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Fabian Hambüchen wurde 2007 Weltmeister am Reck © getty

Fabian Hambüchen konnte bei den Olympischen Spielen die Erwartungen nicht erfüllen. Selbst an "seinem" Reck musste er zittern.

Peking - Zu wenig riskiert, fast alles verloren: Fabian Hambüchen wollte am Reck den goldenen Jackpot knacken, am Ende musste er sich am "Königsgerät" mit dem bronzenen Trostpreis zufriedengeben.

IOC-Vize Thomas Bach wollte bei der Siegerehrung mit verständnisvollen Worten und einer väterlichen Umarmung trösten, es war vergebens. Mit hängenden Mundwinkeln nahm Hambüchen eine Medaille entgegen, die sich für ihn wie ein wertloses Stück Blech anfühlen musste.

"Ich war so auf dieses verdammte Gold fixiert. Eigentlich ist es schlimm, dass man sich über Bronze nicht freuen kann. Es war eine fast dumme Einstellung. Wenn immer nur von Gold geredet wird, dreht man irgendwie selbst nur noch am Rad", kommentierte Hambüchen deprimiert und selbstkritisch zugleich.

Erste Medaille seit 12 Jahren

Dabei war es die erste Medaille für einen deutschen Kunstturner seit dem Olympiasieg des Berliners Andreas Wecker vor zwölf Jahren in Atlanta.

Dass an "seinem" Reck im National Indoor Stadium von Peking der Chinese Zou Kai (16,200) vor Jonathan Horton aus den USA (16, 175) triumphierte, war für den Gerätartisten eine bittere Enttäuschung.

Mehrfach hatte Hambüchen (15,875) diese Noten im Olympiajahr souverän überboten, ausgerechnet diesmal nicht: "Nach meinem Fehler bei der Adler-Drehung wollte ich noch aufstocken, aber es war wohl besser, dass ich es nicht getan habe."

Hoffnungen liegen in London

Immerhin: Schon kurz nach der Siegerehrung hatte Hambüchen seinen Kampfgeist und wohl auch seine Risikobereitschaft wiedergefunden und blickte auf seine dritten Olympischen Spiele voraus: "Dann werde ich mir eben 2012 in London meinen Goldtraum erfüllen."

Peking 2008 hingegen musste der Ausnahmeathlet als letztlich enttäuschende Erfahrung abbuchen.

"Wenn hier alles normal gelaufen wäre, hätte es gereicht, aber es war nicht meine Woche, es waren nicht meine Spiele", formulierte Hambüchen, dessen Kapselverletzung am kleinen Finger der linken Hand nach eigener Aussage auskuriert war: "Daran hat es nicht gelegen."

Entscheidender Fehler beim "Adler"

Eigentlich hatte der 20-Jährige im Finale vorlegen, die 18.000 Zuschauer und vor allem seine Konkurrenten schocken wollen, stattdessen schockte er sich in erster Linie selbst.

Ein Fehler beim "Adler" drückte seinen Ausgangswert auf 6,8 Punkte herunter, geplant waren 7,1 Zähler. Viel zu wenig, um für eine Vorentscheidung zu sorgen.

Was blieb, war eine Zitterpartie, in deren Verlauf der 1,63 m kleine Hambüchen verkrampft auf einem Plastikstühlchen hockte und zentimeterweise in seine weiße Trainingsjacke hineinzuschrumpfen schien.

Mit Trostpreis zufrieden

Erst, als Igor Cassina aus Italien, Olympiasieger von Athen, seine Übung als Vierter beendet hatte, durfte sich Deutschlands "Sportler des Jahres" seines Trostpreises sicher sein.

Hambüchen: "Da pochte mein Herz dann doch ganz stark." Er hob kurz den Arm, umarmte seine Rivalen und drückte Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen flüchtig die Hand.

Hambüchen senior: "Fabian hat gut improvisiert, wir müssen mit Rang drei zufrieden sein."

Zweimal Vierter

Zum Auftakt des letzten Wettbewerbstages der Kunstturner hatte Hambüchen am Barren den vierten Platz belegt, bereits zum dritten Mal in Peking nach Rang vier mit der Riege im Mannschafts-Wettbewerb sowie am Boden.

Sieger wurde an diesem Gerät der Chinese Li Xiaopeng vor Yoo Wonchul aus Südkorea und dem Usbeken Anton Fokin.

Die Mehrkampf-Zweite Shawn Johnson aus den USA setzte sich am Schwebebalken vor ihrer Teamkollegin Nastia Liukun und Mannschafts-Olympiasiegerin Cheng Fei aus China durch.

China dominiert

Mit elf von 16 Goldmedaillen war Olympia-Gastgeber China im Turnen das absolut stärkste Team.

Immerhin zwei Siege feierten die Kunstturnerinnen aus den USA. Die olympischen Turnwettbewerbe werden am Donnerstag mit dem ersten Qualifikationstag in der Rhythmischen Sportgymnastik fortgesetzt.

Deutsche Athletinnen sind dort nicht am Start.

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