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Netzathlet Stefan Pfannmöller auf Bronzefahrt in Athen 2004 © getty

Stefan Pfannmöller staunt in Peking über Usain Bolt und die Taxipreise. In einem Elektromarkt erlebt er Chinas Nationalstolz.

Taxifahren in Peking ist günstiger als Bahnfahren. Und Taxifahren ist reine Nervensache.

Regeln sind hier eher Empfehlungen. Man wechselt erst die Spur und schaut danach, ob frei war. Auch nicht jeder Taxifahrer kennt den richtigen Weg.

Außerdem ist eine Kommunikation auf Englisch ausgeschlossen, ohne eine Karte oder einen Zettel (meist von der Rezeption des Hotels) kommt man nirgends wohin.

Mittlerweile habe ich einen Zettel auf dem alle Orte auf Chinesisch draufstehen zu denen ich muss. Ach ja das war ja noch was: der Preis!

"Do you like Beijing?"

Taxifahren kostet nichts. Taxifahren ist billiger als bei uns mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Eine Stunde Fahrt kostet ungefähr zehn Euro. Da macht das Taxifahren dann doch wieder Spaß. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich in einem Elektronik Markt.

Die Verkäuferin versuchte auf Biegen und Brechen ein Gespräch mit mir zu führen, obwohl sie kaum ein Wort Englisch sprach. Ich versuchte ihr zu erklären, wo ich herkomme, aber mit "Germany" und "Europe" kam ich nicht weit.

Sie stellte mir schließlich die alles entscheidende Frage "Do you like Beijing?" Ich antwortete nicht nur aus Höflichkeit mit "ja". Daraufhin war die Verkäuferin so was von happy und stolz, das hatte ich zuvor nicht erlebt. Sie gestikulierte ein Victory-Zeichen und sprang förmlich hin und her.

China verkauft sich erstklassig

Die Chinesen sind wahnsinnig stolz auf Peking und China. Das ist etwas, was wir uns von den Chinesen abschauen können.

Natürlich ist auch klar, dass ich hier als "Tourist" bin und nur das mitbekomme, was ich auch mitbekommen soll. Beispielsweise ist hier jede Baustelle von Zäunen mit Olympia-Postern umstellt, um ein besseres Bild abzugeben. Jeder Fleck braune Erde ist mit grünen Netzen bedeckt. Man kann keine 50 Meter gehen, ohne einem Volunteer zu begegnen.

China verkauft sich erstklassig. China macht einen sehr guten Eindruck, wenn man sich an den richtigen Stellen aufhält und nichts macht, was man nicht tun sollte. Die Rechnung der Chinesen scheint aufzugehen!

Nervöser als vor vier Jahren

Der Dienstag war ein ganz besonderer Tag. Vier Jahre lang war ich nun amtierender Olympia-Dritter und jetzt wird die Ablösung kommen. Im Taxi zur Kanustrecke kommen die Erinnerungen an die Olympischen Spiele 2004 mit all den schönen Erinnerungen an das Rennen, die Siegerehrung und die Partys danach.

Jetzt ist es soweit. Das Finale beginnt und ich habe das Gefühl selber am Start zu stehen und wieder um eine Medaille kämpfen zu können.

Ich bin nervöser als ich es vor 4 Jahren war. Ich erlebe ein spannendes Rennen und ein paar Überraschungen, weil der amtierende Olympiasieger Tony Estanguet aus Frankreich das Finale erreicht. Sein Konkurrent und amtierender Silbermedaillengewinner Michael Martikan aus der Slowakei gewinnt überlegen Gold.

Der sympathische Australier

"Meinen Platz" nimmt Robin Bell aus Australien ein. 2004 musste er sich noch mit Platz vier zufrieden geben, doch jetzt hat er die langersehnte Medaille endlich gewinnen können.

Hätte ich es mir aussuchen können, wer meine Medaille gewinnen soll, dann wäre die Wahl wohl auch auf Robin, den sympathischen Australier, gefallen. So schlimm war es also gar nicht für mich, im Gegenteil, ich gönne es Robin von Herzen!

Bolt - nicht zu glauben!

Wir stehen gemeinsam mit Sportlern und Journalisten vorm TV im Deutschen Haus und warten gespannt auf den Startschuss im 100 Meter Finale der Herren.

Gleich ist es soweit, alle warten gespannt darauf, wer der schnellste Mann der Welt ist. Unter vorgehaltener Hand fallen so Sprüche wie "von denen ist keiner Sauber".

In meiner Sportart ist Doping kein Thema, weil kein Geld zu holen ist, deswegen denkt man das irgendwie auch immer von den anderen Sportlern.

Aber was dann nach dem Startschuss passiert ist, ist bekannt. Bolt deklassiert die Konkurrenz. Wie ist das aber möglich bei dieser Leistungsdichte im 100 Meter Rennen der Herren? Eigentlich gar nicht.

Ich bin gespannt was mich noch erwartet? Euer Stefan

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Stefan Kretzschmar, Jens Kruppa und Stefan Pfannmoeller, drei amtierende Olympiamedaillengewinner, berichten bei Sport1.de über die Olympischen Spiele - ganz nah am Sportler. Mehr auf www.netzathleten.de ? netzathleten.de ist das Sportler-Netzwerk Nr.1 in Europa.

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