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Meredith Michaels-Beerbaum gehört zu den Favoriten im Einzelspringen © getty

Nach der Pleite im Mannschaftsspringen sind die deutschen Reiter nur Außenseiter bei der Einzel-Entscheidung am Donnerstag.

Hongkong - Bei einem Grillfest mit Steaks und Geflügel am Millionärs-Strand von Hongkong sammelten die deutschen Springreiter Kraft für die letzte Attacke auf die Medaillen.

Ludger Beerbaum und Co. sonnten sich oder spielten im seichten Wasser Volleyball.

"Wir wollten die Köpfe freibekommen und mal nicht über Reiten reden", sagte Bundestrainer Kurt Gravemeier.

"Das war ganz entspannend", meinte Beerbaum nach dem Abstecher an einen Ort, der nicht nur Großverdienern zugänglich ist und zum üblichen Touristen-Programm gehört.

Doch bei aller Entspannung gab es weiter Zweifel am Gewinn einer Medaille im Einzel-Finale.

Absturz hinterlässt Spuren

"Wir lassen die Köpfe nicht hängen. Doch bei unserem jetzigen Lauf könnte ich mir auch vorstellen, dass wir am Ende mit leeren Händen dastehen", sagte Gravemeier vor dem Start am Donnerstag (13.15 Uhr MESZ LIVE).

Der Absturz auf Platz fünf im Mannschaftsspringen hat Spuren im Team hinterlassen.

Hoffnungen ruhen auf Michaels-Beerbaum

Während die deutschen Reiter aus Dressur und Vielseitigkeit die Medaillen abräumten, blieben die Springreiter hinter den Erwartungen zurück: "Mit dem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein", sagte Generalsekretär Hanfried Haring von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN.

Die größten Hoffnungen trägt Meredith Michaels-Beerbaum.

"Shutterfly ist immer noch mein Favorit, auch wenn zehn weitere Paare um Platz eins reiten können", so Haring.

Beerbaum setzt auf Erfahrung

Der 14 Jahre alte Wallach der 38-Jährigen zeigte bislang jedoch ungewohnte Schwächen und leistete sich in allen drei Qualifikationen Abwürfe. Nach den drei Qualifikationen lag der Norweger Andre Tony Hansen auf Rang eins vor Weltmeister Jos Lansink (Belgien) mit Cumano und dem US-Amerikaner Mclain Ward auf Sapphire.

Keine großen Sorgen vor dem letzten Ritt von Hongkong macht sich der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum. Der 44-Jährige profitiert von seiner Erfahrung und erinnert gerne an Olympia 1992 in Barcelona. Damals hatte er als 44. gerade noch das Finale erreicht und wurde anschließend Olympiasieger.

"Es geht wieder bei null los, und das ist gut für uns", sagt Beerbaum. Auch in Hongkong musste der EM-Dritte zittern, ehe er von Platz 33 ins Finale der besten 35 Paare kam.

Kutscher verpasst Finale

Eine Außenseiterchance hat Christian Ahlmann, der sich in den ersten drei Springen steigerte.

In Runde zwei des Nationenpreises wäre dem Doppel-Europameister von 2003 beinahe der erste deutsche Nullfehlerritt gelungen, doch am letzten Hindernis ließ sein Wallach Cöster die Stange purzeln. Den Sprung ins Finale hatte Marco Kutscher (Hörstel) mit Cornet Obolensky verpasst. Am Mittwoch bestanden alle deutschen Pferde problemlos den Veterinär-Check.

Fünfmal kam der Olympiasieger im Springreiten bislang aus Deutschland. Zuletzt gewann Ulrich Kirchhoff (Rosendahl) mit Jus de Pommes 1996 in Atlanta. Davor waren Beerbaum mit Classic Touch 1988 in Seoul, Alwin Schockemöhle mit Warwick Rex 1976 in Montreal, Hans Günter Winkler mit Halla in Stockholm 1956 und Kurt Hasse mit Tara 1936 in Berlin erfolgreich.

Es soll regnen

Wenig Freude bereiten dem deutschen Team die Wetteraussichten. Für Donnerstag wird vor einem Taifun gewarnt.

Im deutschen Lager geht man aber eher von einem starken Gewitter aus. "Es wäre schade, wenn jetzt das Programm noch durcheinandergewirbelt wird", sagte Haring. Wegen des extremen Klimas hatten die Organisatoren zwei zusätzliche Tage angesetzt.

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