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Yuki Ota gewann für Japan bei den Olympia 2012 in London Silber im Fechten © getty

Istanbul, Madrid oder doch Tokyo: Alle drei Kandidaten haben vor der Wahl zur Olympiastadt 2020 mit Problemen zu kämpfen.

Lausanne - Spannung bis zum 7. September: Bei der Wahl der Olympiastadt 2020 gibt es auch nach dem Evaluierungsbericht des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) keinen echten Favoriten unter den Kandidaten Istanbul, Madrid und Tokio.

"Wir sind sehr erfreut über die Qualität aller Bewerbungen, und es ist klar, dass die IOC-Mitglieder in Buenos Aires eine schwierige Wahl haben werden", sagte der britische IOC-Vizepräsident Craig Reedie am Dienstag in Lausanne über den Bericht seiner Kommission.

Drei Handicaps

Doch jeder Kandidat hat sein spezielles Handicap: Erst warf die Umwelt- und Atomkatastrophe in Japan einen Schatten auf die damals noch nicht eingereichte Bewerbung Tokios.

Dann gefährdeten Wirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit in Spanien die Pläne Madrids.

Und zuletzt schienen die massiven Proteste Zigtausender gegen die Politik des türkischen Ministerpräsident Recep Erdogan die Olympiaträume Istanbuls massiv zu stören.

Proteste ohne Auswirkungen auf Bewerbung

"Diese Proteste werden keinen negativen Einfluss auf die Bewerbung Istanbuls haben", sagte Jacques Rogge, der am 10. September in Buenos Aires aus dem Amt scheidende IOC-Chef, nach den Krawallen in der Türkei.

Zuvor hatte eine türkische Delegation am IOC-Sitz in Lausanne Bedenken zu zerstreuen versucht.

"Der Weg einer demokratischen Nation ist nicht immer ein leichter", sagte IOC-Mitglied Ugur Erdener, "aber es ist der richtige. Wir begrüßen den Dialog, der stattfindet und beginnt, die Proteste zu reduzieren."

Die Demokratie werde gestärkt: "Istanbul wird sogar noch ein besserer Gastgeber für 2020 werden."

Geringes Baubudget für Spanien

Mehrfach gab Spaniens Politik Garantieerklärungen für das aus ihrer Sicht finanziell gesicherte Projekt Olympia 2020 ab.

So betrage das Baubudget vergleichsweise geringe 1,5 Milliarden Dollar, da 80 Prozent der Anlagen bereits vorhanden seien.

Einer positiven Sicht schloss sich zuletzt auch das IOC an. "Die spanische Wirtschaft hat zwar in einer Krise gesteckt, aber sich nun wieder stabilisiert. Es wird wieder aufwärts gehen", sagte Craig Reedie beim Abschluss des viertägigen Besuchs der IOC-Evaluierungskommission.

Favorit Japan

Im erdbebengefährdeten Japan wird die Gefahr für mögliche Sommerspiele in sieben Jahren durch Sport und Politik heruntergespielt.

Anscheinend mit Erfolg. Für viele Insider ist die Olympiastadt von 1964 so etwas wie der heimliche Favorit im Kandidaten-Trio.

Weitere Klarheit wird es wohl auch in einer Woche nicht geben, wenn die drei Städte in Lausanne ihre technische Präsentation beim IOC abgeben.

Dann werden in den Konzepten noch letzte Korrekturen erwartet, bevor zwei Monate später in Argentinien die Entscheidung fällt.

Aus sechs mach drei

Reedies Kommission hatte im März erst Tokio (4. bis 7.), dann Madrid (18. bis 21.) und zuletzt Istanbul (24. bis 27.) noch einmal eingehend inspiziert.

Die drei Städte waren übrig geblieben, nachdem das IOC im Mai 2012 unter ursprünglich sechs Kandidaten aussortiert hatte.

Baku (Aserbaidschan) und Doha (Katar) wurden damals nicht in den Kandidaten-Status erhoben. Rom hatte seinen Verzicht erklärt.

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