fassen.

Der Superstar freute sich wie ein Kind über einen Siegerpreis von vergleichsweise geringem materiellen, aber emotional unschätzbaren Wert: Olympiagold!

"Das passiert einem wahrscheinlich nur einmal im Leben", erklärte der zwölfmalige Grand-Slam-Champion, "ab jetzt wird gefeiert."

An der Seite seines Landsmanns Stanislas Wawrinka ist Roger Federer bei seinen dritten Spielen doch noch Olympiasieger geworden.

Federer muss schlucken

Mit 6:3, 6:4, 6:7 (4:7), 6:3 bezwangen die Eidgenossen am Samstag die Schweden Thomas Johansson/Simon Aspelin.

Als die Schweizer Fahne bei der Siegerehrung hochgezogen und der Schweizer Psalm "Trittst im Morgenrot daher" gespielt wurde, da musste der Multimillionär und langjährige Weltranglistenerste oben auf dem Siegertreppchen sichtlich schlucken.

Trost für das harte Jahr?

Ein Trost für das harte Jahr auf der Tour? Für den Verlust der Nummer eins nach über viereinhalb Jahren am Montag? Die bitteren Niederlagen gegen Rafael Nadal in Paris und Wimbledon?

"Dies ist etwas völlig anderes, es ist einzigartig", sagte der 27-jährige Federer, der bei der Eröffnungsfeier bereits voller Stolz die Schweizer Fahne ins Olympiastadion getragen hatte.

"Seit Marc Rosset 1992 für die Schweiz Olympiasieger wurde, habe ich tief in mir gehofft, das auch einmal zu erreichen", sagte Federer.

Ein völlig anderer Mensch

Bei seinen Doppelmatches in Peking wurde der coole Roger zu einem völlig anderen Menschen. Emotionen nach wichtigen Punkten, kleine Sprünge, Abklatschen mit Wawrinka, "Come On!"-Rufe nach einem Winner.

Wer ist dieser Irrwisch da auf dem Platz, der sich eben mal nicht so kontrollierte wie der allen bekannte fünfmalige Wimbledon-Champion?

"Leute, die mich kennen, wissen, dass ich aus mir herausgehen kann und offen bin", erklärte er: "Es macht auch viel mehr Spaß, den Triumph mit jemandem zu teilen, den man gut versteht und gerne mag."

"Haben etwas aufgebaut"

Gemeinsam mit dem 23-jährigen Wawrinka hatte Federer vor einem Jahr beschlossen, im Doppel anzutreten.

Federer spielt auf der Tour normalerweise nicht in diesem Wettbewerb ("Die Belastung ist zu groß, wenn man Ziele im Einzel hat"), bei Olympia aber ist das anders.

"Wir haben es in den letzten zwei Wochen geschafft, etwas aufzubauen, wir haben gezeigt, dass wir sehr gut Doppel spielen können."

Davis-Cup-Träume

Schon blühen in der Schweiz die Davis-Cup-Träume. Federer ist die Last los, ständig seine Position verteidigen zu müssen, beweisen muss er nichts mehr.

Er kann sich etwas Spaß leisten, und Teamspiel ist Spaß, das hat er in Peking wieder erfahren.

"Mit mir und Stan haben wir eine so große Chance wie nie, den Cup zu gewinnen", sagte Federer, "ich werde auf jeden Fall 2009 in der ersten Runde spielen, nachdem wir hoffentlich in der Relegation Belgien geschlagen haben."

"Wir brauchen nur Getränke"

Im "House of Switzerland" in der chinesischen Hauptstadt wurde anschließend in den Sonntag hineingefeiert und das Olympiafeeling genossen so intensiv es ging.

"Wir brauchen kein Bett, sondern nur Getränke, einen Stuhl und eine gute Atmosphäre", kündigte Federer an.

Dann hieß es aber auch schon wieder Sachen packen, der unerbittliche Job ruft. Noch am Sonntag sollte es im Privatjet nach New York gehen, wo in einer Woche die US Open beginnen.

Im Gepäck eine kleine goldene Medaille und unvergleichliche Erinnerungen.

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