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Timo Boll ist die Nummer sechs der Weltrangliste © getty

Timo Boll hat Silber und noch lange nicht genug. Im Einzelwettbewerb will der Tischtennis-Star den Chinesen ein Bein stellen.

Peking - Die erste goldene Sensation hat Timo Boll verpasst, nun startet der Dreifach-Europameister einen neuen Angriff auf die Tischtennis-Großmacht China. Beflügelt durch Silber im Teamwettbewerb, geht der Weltranglistensechste am Donnerstag ohne jeglichen Druck in die Einzel-Konkurrenz. Bereits im Viertelfinale wartet wohl Ma Lin als erster Chinese.

"Ich bin trotz Silber noch heiß auf das Einzel, muss aber gleich hundertprozentig da sein. An das Viertelfinale denke ich noch nicht, denn auch in den zwei Runden davor warten sehr unangenehme Gegner", sagt der Team-Olympiazweite.

Medaille ist verpackt

Die Plakette aus dem Mannschaftswettbewerb hat er gut und sicher verpackt. "Ich bin nämlich einer, der so was gerne mal verschlampt", verrät Boll mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Im Einzel trifft der EM-Champion bei normalem Verlauf erst auf Chiang Peng Lung aus Taiwan und schließlich im Achtelfinale auf den Südkoreaner Oh Sang Eun.

Revanche im Hinterkopf

Doch im Hinterkopf wird Boll schon die Revanche gegen den Weltranglistenzweiten Ma Lin haben, dem er im Mannschaftsfinale 1:3 unterlag.

"Druck noch größer"

Trotz dieser deutlichen Niederlage spricht Boll mit ungebrochenem Eifer darüber, wie die Chinesen zu schlagen sind.

"Im Einzel sind sie ganz allein auf sich gestellt. Da gibt es keinen, der in die Bresche springt. Der Druck wird so noch größer", meint der 27-Jährige.

Auf eine mögliche Nervenschwäche seines Gegners setzt Boll auch im möglichen Spiel gegen Ma Lin, will sich aber vor allem selbst weiter steigern: "Wenn ich eine Medaille gewinnen will, muss ich noch einen Tick zulegen."

Alles drin

Bundestrainer Richard Prause ist sicher, dass sein Starspieler das auf jeden Fall kann: "Timo hat gegen Ma Lin gezeigt, dass er etwas entgegenzusetzen hat. Das war ein taktisch ganz feines Spiel. Das war Hochgeschwindigkeitsschach, und wir haben zwei Großmeister gesehen."

Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig warnt davor, gleich an das erneute Duell China gegen Boll zu denken, betont aber auch, dass gegen die Chinesen alles drin sei.

Ovtcharov mit schwerer Auslosung

Von den einheimischen Stars wird schließlich im Reich der Mitte erwartet, dass sie alle Medaillen am Tisch gewinnen, das macht den Druck nicht kleiner. Die Finalniederlage Wang Haos im Olympia-Finale von Athen gegen den Koreaner Ryu Seung Min schmerzt die Chinesen noch heute.

Fast schon desaströs ist die Auslosung für Jungstar Dimitrij Ovtcharov, neben Boll der zweite gesetzte Deutsche. Der 19 Jahre alte EM-Dritte spielt zunächst gegen den schlagbaren Rumänen Adrian Crisan, doch schon im Achtelfinale wartet Olympiasieger Ryu.

Auf Süß wartet ein dreimaliger Europameister

Schlägt er diesen, bekommt Ovtcharov in der Runde der letzten Acht als "Belohnung" wohl ein weiteres Duell mit dem Weltranglistenersten Wang Hao. Im Teamfinale hatte er gegen den Einzel-Favoriten keine Chance.

Doppel-Spezialist Christian Süß steigt bereits eine Runde vorher in den Wettbewerb ein. Schlägt er dort den Ungarn Janos Jakab, wartet in der dritten Runde der dreimalige Europameister Wladimir Samsonow.

Der Weißrusse hat im Gegensatz zu Süß nicht schon den Mannschaftswettbewerb in den Knochen.

Warten auf das Trio

Unabhängig vom Abschneiden in den Einzeln wird das Trio in der Heimat feierlich empfangen werden. Bereits nach dem Gewinn der Silbermedaille gab es in Bolls Heimatort Höchst Hupkonzerte, rund um das Haus Süß fiebert in Ahlen eine ganze Straße mit den drei Startern.

Selbst die Besitzer von Bolls chinesischem Stammlokal haben die Flagge ihrer Heimat verschwinden lassen und schwenken stolz Schwarz-Rot-Gold.

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