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Erst Anfang 2008 bekam Matthias Steiner die deutsche Staatsgezugehörigkeit © getty

Bei Sport1 spricht Gewichtheber Matthias Steiner über den Olympia-Triumph, seine "Flucht" aus Österreich und Arnold Schwarzenegger.

Von Peter Rietzler

Peking - Usain Bolt aus Jamaika ist der schnellste Mann, US-Schwimmstar Michael Phelps der erfolgreichste Athlet bei Olympia 2008.

Am Dienstag wurde der stärkste Mann gekürt: Matthias Steiner.

Bei den Olympischen Spielen 2004 war er in der Klasse bis 105 kg noch Siebter geworden - für Österreich.

Doch kurz danach lernt er Susann aus Deutschland kennen und lieben. Beide heiraten.

Drei Jahre Pause bei internationalen Wettkämpfen

Nachdem es bei der EM 2005 in Sofia zum Bruch mit dem österreichischen Gewichtheberverband kommt, beantragte Steiner die deutsche Staatsbürgerschaft.

Doch er musste bei internationalen Wettkämpfen drei Jahre pausieren.

Dann der Schock: Im Juli 2007 verunglückte seine Frau bei einem Autounfall tödlich, Steiner versprach ihr am Grab, Gold in Peking zu holen. Am Dienstag machte er sein Versprechen wahr.

Bei Sport1 spricht Steiner über seine "Flucht" aus Österreich, Arnold Schwarzenegger und seine Freude am Wettkampf.

Sport1: Herr Steiner, wie fühlt man sich am Tag nach dem Gewinn der Goldmedaille?

Matthias Steiner: Ich habe das ganze so gut wie möglich verkraftet. Langsam kommen die Schmerzen des Wettkampfs zum Tragen, aber mir geht es blendend.

Sport1: Im letzten Versuch haben Sie Gold gewonnen.

Steiner: Das ist ein Moment des absoluten Glücks. Ganz oben zu stehen, macht wahnsinnig Spaß. Das ist eine Riesenfreude, das hat jeder gesehen. Emotionen pur.

Sport1: Sind Gedanken an Ihre verstorbene Frau Susann dabei gewesen?

Steiner: Vor und nach dem Wettkampf ja. Während des Wettbewerbes muss ich mich hundertprozentig auf meine Versuche konzentrieren, aber nachher war es logischerweise ganz enorm.

Sport1: Das Foto Ihrer Frau tragen Sie immer bei sich.

Steiner: Es ist immer mit dabei. Beim Wettkampf, bei Siegerehrungen, im Training, immer. Sie gibt mir nach wie vor viel Kraft.

Sport1: Wären Sie auch Olympiasieger geworden, wenn Sie in Österreich geblieben wären?

Steiner: In unserer Sportart spielt der Trainer (Frank Matek, Anm. d. Red.) eine ganz entscheidende Rolle, dazu sind Verbandsstrukturen ganz, ganz wichtig und deswegen muss ich das klar verneinen.

Sport1: Warum hatten Sie sich mit dem Verband angelegt?

Steiner: Ich habe kein Blatt vor den Mund genommen, habe gesagt, was ich brauche, um erfolgreich zu sein. Wenn man die Wahrheit nicht verträgt, dann läuft es auf so eine Trennung hinaus. In Deutschland ist alles anders. Die Personen, die den Verband führen, sind absolute Profis. Mir wird alles nur Erdenkliche abgenommen. Ich bin Business-Klasse nach Peking geflogen, weil der Verband gemeint hat, dass ich sonst nicht ordentlich sitzen könnte.

Sport1: Wie hart waren nach dem Nationenwechsel die drei Jahre ohne internationale Wettkämpfe?

Steiner: Das war sportlich die schwierigste Zeit. Ich habe das nur mit dem großen Ziel, dass ich bei Olympia starten kann, ertragen. Jedes Mal habe ich mich auf eine WM vorbereitet und dann wieder eins auf den Deckel bekommen, weil die Staatsbürgerschaft noch nicht da war. Das war brutal.

Sport1: Der olympische Wettkampf war extrem spannend...

Steiner: Als Athlet wünscht man sich Situationen, wo man leichter gewinnt, aber für das Publikum gibt es nichts Besseres als so einen Wettkampf. Das war Dramatik pur und im Nachhinein macht es als Athlet auch Riesenspaß, wenn man so gewonnen hat.

Sport1: Wie war es Ihnen möglich, im Wettkampf Bestleistung zu reißen und zu stemmen?

Steiner: Da zähle ich sicher zu den Ausnahmen in der Szene. Ich komme im Training nie an meine Gewichte, die ich im Wettkampf hebe, heran. Der Russe hat mich gefragt, was ich im Training gehoben habe. Da habe ich ihm geantwortet: 190 und 240! Das konnte er mir nicht glauben. Er hat im Training 212 und 255 gehoben und im Wettkampf sind 210/250 übrig geblieben. Bei mir ist das Gegenteil der Fall.

Sport1: Wer bestimmt die Taktik?

Steiner: Das macht ausschließlich der Trainer. Er macht alles und ich brauche nur zu heben. Man kann viel taktieren und die Gegner verunsichern. Da ist Spannung pur drinnen. Das ist wie ein Hollywood-Film!

Sport1: Stichwort Hollywood. Als stärkster Mann der Welt sind Sie auf einer Stufe mit Arnold Schwarzenegger. Gibt es da Ähnlichkeiten?

Steiner: Was Schwarzenegger gemacht hat, war ein ganz besonderer Weg. Das kann kaum einer toppen. Die Geschichte könnte aber ähnlich sein. Denn wenn man Ziele im Kopf hat, dann macht man alles dafür. Er musste auch ins Ausland gehen, um Karriere zu machen. Er hat übrigens als Gewichtheber angefangen. Er ist in Fitness-Studios eingebrochen, um trainieren zu können. So ähnlich verrückt bin ich auch. Er musste einbrechen, weil er sonst keine Möglichkeiten hatte. Ich musste ausbrechen aus Österreich, um richtig erfolgreich zu werden. So gesehen gibt es schon Ähnlichkeiten.

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