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Jan Frodeno gewann nach 1:48:53,28 Stunden den Triathlon © getty

Jan Frodeno fightet ein Trio in einem packenden Schlussspurt nieder und gewinnt völlig überraschend Triathlon-Gold.

Von Marcel Grzanna

Peking - Jan Frodeno hat es sich leicht gemacht: nach Peking kommen und Triathlon-Olympiasieger werden.

Danach wird man sehen. So einfach geht das. "Meine Lebensplanung reichte genau bis zu diesem Wettkampf. Ich hatte überhaupt keinen Plan B in der Hinterhand. Es musste funktionieren. Sieg oder Sibirien", sagte der 27-Jährige.

Sibirien bleibt ihm erspart. Stattdessen wird er künftig vom Olymp aus auf die Welt hinunter blicken; eine interessante Perspektive nach den Jahren des Schattendaseins.

Nicht auf der Rechnung

Auf der Rechnung der Experten war er vor dem Rennen nicht mehr als eine Fußnote.

Und dann überraschte Frodeno die versammelte Weltelite, die es sich gefallen lassen musste, dass der baumlange BWL-Student ihnen auf der Zielgeraden die Sporen zeigte.

"Die letzte Gruppe bestand nur noch aus den richtig großen Jungs. Ich habe aber nicht auf deren Namen geschaut, sondern mich ganz allein auf mich konzentriert", sagte Frodeno.

Favoriten schwächeln

Die ganz großen Jungs hießen Javier Gomez, der als Topfavorit galt. Der Spanier gewann in diesem Jahr WM-Gold und vier Weltcups.

In den letzten 16 Rennen schaffte er nur einmal nicht den Sprung auf das Treppchen. Ausgerechnet der war der Erste, dem im Sprint auf den letzten 200 Metern die Kräfte ausgingen und Edelmetall verpasste.

Ex-Weltmeister Bevan Docherty aus Neuseeland hatte Silber in Athen gewonnen und strauchelte als nächster, bis auf den letzten 70 Metern nur noch der kanadische Olympiasieger von 2000, Simon Whitfield, und Frodeno übrig geblieben waren.

Whitfield hatte den Sprint angezogen und musste dann mit ansehen, wie der Deutsche ihn in Grund und Boden lief und damit künftig selbst zu den "großen Jungs" zählen wird.

"Grubenlampe gegen Dunkelheit"

In dieser Liga befindet sich schon etwas länger der Ravensburger Daniel Unger, der im vergangenen Jahr Weltmeister wurde und als Mitfavorit galt.

Er wurde am Ende guter Sechster und schaute sich in Rennmontur neben seiner Freundin von der Zuschauertribüne die Siegerehrung mit Frodeno auf der Großbildleinwand an.

"Daniel und ich sind super Kumpel. Ich habe ihm viel zu verdanken, weil ich viel von ihm gelernt habe", sagte Frodeno, der bis Dienstag in Ungers Schatten gestanden hat.

"Der Schatten war so lange, dass ich schon fast eine Grubenlampe gegen Dunkelheit gebraucht habe." Letztlich gingen beide ihren eigenen Weg. Und der von Frodeno war am Dienstag schneller.

Auf alles vorbereitet

Stundenlang habe er in den vergangenen Nächten wach gelegen, und 100, ach was, 1000 Rennszenarien kreiert, um auf alles vorbereitet zu sein.

Frodeno hatte sich fest vorgenommen, sein eigens Tempo zu gehen. Auf der Laufstrecke hat ihm diese Taktik wahrscheinlich Gold beschert.

Bei einer Tempoverschärfung der Spitzengruppe rund sieben Kilometer vor Schluss blieb Frodeno rund 30, 40 Meter zurück - und kam zurück.

"Wenn du einmal überdrehst, dann kannst du dich bei diesen Temperaturen nicht noch einmal erholen", sagte er. Es war die goldrichtige Entscheidung. Die Gruppe vorne ließ nach, und Frodeno schloss wieder auf. "Da wusste ich, dass heute alles möglich ist", sagte er.

Nur Wasser und Reis

Aufgewachsen ist der gebürtige Kölner in Südafrika, wo er 13 Jahre lang mit seinen Eltern gelebt hat und zur Schule ging. Erst 2004 kehrte er nach Deutschland zurück.

Zurzeit wohnt er mit der deutschen Triathletin Anja Dittmar und deren neuseeländischen Freund Kris Gemmel zusammen.

Zwei Monate vor den Spielen schottete sich Frodeno, den seine Freunde Frodo nennen, regelrecht ab. Er mietete sich ein Zimmer im Olympia-Leistungsstützpunkt Saarbrücken, legte eine Matratze auf den Boden und hängte sich eine Olympiaflagge an die Wand.

"Dann habe ich nur von Wasser und Reis gelebt", sagt er. Der asketische Lebensstil dürfte sich zumindest in den kommenden Tagen ändern.

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