vergrößernverkleinern
Isabell Werth verpasste ihre insgesamt sechste Goldmedaille © getty

Ein Patzer ihres Pferdes Satchmo kostet Isabell Werth die zweite Goldmedaille in Hongkong. Eine andere Deutsche jubelt.

Hongkong - Eine "Rodeo-Einlage" hat Isabell Werth die zweite Goldmedaille bei den olympischen Reiterspielen in Hongkong gekostet.

Sekundenlang bockte ihr 14 Jahre alter Wallach Satchmo in der Dressur-Kür und zerstörte alle Hoffnungen auf den Olympiasieg.

Gold sicherte sich Erzrivalin Anky van Grunsven aus den Niederlanden mit dem 14 Jahre alten Wallach Salinero. Für die 40-Jährige war es nach Sydney 2000 und Athen 2004 der dritte Einzel-Olympiasieg in Folge.

Bronze holte die überglückliche Heike Kemmer mit dem 15 Jahre alten Hannoveraner Bonaparte.

"Ich kann es mir nicht erklären"

Isabell Werth versuchte nach Satchmos Patzer die Fassung zu bewahren, die Enttäuschung war ihr allerdings deutlich anzumerken. "Schade, es war die beste Kür auf Satchmo. Aber nach so meinem Fehler ist das natürlich schon sehr enttäuschend", sagte die 39-Jährige.

Es war das zweite Mal, dass mit Satchmo in Hongkong die "Pferde durchgingen". Bereits zum Auftakt des Special am Samstag hatte er gebockt.

"Das Pferd ist eben so genial, da passiert sowas schon mal", sagte Isabell Werth, sie wirkte dennoch etwas ratlos: "Ich kann es mir nicht erklären, dass es wieder zu dem Fehler kam."

Patzer schon im Grand Prix Special

Für Werth wurde der letzte Auftritt im Wettkampf-Viereck von Hongkong zur reinen Nervensache.

Im Grand Prix Special hatte ihr Pferd Satchmo aus unerklärlichen Gründen schwer gepatzt und seine Reiterin um die klare Führung gebracht. Der Hannoveraner brach in der Piaffe aus und ließ sich sekundenlang nicht zügeln.

Werth sprach anschließend davon, dass sie der Patzer rund fünf Prozentpunkte und damit die uneinholbare Führung vor der Kür gekostet habe.

Erste Einzelmedaille für Kemmer

Für Heike Kemmer war es nach zweimal Gold mit der Mannschaft die erste Einzelmedaille bei Olympischen Spielen.

Die 46-Jährige, die ihre Olympia-Teilnahme erst in letzter Minute bei der Sichtung in Aachen perfekt gemacht hatte, bestätigte mit ihrem erfahrenen Hannoveraner Bonaparte den guten Eindruck der ersten Wettkampftage und gewann verdient eine Medaille.

"Es ist ein Traum wahr geworden. Nach Athen hatte ich mir das so fest vorgenommen", sagte Heike Kemmer und strahlte vor Glück.

Speziell arrangierte Kür-Musik

Für Hongkong hatte Werth intensiv an ihrer Kür gearbeitet. Sie baute hohe Schwierigkeitsgrade in ihre Vorführung ein und ließ die Musik von Vangelis extra von einem Filmmusiker neu arrangieren.

Van Grunsven, die als die etwas bessere Kürreiterin galt, setzte wie auch Kemmer auf ihre alte Kür.

Am Donnerstag hatte Werth ihr erstes Hongkong-Gold gewonnen. Gemeinsam mit ihren Team-Kolleginnen Kemmer und Nadine Capellmann mit Elvis triumphierte sie im Teamwettbewerb vor den Erzrivalen aus den Niederlanden und sicherte die Erfolgsserie. Seit 1972 ist die deutsche Equipe damit bei Olympia ungeschlagen.

Sechste Goldmedaille verpasst

Mit dem Erfolg hätte sich Werth ihre sechste Goldmedaille und das zweite Doppel-Gold nach Atlanta 1996 gesichert. Damit hätte sie auch den früheren Dressurreiter Reiner Klimke als bislang erfolgreichsten Reitsportler aller Zeiten abgelöst.

Ihre ersten vier Goldmedaillen gewann Werth allesamt mit ihrem früheren Top-Pferd Gigolo. Neben Doppel-Gold in Atlanta triumphierte sie mit der Mannschaft in Barcelona 1992 und in Sydney 2000.

Nachdem Gigolo 2000 in den Ruhestand verabschiedet worden war, konnte die reitende Juristin zunächst nicht an den früheren Erfolg anknüpfen und war bei Olympia in Athen nicht dabei.

Gold-Euphorie verflogen

Im Lager der deutschen Reiter ist in Hongkong zunächst einmal die große Gold-Euphorie verflogen. Der Absturz der Springreiter im Nationenpreis auf Platz fünf und die verpasste Goldmedaille von Werth sortgen für Ernücherterung.

Zuvor hatte es dreimal deutsches Gold in Folge gegeben. Erst triumphierten Hinrich Romeike und die Equipe in der Vielseitigkeit, dann holte die Dressur-Mannschaft Gold. Am Donnerstag werden nach dem Einzel-Finale der Springreiter im Reitstadion von Hongkong letztmals Medaillen vergeben.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel