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Andreas Dittmer ist eine deutsche Gold-Hoffnung in Peking © imago

Die Kanu-Gallionsfigur muss nachsitzen, erreicht aber dann doch noch den Endlauf. Die Kanuflotte glänzt mit starker Präsenz.

Peking - Galionsfigur Andreas Dittmer rätselt weiter über seine Form, erst auf den letzten Metern verhinderte der dreimalige Canadier-Olympiasieger auf seiner Lieblingsstrecke das drohende Aus im Halbfinale.

"Ich habe nicht gepokert, es geht sehr zäh. Aber ich lasse den Kopf nicht hängen - ich möchte mir zum Abschluss ein schönes Geschenk machen", sagte der 36-Jährige.

Das Medaillenziel hat er bei seiner vierten Olympia-Teilnahme also nicht aus den Augen verloren, am Freitag steht der 1000-m-Endlauf auf dem Programm.

Kein Gedanke an Gold

An Gold verschwendet Dittmer momentan aber keinen Gedanken.

Der achtmalige Weltmeister lag im Halbfinale im Shunyi Park nach 750 Metern zum Entsetzen der Trainerschaft nur auf Rang vier und wäre damit ausgeschieden gewesen. Cheftrainer Reiner Kießler schwante Übles:

"Ich dachte, hoffentlich hört er nicht auf."

Als Dittmer im Endspurt die Bootsspitze noch als Zweiter ins Ziel schieben konnte, fiel Kießler "ein Stein vom Herzen".

Über Mutmacher dankbar

Ein paar Minuten nach dem Kraftakt bekam Dittmer zur Belohnung von seiner Freundin einen innigen Kuss.

Der Routinier ist auch ansonsten für jeden Mutmacher dankbar:

Am Vorabend fasste er mal das Gold von Triathlet Jan Frodeno an, beim Frühstück hatten ihm dann Kießler und seine Schwester Anja Dittmer mentalen Beistand geleistet.

"Ursachen im physischen Bereich"

Über viele Jahre konnte der Neubrandenburger mit der Konkurrenz spielen, plötzlich schlagen die um viele Jahre jüngeren Rivalen zurück. Das nagt am Selbstvertrauen - ein teuflischer Kreislauf. Dieses Rennen sei nun wieder ein kleiner Schritt nach vorn, hofft Dittmer.

"Das Kopfproblem hat seine Ursachen im physischen Bereich", bestätigt Sportdirektor Jens Kahl.

Hoff mit Halbfinalerfolg

Dittmer fühlt sich nicht richtig wohl, hofft auf eine Abkühlung durch Regen und will sich von Rennen zu Rennen steigern. Am Donnerstag über 500 Meter muss er ebenfalls im Halbfinale unter die besten Drei.

Der ehemalige Wildwasser-Weltmeister Max Hoff (Raunheim) paddelte im Einerkajak im Gegensatz zu Dittmer unbeschwert los. Selbst Kopfschmerzen und eine leichte Erkältung konnten den 25 Jahre alten Olympia-Neuling beim Halbfinalerfolg nicht bremsen.

Vor den 500-m-Halbfinals mit Dittmer und Einerkajak-Spezialist Jonas Ems (Essen) stehen somit 10 von 12 deutschen Booten in den Endläufen. Die Finals gehen am Freitag und Samstag über die Bühne. Ziel der deutschen Flotte sind drei Goldmedaillen.

Kießler: "Dittmer ist auf jeden Fall nicht mehr Favorit."

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