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Frank Stäbler (l.) kann bei der WM Bronze holen
Bei Olympia in London mit Platz 5 bester deutscher Ringer: Frank Stäbler (l.) © getty

Der Traditionssport geht als Favorit in den Dreikampf um Olympia - auch dank Putin. Baseball erledigt seine Hausaufgabe nicht.

München - Sogar Kremlchef Wladimir Putin schickte die Ringer mit einer Aufmunterung ins Olympia-Finale. Indiens Sportminister P.K. Deb richtete einen schriftlichen Appell an alle IOC-Mitglieder, und allein aus Japan gingen eine Million handgeschriebene Solidaritätsbriefe beim internationalen Verband (FILA) ein.

Die weltweite Allianz zur Unterstützung des jahrtausendealten Sports funktionierte bis zum letzten Moment. Am Sonntag entscheidet die 125. IOC-Vollversammlung in Buenos Aires den Verdrängungswettbewerb um den letzten freien Platz im olympischen Programm für die Spiele 2020.

Ringen geht im Dreikampf mit Baseball/Softball und Squash als klarer Favorit in die Abstimmung.

Lalovic: "Einen Kampf müssen wir noch gewinnen"

"Ich bin optimistisch, aber ich mache noch keinen Champagner auf. Einen Kampf müssen wir noch gewinnen", sagte FILA-Präsident Nenad Lalovic. "Wir haben sehr hart gearbeitet und hoffen, dass wir dafür belohnt werden."

Bedroht vom Olympia-Aus und dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit, hat sich der Traditionssport in Rekordtempo neu erfunden.

Nur sieben Monate nach der heftig kritisierten Empfehlung der IOC-Exekutive, Ringen von 2020 an den Olympia-Status abzuerkennen, glauben selbst IOC-Granden an eine Revision des eigenen Fehlurteils. "Es war solch ein Fehler, er muss einfach korrigiert werden", sagte IOC-Präsidentschaftskandidat Denis Oswald (Schweiz) stellvertretend für viele.

20 Minuten für die Zukunft

Unmittelbar vor dem entscheidenden Votum am Sonntag hat jeder internationale Verband noch einmal 20 Minuten Zeit, sich den stimmberechtigten Olympiern zu präsentieren.

Baseball/Softball, das noch immer keine garantierte Zusage der nordamerikanischen Profiliga Major League Baseball über die Olympia-Teilnahme aller Superstars hat, war erst 2005 aus dem Programm gewählt worden.

Squash erfüllt mit 185 Mitgliedsverbänden zwar den Universalitätsanspruch des IOC, ist aber alles andere als ein innovativer Trendsport. Bei einem Sieg der Ringer bliebe alles beim alten - und die groß angekündigte Reformpolitik von IOC-Präsident Jacques Rogge würde sich auf die Aufnahme von Golf und Rugby bei den Spielen 2016 beschränken.

Ringer-Nationen verbunden sich

Der Selbsterhaltungstrieb der Mattenkämpfer ist bemerkenswert. Jahrelang hatte die FILA die IOC-Forderungen nach Modernisierung ignoriert - nach dem erzwungenen Rücktritt des Schweizers Raphael Martinetti als FILA-Präsident Mitte Februar konnte es nicht schnell genug gehen.

Unter der erfolgreichen Führung von Lalovic entwickelte die FILA mit ihren 177 Mitgliedsverbänden eine ungeahnte Wucht.

Die Ringer-Nationen USA, Iran und Russland bildeten eine verblüffende Interessengemeinschaft, sogar bei den Vereinten Nationen warben Lalovic und Co. für ihr Anliegen.

Ringen stellt sich neu auf

Mit umfassenden Regeländerungen trieben die Ringer die Neuausrichtung schließlich entscheidend voran. In Zukunft wird in zwei Runden a drei Minuten gekämpft.

Aktivität soll belohnt werden, das Wertungssystem wurde vereinfacht, und es gibt zwei Gewichtsklassen mehr für Frauen - auf Kosten der Männer.

Auch der FILA-Vorstand öffnet sich für Frauen, eine Vizepräsidentin soll her. "Der Verband hat die Gründe für die Streich-Empfehlung verstanden und gut reagiert", lobte Rogge. Für IOC-Vize Thomas Bach ist Ringen nach den Änderungen sogar "ein neuer Sport".

Lalovic wertete die Komplimente als Bestätigung für den richtigen Kurs. "Das weltweite Interesse an unserem Schicksal ist sehr bewegend und zeigt unseren Stellenwert", sagte der imposante Serbe, der sich vor allem über Putins Last-Minute-Glückwünsche freute. "Ich danke der internationalen Ringer-Familie und der Politik."

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