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Renate Lingor konnte dem Mittelfeld nicht die Impulse geben © getty

Die deutschen Fußballerinnen zeigen nach der Halbfinal-Pleite gegen Brasilien vor dem Spiel um Bronze gegen Japan ihren Trotz.

Peking - Als die deutschen Weltmeisterinnen am Dienstag im Olympischen Dorf einzogen, war die herbe Enttäuschung bereits Trotz gewichen.

"Ich fahre auf keinen Fall ohne eine Medaille nach Hause", sagte Mittelfeldchefin Renate Lingor vor dem Spiel um Rang drei beim olympischen Fußball-Turnier am Donnerstag gegen Japan.

Nach der bitteren Niederlage im Halbfinale gegen Brasilien (1:4) schwor DFB-Trainerin Silvia Neid ihre Mannschaft noch auf dem Spielfeld auf die kommende Aufgabe ein.

"Da habe ich den Spielerinnen gesagt, dass sie heute Abend traurig sein dürfen. Aber morgen werden wir wieder nach vorne schauen. Mit einer Medaille nach Hause zu kommen, wäre toll, aber wir haben sie noch nicht", sagte sie.

Japan ein starker Gegner

Schließlich ist Japan ein starker Gegner, dem Experten durchaus eine Überraschung zutrauen.

Zumal die deutsche Elf im Turnierverlauf nur beim 2:0-Sieg nach Verlängerung im Viertelfinale gegen Schweden restlos überzeugte. Wer die Auftritte von Lingor und Co. in China verfolgt hat, den wird es nicht wundern, dass es im Arbeiterstadion in Peking (12 Uhr MESZ) "nur" um Bronze geht.

Die Mannschaft hat sich geradezu durch das Turnier "gemogelt"; mit einigem Geschick - und einer gehörigen Portion Glück.

"Die haben Katz und Maus mit uns gespielt"

Schon beim 0:0 zum Turnier-Auftakt war Brasilien besser, nur das Toreschießen hatten Marta, Cristiane und die anderen Künstlerinnen vergessen. In der Vorschlussrunde wurden der deutschen Elf ihre Defizite dann aber gnadenlos vor Augen geführt.

"Die haben Katz und Maus mit uns gespielt. Das war ernüchternd, die Mannschaft tat mir fast ein bisschen leid", sagte die ehemalige Nationaltorfrau Silke Rottenberg, die das Debakel zu Hause im Fernsehen miterlebt hatte.

Vor Rottenbergs machtloser Erbin Nadine Angerer lief nach gutem Beginn fast alles schief, was schief laufen konnte. Und dem geneigten Beobachter drängte sich der Verdacht auf, dass dem Welt- und Europameister ein personeller Umbruch gut täte.

Rätselhafte Entscheidungen

Die Verteidigerinnen Kerstin Stegemann und Ariane Hingst haben große Verdienste, schneller werden sie im Alter aber nicht mehr.

Im Mittelfeld war Lingor bei ihrem letzten Turnier - sicher auch wegen der Verletzungspause zuvor - nicht mehr die Leitfigur, die das Team gebraucht hätte. Dazu kamen rätselhafte Entscheidungen von Neid.

Warum sie beim Stand von 1:3 die Stürmerin Anja Mittag aus dem Spiel nahm und Mittelfeldspielerin Celia Okoyino da Mbabi nach vorne beorderte, wird ihr Geheimnis bleiben.

Nachfragen weggewischt

Nachfragen wischte sie barsch und wenig souverän weg. Conny Pohlers, mit 20 Treffern immerhin auf Platz drei der Bundesliga-Torjägerliste, schmorte dagegen weiter auf der Bank - wie im gesamten Turnierverlauf.

"Wir haben in Deutschland einen guten Nachwuchs. Da kann ich ohne schlechtes Gewissen aufhören", hatte Lingor unlängst gesagt.

Sie tritt mit dem Spiel um Platz drei ab, andere wollen weiter um Titel und Medaillen spielen. Ob Lingors Trotz und die Qualität der Truppe zu Bronze reicht, wird sich am Donnerstag zeigen.

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