Handball-Weltmeister und Fußball-Königinnen scheitern im Irrglauben an die eigene Stärke. Andere setzten die Maßstäbe zu niedrig.

Ein unglückliches Zusammentreffen? An einem Tag scheiterten Deutschlands auf Gold programmierte Fußballerinnen, die Handball-Weltmeister, die hoffnungsfrohen Wasserballer, das letzte Beachvolleyball-Duo.

Die Volleyballer waren schon zuvor ebenso sang- und klanglos ausgeschieden wie die Basketballer, vervollständigten das Bild aber mit ihrer jeweils vierten Pleite im fünften Spiel.

Das gehäufte Scheitern hat indes auch sein Gutes. Es wirft die Frage nach den Ursachen auf. An einem Tag ohne olympisches Gold für einen deutschen Athleten steht diese Frage umso dringlicher auf der Agenda.

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Da wären zum einen die, die ihr Selbstbewusstsein auf ihre vergangenen Erfolge und dem Festhalten am Altbewährten stützten - und dann jäh stürzten. Die völlig indisponierten Handballer zum Beispiel, die ihr Verletzungspech diesmal nicht in den Griff bekamen und ihre "Mission Gold" mangels klarer Kaderstruktur abbrechen mussten.

Die Beachvolleyballer, die hier und da Weltserien- oder EM-Siege holten, aber an Überraschungserfolge aus Athen oder Sydney nicht anknüpften. Oder die Fußballerinnen, die sich mit haarsträubenden Fehlern um den Finaleinzug brachten - wohl im Glauben daran, dass ihre Torfrau unbezwingbar und das Glück deutsch sei.

Genauso enttäuschend aber ist das Auftreten derer, für die das Dabeisein offenbar alles war. Bei den Basketballern und Volleyballern war der Jubel über die Qualifikation riesig, doch erst in Peking schauten Millionen auf sie, hier hätten sie Geschichte schreiben können.

Beiden stand das Tor zum Viertelfinale offen, auch wenn sie die Konkurrenz bereits im Vorfeld hochstilisierten. Ein Dirk Nowitzki war dem entgegen getreten und hatte sich selbst gegen die USA etwas ausgerechnet. Geholfen hat es nichts.

Bleibt nur die Hoffnung, dass sich wenigstens die Hockeyteams weiterhin bewusst sind, dass es den Fans vor allem darauf ankommt, wie man dabei ist. Schließlich bereiten sich alle Mannschaften wochenlang darauf vor, bei Olympia ihr Bestes abzuliefern.

Und da darf der deutsche Anspruch gern höher sein, als einmal beim weltgrößten Sportfest gegen die Besten angetreten zu sein.

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