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Timo Boll unterlag gegen China im Einzel und im Doppel © getty

Erstes Silber bei Olympia seit 16 Jahren: Im Tischtennis-Teamwettbewerb verpasst die deutsche Mannschaft gegen China die Sensation.

Peking - Timo Boll und Co. haben in der Höhle des Löwen die Gold-Sensation gegen China klar verpasst, gingen aber nach dem größten Olympia-Erfolg seit 16 Jahren erhobenen Hauptes aus der tobenden Halle.

Bei der Final-Premiere des Teamwettbewerbs verloren die deutschen Tischtennis-Asse gegen die Favoriten aus dem Reich der Mitte 0:3, jubelten dennoch über ihre Silbermedaille.

Zuletzt waren Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner 1992 Olympiazweite, Roßkopf holte zudem in Atlanta 1996 Bronze im Einzel. Team-Bronze gewann Vizeweltmeister Südkorea durch ein 3:1 gegen Österreich.

"Wir dachten, China wäre nervös. Doch sie waren sehr gut auf uns vorbereitet und haben losgelegt wie die Feuerwehr. Dennoch haben wir seit Ewigkeiten wieder eine Medaille gewonnen und stehen nach einem Superturnier auf dem Podest", sagte Boll, der gegen den Weltranglistenzweiten Ma Lin einen von zwei Sätzen für Deutschland gewann, doch das Schlüsselspiel des hochklassigen Finals verlor.

"China war das bessere Team"

Bundestrainer Richard Prause bekannte: "China war das bessere Team. Wir haben versucht, die Schwachpunkte zu finden, aber die gab es einfach nicht."

Bolls Teamkollege Dimitrij Ovtcharov hatte vor 8000 frenetischen Fans, die auf dem Schwarzmarkt bis zu 1000 Euro für eine Eintrittskarte gezahlt hatten, und etwa 400 Millionen TV-Zuschauern gegen den Athen-Olympiazweiten Wang Hao zuvor keine Chance. Der Jungstar verlor in knapp zwölf Minuten 0:3.

Auch das Europameister-Doppel Boll und Christian Süß war gegen Wang Hao und Weltmeister Wang Liqin in der "unbeschreiblichen Atmosphäre" (Süß) der ausverkauften Universitätssporthalle nicht gut genug. Das Duo gewann zwar den ersten Satz, doch am Ende wurde Chinas Team als verdienter Olympiasieger gefeiert.

Übertragung aus dem "Feindeslager"

Auf der Ehrentribüne jubelte Chinas Staatspräsident Hu Jintao gewohnt verhalten, während der Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), Thomas Weikert, sich eigens eine Deutschland-Fahne ins Gesicht gemalt hatte und seine Jungs feierte.

Das chinesische Staatsfernsehen CCTV hatte sogar ein Kamerateam in die DTTB-Zentrale nach Frankfurt geschickt, um aus dem "Feindeslager" zu übertragen.

Ovtcharov begann das Auftaktmatch gegen den Weltranglisten Wang Hao sehr nervös und gab den ersten Satz in nur zweieinhalb Minuten ab.

Die mitgereisten Fans bauten den 19-Jährigen mit "Deutschland, Deutschland"-Rufen auf, wurden aber in dem Hexenkessel schnell vom "Auf geht's China" der Einheimischen übertönt. Der EM-Dritte spielte schließlich erst im dritten Durchgang befreiter, doch Chinas Top-Spieler war eine Nummer zu groß für den Shooting-Star.

Daumendrücken half nicht

Boll machte gegen Ma Lin mit Abstand den stärksten Eindruck des deutschen Trios und holte vor allem seine Punkte, wenn er aggressiv aufspielte.

Vater Wolfgang Boll nahm im heimischen Odenwald extra einen Tag Urlaub und fieberte vor dem Großbildschirm mit seinem Sohn mit, doch auch das kräftigste Daumendrücken half am Ende nicht.

Auch im Doppel mit Süß konnte der Weltranglistensechste einfach nicht mit dem Tempo der Chinesen mithalten.

Ovtcharov bekannte, dass die Chinesen alle am Limit gespielt hätten und sie selbst eben nicht. Doch der gebürtige Ukrainer steckt dennoch nicht auf: "In vier Jahren greifen wir wieder an."

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