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Moculescu beendet nach den Olympischen Spielen sein Engagement als Nationaltrainer © imago

Die deutschen Volleyballer sind nach der Niederlage gegen Brasilien ausgeschieden. Serbien Sieg über Ägypten besiegelte das Aus.

Peking - Als der Abschied vom ersten Olympiaturnier seit 36 Jahren und von Bundestrainer Stelian Moculescu feststand, fielen im deutschen Volleyballteam die Fassaden.

Verbandschef Werner von Moltke und Zuspieler Frank Dehne kritisierten nach dem 0:3 (22:25, 21:25, 23:25) gegen Brasilien den scheidenden Chefcoach, der mit wenig Unterstützung für sein Team, aber mit einer langen Umarmung mit Olympiasieger-Coach Bernardo Rezende von der großen Bühne abtrat.

"Wir hätten uns diese große Chance für den Volleyball in Deutschland bei Olympia niemals entgehen lassen dürfen. Die Jungs hatten auch deshalb keinen Erfolg, weil die Harmonie zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr gestimmt hat", sagte von Moltke.

Mit dem Vorrunden-Aus und Platz neun war zuvor das Ziel Viertelfinale verfehlt worden. "Moculescu hat riesige Verdienste, aber zuletzt habe ich die Führung für die Mannschaft vermisst", so von Moltke.

Höhepunkt kleiner Streitigkeiten

Dehne kritisierte mit hochrotem Kopf, dass der "Trainer die Mannschaft schon vor dem entscheidenden Spiel abgeschrieben" habe.

Es war der Höhepunkt einer Serie kleiner Streitigkeiten zwischen Trainer, Spielern und Verband, die Peking auch abseits des Courts zu einem Misserfolg machten.

Nur ein Sieg bei vier Niederlagen

Am Ende der neunjährigen Ära Moculescu standen vier Niederlagen im Olympiaturnier gegen Brasilien, Vizeweltmeister Polen (0:3), Vizeeuropameister Russland (2:3 trotz Matchball) und den EM-Dritten Serbien (1:3) bei nur einem Sieg gegen Ägypten (3: 0).

Der scheidende Chefcoach attestierte seiner Mannschaft bei Olympia "sehr gut, aber nicht überragend" gespielt zu haben: "Wir haben in entscheidenden Situationen wie hier gegen Brasilien einfach zu fickrig gespielt und zu viele Fehler gemacht."

Frust bei Moculescu

In seinem letzten Spiel als Bundestrainer warf Moculescu nach einem der zahllosen Fehler in Aufschlag und Annahme einmal sogar seine Deutschland-Jacke vor Frust aufs Parkett.

Deutschland hatte seine Chance gegen das Team um Weltstar Giba, aber wie in jedem Spiel in Peking folgten Weltklasse-Aktionen des erneut besten Punktesammlers Jochen Schöps (17) Patzer wie in der Kreisklasse. "Wir haben das Potenzial für die Weltspitze, aber momentan sind wir einfach nicht besser", kommentierte Routinier Stefan Hübner.

Eigenlob und feuchte Augen

Moculescu, Titelhamster beim VfB Friedrichshafen, lobte zum Abschied nochmal seine Verdienste: "Es war ein harter Kampf, die Mannschaft dahin zu bringen, wo sie jetzt ist. Und wenn ich die feuchten Augen der Jungs bei der Olympia-Eröffnungsfeier gesehen habe, dann haben sich die neun Jahre gelohnt."

Einen schöneren Abschied als mit einem Duell gegen Olympiasieger und Weltmeister Brasilien könne er sich nicht wünschen.

Nach dem Vorrunden-Aus bei Olympia sei "der Druck auf meinen Nachfolger nicht zu groß".

"Anfragen von großen Namen"

Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) will möglichst schon im September den vakanten Posten neu besetzen. Das Team wird bis auf den 38-jährigen Ralph Bergmann zusammenbleiben und soll im nächsten Jahr in die Weltliga zurückkehren.

"Wir haben Anfragen von internationalen Trainern mit großen Namen, die sogar für weniger Geld das deutsche Team trainieren würden", sagte Verbandschef Werner von Moltke: "Der neue Trainer soll neue Hoffnung geben." Es war der Schlussakkord nach einem Turnier der großen Hoffnungen, das mit einer bitteren Enttäuschung endete.

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